Steinhagens Bürgermeister gedenkt mit dem Bundespräsidenten der NS-Opfer

Sonja Faulhaber

Gedenken an die Opfer: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella legen für die Opfer der Massaker von Fivizzano einen Kranz vor dem Rathaus nieder nieder (Foto). Als Teil der deutschen Delegation ist auch Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser dabei. - © Sabine Godejohann
Gedenken an die Opfer: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella legen für die Opfer der Massaker von Fivizzano einen Kranz vor dem Rathaus nieder nieder (Foto). Als Teil der deutschen Delegation ist auch Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser dabei. (© Sabine Godejohann)

Steinhagen/Fivizzano. Auch im Regierungsflieger geht es nicht immer pünktlich los. Diese Erfahrung machte Bürgermeister Klaus Besser. Er war als Teil der deutschen Delegation mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Italien geflogen, um an der Gedenkfeier anlässlich der Massaker deutscher Wehrmachtsmitglieder in Fivizzano teilzunehmen. Der Grund für die Verspätung war jedoch, anders als beim Linienflieger, kein Kofferchoas oder Ähnliches, sondern der Wunsch von Frank-Walter Steinmeier, nach der Gedenkfeier noch in Ruhe mit Italiens Staatspräsidenten Sergio Mattarella unter vier Augen zu sprechen. „Da hat sich der Rückflug etwas verschoben", erzählt Besser.

Steinhagens Bürgermeister war bei seiner Rückkehr am Berliner Flughafen immer noch beeindruckt von der Gedenkveranstaltung. Hunderte Besucher waren nach Fivizzano gekommen, um 75 Jahre nach den Massakern der über 400 Opfer zu gedenken, die von den Soldaten der 16. SS-Panzergrenadier-Division »Reichsführer SS« unter dem Kommando von Sturmbannführer Walter Reder brutal ermordert worden waren.

Steinmeier verneigt sich vor den Toten der Massaker

In seiner Rede, die Steinmeier auf Italienisch hielt, verneigte er sich vor den Toten der Massaker: „Ich stehe heute vor Ihnen als deutscher Bundespräsident und empfinde ausschließlich Scham über das, was Deutsche Ihnen angetan haben." Doch Steinmeier sieht auch Hoffnung: „Fivizzano ist heute nicht allein ein Ort des Gedenkens, sondern ein Ort der Versöhnung und der Begegnung." Worte, die die Zuhörer mit tosendem Applaus kommentierten. Auch betonte der Bundespräsident, wie wichtig es sei, die Vergangenheit nicht zu vergessen: „Wir glauben zu wissen, was Deutsche in diesen Jahren angerichtet haben. Und doch wissen wir nicht genug. Deshalb ist es mir so wichtig, heute hier zu sein, in Fivizzano, einem Ort, von dem viele Deutsche noch nie gehört haben."

Dass dies seit gestern anders ist, ist Steinhagens Bürgermeister zu verdanken. Vor gut einem Jahr fasste er den Entschluss, Bundesaußenminister Heiko Maas und den deutschen Botschafter in Italien, Viktor Elbing, anzuschreiben, um darauf aufmerksam zu machen, dass in Steinhagens Partnerstadt Fivizzano jährlich der Massaker der deutschen Wehrmacht vom Frühjahr 1944 gedacht wird. Über 400 Menschen starben, doch die Blicke der Welt ruhen auf größeren Orten in Italien, wenn es um die Schrecken der NS-Herrschaft geht. Das wollte Bürgermeister Besser ändern. Dass aber gleich zwei Präsidenten zur Gedenkfeier kommen, damit hatte Steinhagens Erster Mann nicht gerechnet. „Es ist ein gutes Gefühl zu sehen, dass man auch aus unteren politischen Ebenen heraus etwas bewegen kann", betont Besser.

Über den Wolken kam es zum persönlichen Gespräch mit dem Bundespräsidenten

Über die Bedeutung der Städtepartnerschaft zwischen Steinhagen und Fivizzano konnte Besser bereits auf dem Hinflug einige Worte verlieren, denn nach dem Start kam der Bundespräsident zu ihm herüber und suchte das Gespräch. „Der Bundespräsident ist sehr sympatisch und offen", fasst Besser die Begegnung zusammen. Auch war der Steinhagener beeindruckt davon, wie gut Frank-Walter Steinmeier auf alle Themen, die an diesem Tag zur Sprache kamen, vorbereitet war.

Insgesamt war die Gedenkfeier in Fivizzano nicht nur für den Besuch aus Steinhagen, neben Besser war auch das Ehepaar Harald und Sabine Godejohann im Rahmen einer Urlaubsreise vor Ort, unvergessen, sondern auch für die Menschen in Fivizzano. „Dieser Tag wird in der Geschichte Fivizzanos unvergessen bleiben", so Besser.

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