Gedenkfeier: Steinhagens Bürgermeister begleitet Bundespräsident Steinmeier

Besuch in der Toskana: Klaus Besser reist gemeinsam mit Frank-Walter Steinmeier

Sonja Faulhaber

Tägliches Erinnern: Die Steinhagener Gymnasiasten besuchten im vergangenen Oktober die Gedenkstätte in San Terenzo Monti. Dabei entstand dieses Bild. - © Privat
Tägliches Erinnern: Die Steinhagener Gymnasiasten besuchten im vergangenen Oktober die Gedenkstätte in San Terenzo Monti. Dabei entstand dieses Bild. (© Privat)

Steinhagen/Fivizzano. In Steinhagens Partnerstadt Fivizzano war Bürgermeister Klaus Besser schon viele Male. Mal als offizieller Vertreter der Gemeinde, mal im Urlaub als Privatperson. Aber noch nie ist der Erste Mann Steinhagens mit einem Regierungsflieger dorthin unterwegs gewesen. Am 25. August ist Klaus Besser jedoch offizieller Teil der deutschen Delegation, die an der Seite von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in die Toskana fliegt.

Steinmeiers Besuch zieht die Blicke der Welt auf Fivizzano

Der Anlass jedoch ist ein trauriger: die Gedenkfeier für die Opfer des Massakers im Zweiten Weltkrieg. Vor 75 Jahren starben in Fivizzano über 400 Frauen, Kinder und ältere Männer, brutal niedergemetztelt von der SS. „In der deutschen Öffentlichkeit ist vielen dieses Massaker in der Toskana gar nicht bekannt", erläutert Bürgermeister Klaus Besser, warum es so wichtig ist, dass eine bekannte Person wie der Bundespräsident dort sein wird. Seine Anwesenheit zieht die Blicke der Öffentlichkeit auf das, was Nazis der Zivilbevölkerung einst antaten.

Hoher Besuch: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fliegt mit einer Deutschen Delegation in die Toskana. Mit dabei ist Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser. - © dpa
Hoher Besuch: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fliegt mit einer Deutschen Delegation in die Toskana. Mit dabei ist Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser. (© dpa)


Klaus Besser kennt die Geschichte jener Gräueltaten gut. 2002 war er als erster deutscher Politiker bei der Gedenkfeier anwesend, hat sich seitdem viel mit der Geschichte der Partnerstadt beschäftigt. Die SS übte durch die Angriffe Vergeltung für vorausgegangene Partisanenangriffe. Am 19. August 1944 schlugen die Soldaten in Bardine St. Terenzo Motto zu, töteten über 200 Frauen und Kinder. Fast ebenso viele Tote gab es in der Zeit zwischen dem 24. und 27. August 1944 in dem Bergdorf Vinca.

"Der Gestank wurde stärker, die Erhängten hingen immer dichter"

Die einstigen Gräueltaten beschrieb der Franziskaner-Pater Lino delle Piane in einem Bericht, den die deutsch-italienische Historiker-Kommission archiviert hat: „Unterhalb des Friedhofs sah ich die ersten beiden Gehängten. Je weiter ich kam, desto schlimmer war es: Der Gestank wurde immer stärker, die Erhängten hingen immer dichter. Ich nahm die Kurve zum Fluss, und da stand wenige Meter von mir ein verbrannter Lastwagen. An seinen Kotflügeln waren wie vier Scheinwerfer vier Ermordete befestigt, die mit Draht gefesselt waren." Der Pater bezieht sich in seiner Beschreibung auf den Anblick der Opfer in Bardine.

Auf dem Marktplatz von Fivizzano wird die Gedenkfeier stattfinden. - © Privat
Auf dem Marktplatz von Fivizzano wird die Gedenkfeier stattfinden. (© Privat)

Bei einem solch ernsten Thema erwartet Klaus Besser während der Reise weniger Smalltalk und vielmehr ernsthafte Gespräche über die Schrecken der NS-Zeit. Besser wird von Berlin aus mit Frank-Walter Steinmeier, Mitgliedern des Auswärtigen Amtes und der deutschen Botschaft sowie einem Journalistentross nach Pisa fliegen. Von dort aus geht es weiter nach Fivizzano. Da an der Gedenkfeier mindestens 200 offizielle politische Vertreter, unter anderem der Präsident der Italienischen Republik, Sergio Mattarella, und der italienischen Außenminister teilnehmen werden, wird die Gedenkfeier auf dem Marktplatz von Fivizzano stattfinden. „Es ist für ganz Italien die zentrale Gedenkfeier", erläutert Besser.

Besser: Diese Einladung sei eine Würdigung des Bemühens um die Städtepartnerschaft

Dass er eingeladen wurde, Teil der deutschen Delegation zu sein, ist für ihn eine große Ehre. „Es ist für mich eine Anerkennung und Würdigung unseres Bemühens, den Kontakt zu den Menschen in Fivizzano zu halten, ohne die Opfer des Massakers zu vergessen." Aber natürlich sei es für ihn auch persönlich sehr spannend, einmal einen Tag mit dem Bundespräsidenten zu verbringen. Bisher hat er Frank-Walter Steinmeier nur einmal live während eines Vortrags erlebt.

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