Steinhagener Seniorenabzocker auf der Anklagebank

Der Prozess um einen falschen Polizisten geht weiter. Allerdings machten die Zeugen vor dem Haller Amtsgericht widersprüchliche Aussagen.

Anke Schneider

Bei einer anderen Gelegenheit klingelte der Angeklagte an der Haustür einer Frau und gab an, in polizeilichen Ermittlungen wegen Falschgeld unterwegs zu sein. - © Frank Jasper
Bei einer anderen Gelegenheit klingelte der Angeklagte an der Haustür einer Frau und gab an, in polizeilichen Ermittlungen wegen Falschgeld unterwegs zu sein. (© Frank Jasper)

Steinhagen. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, zwischen Januar und März 2018 versucht zu haben, an Geld und Wertgegenstände von zumeist älteren Bürgern zu kommen. Am 24. Januar hatte er einen Rentner sogar bis zu einer Kreuzung verfolgt, war ausgestiegen und hatte an die Scheibe des Wagens geklopft. Dann soll er versucht haben, dem Rentner weiszumachen, dass der zu schnell gefahren sei und Bußgeld zahlen müsse. Der Rentner wollte daraufhin den Dienstausweis sehen. „Mir kam das komisch vor", sagte der Steinhagener im Gericht. Der falsche Beamte verschwand.

Bei einer anderen Gelegenheit klingelte der Angeklagte an der Haustür einer Frau und gab an, in polizeilichen Ermittlungen wegen Falschgeld unterwegs zu sein. Er ließ sich von der Frau 80 Euro aushändigen und gab an, das Geld in seinem Pkw mit einem Scanner prüfen zu wollen. Der Beschuldigte ging zu seinem Auto und verschwand wiederum.

Etwas später kreuzte der Beschuldigte bei einer weiteren Bürgerin auf und behauptete, in einer Diebstahlsache zu ermitteln. Er wollte den Aufbewahrungsort des Bargeldes wissen und fragte nach der PIN der EC-Karte. Die Bürgerin weigerte sich, dem Wunsch nachzukommen und der falsche Polizist machte sich von dannen. Eine andere Rentnerin hatte weniger Glück. An ihr drängelte sich der Mann an der Haustür vorbei und griff sich ihr Portemonnaie und ihr Handy.

Durch einen Pressebericht im Haller Kreisblatt vorgewarnt

Eine 57-jährige Verkäuferin, bei dem der Beschuldigte dann Anfang Februar klingelte, war durch einen Pressebericht im Haller Kreisblatt vorgewarnt. „In der Zeitung stand, dass falsche Polizisten unterwegs sind", sagte sie im Gericht. Sie ließ den Angeklagten deswegen abblitzen.

Ein weiteres Opfer wurde schließlich eine Frau, an deren Haustür der Mann ebenfalls klingelte. Sie sollte laut Aussage des Betrügers ohne Licht gefahren sein und sollte 50 Euro zahlen. Da die Frau kein Bargeld im Haus hatte ging sie zum Geldautomaten und hob 300 Euro ab. Als sie zu ihrer Wohnanschrift zurückkam, öffnete sie ihre Geldbörse und wollte dem Angeklagten 50 Euro geben. Der griff jedoch plötzlich in das Portemonnaie, nahm das gesamte Geld und verschwand.

Einige Zeugen hatten den Angeklagten auf Lichtbildern wiedererkannt, andere hingegen nicht. Einer hatte sogar behauptet, der Mann auf dem Foto sei nicht der Angeklagte. Wieder andere konnten beim Prozessauftakt im Januar und bei der Fortsetzung im Februar aufgrund ihres hohen Alters, einer Sehbehinderung oder eines langwierigen Oberschenkelhalsbruchs gar nicht vernommen werden. Daher weitete das Gericht die Riege der Zeugen auf Angehörige, Polizeibeamten, die vor Ort waren, und Polizisten, die später die Vernehmungen der Geschädigten durchgeführt hatten, aus. „Diese Masche ist besonders mies, deswegen ist der Prozess auch jede Mühe wert", sagte der Staatsanwalt.

Die Verkäuferin sagte gestern nochmals aus, dass sie den Angeklagten eindeutig wiedererkenne. „Das ist er", sagte sie und zeigte auf den Angeklagten. Der Prozess wird mit weiteren Zeugen in zwei Wochen, am 27. September, fortgesetzt.

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