„Anders geht es nicht": Schaeffler schickt 420 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Jonas Damme

Schwächelt: Die Mitarbeiter des Steinhagener Schaeffler-Werkes gehen in Kurzarbeit. - © Jonas Damme
Schwächelt: Die Mitarbeiter des Steinhagener Schaeffler-Werkes gehen in Kurzarbeit. (© Jonas Damme)

Steinhagen/Herzogenaurach. Die 420 Mitarbeiter, die der große Auto- und Industriezulieferer Schaeffler im Steinhagener Werk an der Autobahn beschäftigt, wurden zur Kurzarbeit verpflichtet. Damit reagiert das Weltunternehmen auf die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme, wie Bettina Lichtenberg, Leiterin der Unternehmenskommunikation, bestätigt.

„Es wird noch andere Metallunternehmen in der Gegend treffen"

Eine Entscheidung, die der Betriebsrat mitträgt. „Anders geht es nicht", erklärt dessen Vorsitzender Jörg Schütze. Laut Antrag begann die Kurzarbeit schon am 1. September, erste tatsächliche Arbeitsreduzierungen wird es aber erst ab dem Wochenende geben. „Wir haben die Kurzarbeit erstmal für sechs Monate beantragt", so Schütze weiter. Das bedeute aber nicht, dass alle Mitarbeiter ständig weniger arbeiten würden. Das Instrument werde je nach Notwendigkeit eingesetzt. Die Auszubildenden seien grundsätzlich ausgenommen, da gehe die Ausbildung vor. Der Betriebsratschef betont außerdem, dass Schaeffler mit seinen Problemen nicht allein stehe. „Es wird in den kommenden Wochen noch andere Metallunternehmen in der Gegend treffen", sagt er.

Faktoren, die die schlechte Konjunktur bedingten, gebe es mehrere. Der unklare Brexit und der »Wirtschaftskrieg« zwischen USA und China spielten eine Rolle. Sicher sei, dass der sogenannte »ifo-Geschäftsklimaindex«, der die Situation der deutschen Unternehmen darstelle, extrem schlecht stehe. „Viele Kunden warten derzeit ab", schildert Schütze die Situation.

Ein Instrument, um Kündigungen zu verhindern

Am Dienstag wurden die Steinhagener Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung über die Folgen der Regelung informiert. „Sie sind nicht begeistert", so Schütze. „Aber es war auch kein Schock. Alle haben natürlich schon mitbekommen, dass die Arbeit weniger wurde." Außerdem sei die Kurzarbeit am Ende ein Instrument, um Kündigungen zu verhindern.

Wie berichtet sind in Steinhagen 200 Stellen bis 2020 in Gefahr. „Das sind aber zwei verschiedene Dinge", so Schütze. Bei den Stellenverhandlungen ginge es um die langfristige strategische Planung der Schaeffler-Gruppe. „Da geht es um Fragen wie: »Welche Teile sollen noch produziert werden?« und »Können wir andere Bereiche an den Standort holen?«", erklärt der Betriebsratsvorsitzende.

Diese Verhandlungen liegen auf Eis, weil sich der Betriebsrat derzeit beraten lasse und auf konkrete Zahlen der Geschäftsführung warte, um die Situation vollumfänglich einschätzen zu können.

700 Stellen sollen in Deutschland eingespart werden

Solange das Gremium noch Beratungsbedarf habe, könne man nicht in konkrete Gespräche über die Stellen gehen, bestätigt auch Schaeffler-Sprecherin Bettina Lichtenberg. Wann es soweit sei, könne sie noch nicht einschätzen. Allerdings, so versichert die Sprecherin, stünden natürlich „Interessenausgleich" und der „Sozialplan" im Vordergrund, außerdem werde man sich bemühen, „betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern".

Bereits im März hatte die Schaeffler-Gruppe angekündigt, deutschlandweit rund 700 Stellen einzusparen. Damit will sie auf Gewinneinbrüche und den weiter andauernden Einbruch der Aktie an der Börse reagieren. Nach Einschätzung von Jörg Schütze sei die Geschäftsleitung aber sehr daran interessiert, in die Forschung zu investieren, um in Bereichen wie der Elektromobilität neue Aufträge zu generieren: „Da fließt viel Geld in die Entwicklung."

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