Finkenstraße: Die Linke kritisiert vertane Chance bei Bauprojekt

Hans-Werner Elbracht wirft der Politik vor, beim geplanten Quartiersprojekt der KWG das Wohl der Mieter und die Klimaziele hintanzustellen. Unverständnis äußert auch Birgit Lutzer vom »Aktionsbündnis Amshausener Straße«

Frank Jasper

Blick in die Finkenstraße: Die Mehrfamilienhäuser der KWG sollen nacheinander abgerissen und durch neue größere Gebäude ersetzt werden. Foto: Frank Jasper - © Frank Jasper
Blick in die Finkenstraße: Die Mehrfamilienhäuser der KWG sollen nacheinander abgerissen und durch neue größere Gebäude ersetzt werden. Foto: Frank Jasper (© Frank Jasper)

Steinhagen-Amshausen. Vergangene Woche hat der Rat erneut über die Häuser an der Finkenstraße beraten. Die Politik entschied, den Plan der CDU, der Kreiswohnstättengenossenschaft Halle (KWG) ein Tauschgrundstück im benachbarten Neubaugebiet anzubieten, nicht weiterzuverfolgen. Eine Entscheidung, die der Linke Hans-Werner Elbracht scharf kritisiert.

„Mit ihrer Entscheidung (...) haben die Fraktionen von SPD und den Grünen keine Rücksicht auf die Belange der Mieter genommen und eine zukunftsweisende Gesamtplanung für das neue Baugebiet und das alte Grundstück an der Finkenstraße verhindert", schreibt er in einer Stellungnahme. Weil die KWG es über Jahrzehnte versäumt habe, die Wohnungen mit angemessenen Kosten zeitgemäß zu modernisieren, müssten die Mieter nun bis zu zweimal umziehen. Aus Sicht von Hans-Werner Elbracht eine Belastung, die hätte verhindert werden können.

„Viele Mieter wohnen über Jahrzehnte in den Wohnungen und können jetzt im betagten Alter – mit gesundheitlichen Einschränkungen – dieser Zwangsumsiedlung nur mit einigen Bemühungen und Belastungen nachkommen", argumentiert Elbracht. Mit dem von der CDU vorgelegten Antrag hätte aus seiner Sicht auch die Möglichkeit bestanden, erst die neuen Häuser zu bauen, so dass die Mieter direkt ohne Zwischenlösung in die dort entstandenen Wohnungen hätten umziehen können.

„Und natürlich hätte es gute Einwirkungsmöglichkeiten der Gemeinde Steinhagen auf die entsprechende Planungen und Projektierungen der KWG für preisgünstiges Wohnen im neuen Baugebiet gegeben", so Elbracht weiter.

Gemeinde hätte ökologische Standards umsetzen können

Neben den Nachteilen für die Mieter macht das Linken-Kreistagsmitglied auch Nachteile in Sachen Klimaschutz geltend: „Die Gemeinde könnte erheblich einwirken, dass Passivhäuser ohne fossile Energieträger entstehen. Und im Tauschgrundstück Finkenstraße hätte die Gemeinde es in der eigenen Hand gehabt, im Interesse der öffentlichen Daseinsvorsorge für bezahlbare Wohnungen zu sorgen, die dem bestmöglichen ökologischen Standard entsprechen", so Elbracht.

Hans-Werner Elbracht kritisiert die Lokalpolitiker. - © Jonas Damme
Hans-Werner Elbracht kritisiert die Lokalpolitiker. (© Jonas Damme)


In einem Facebook-Post hat am Wochenende auch Birgit Lutzer vom »Aktionsbündnis Amshausener Straße« zum abgelehnten Flächentausch-Antrag Stellung genommen. Darin kritisiert sie die SPD für ihre ablehnende Haltung gegenüber dem CDU-Vorschlag. „Ich wünsche mir eine an der Sache orientierte Diskussion. Hieran mangelt es in Rat und Ausschüssen. Es scheint mehr darum zu gehen, wer eine Idee hat, statt um den Inhalt. Bloß weil ein Vorschlag von einer anderen Fraktion kommt, kann er dennoch gut und zumindest eine Überlegung wert sein", schreibt Lutzer.

Das Aktionsbündnis hat in den vergangenen Wochen mehrfach seine Kritik an den Plänen der Kreiswohnstättengenossenschaft geäußert. Wie mehrfach berichtet will die KWG ihre zehn Mehrfamilienhäuser an der Finkenstraße nacheinander abreißen und durch fünf neue größere Gebäude ersetzen. Aus Sicht von Kritikern werden die Neubauten zu wuchtig ausfallen. In ihrem jüngsten Beitrag spricht Lutzer in diesem Zusammenhang von „KWG-Klötzen", die keiner haben wolle. Statt dessen wünscht sich das Bündnis „mehrere kleinere Häuser mit weniger Wohneinheiten".

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