Erneut ohne Führerschein unterwegs: Angeklagter verzweifelt am deutschen Rechtssystem

Der Entzug der Fahrerlaubnis hat für ihn erhebliche Folgen.

Herbert Gontek

Symbolfoto Gericht - © Sebastian Duda - Fotolia
Symbolfoto Gericht (© Sebastian Duda - Fotolia)

Steinhagen. Ein 32-jähriger Steinhagener mit afghanischen Wurzeln verstand die Welt nicht mehr. Er hatte vor mehr als zwei Jahren seinen Führerschein wegen Trunkenheit verloren und ihn aus seiner Sicht im Gewirr der deutschen Gesetzgebung nicht wieder bekommen. Im festen Glauben, das Dokument zu bekommen, hatte er für ein Bewerbungsgespräch wieder ein Auto benutzt. Nach einer Polizeikontrolle setzte er sich wieder in den Wagen und fuhr damit vor der Streife her nach Hause.

Für das zweimalige Fahren ohne Führerschein bekam er einen Strafbefehl gegen den er Einspruch einlegte. Mit der Höhe des Geldbetrags und des Tatvorwurfs an sich war er nicht einverstanden, weil er sich in den Glauben gewähnt hatte, die Fahrerlaubnis wiederzubekommen. „Die Erwartung einer Wiedererteilung ist keine Wiedererteilung", gab jedoch der Staatsanwalt zu bedenken.

Der Steinhagener bat das Gericht darum, die Führerscheinsperre nicht zu verlängern, da er das Dokument zum Arbeiten und damit zur Ernährung seiner Familie dringend benötige.

Das Gericht verurteilte ihn zu einer Strafe von 110 Tagessätze a 20 Tage und zu einer weiteren Sperre von sechs Monate. Das letzte Wort des Angeklagten: „Bitte keine weitere Sperre, das ist für mich Selbstmord."

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