Belastete Farbe – Freibadsaison in Harsewinkel fällt ins Wasser

In den Harsewinkeler Außenbecken befindet sich PCB-haltige Farbe. Politik und Verwaltung gehen kein Risiko ein und lassen das belastete Material vollständig entfernen. Dabei hätte es auch einen anderen Weg gegeben

Burkhard Hoeltzenbein

Verwaist: Badegäste werden im Harsewinkeler Freibad diesen Sommer nicht mehr zu sehen sein. - © Burkhard Hoeltzenbein
Verwaist: Badegäste werden im Harsewinkeler Freibad diesen Sommer nicht mehr zu sehen sein. (© Burkhard Hoeltzenbein)

Harsewinkel. Selbst bei herrlichem Badewetter ist im Harsewinkeler Freibad nichts los. Und das wird sich auch so schnell nicht ändern, denn in den unteren Farbschichten der Becken hat ein Labor polychlorierte Biphenyle, kurz PCB, entdeckt. Das sind chemische Stoffe, die als gesundheitsgefährdend gelten.

Die PCB-belasteten Farbschichten lässt die Stadt Harsewinkel nun entfernen. Mit dem einstimmig vom Rat bestätigten Beschluss fällt die Freiluftsaison endgültig aus. Der Spatenstich zur fast um ein Jahr verschobenen Sanierung des 60 Jahre alten Bades erfolgt im September.

Im Rahmen der routinemäßigen Schadstoffprüfungen im Vorfeld der Sanierung des Freibades wurden Polychlorierte Byphenyle (PCB) in den Farbschichten und im Badewasser des Rutschebeckens sowie des Schwimmerbeckens nachgewiesen. Basierend auf einem Gutachten und der darauf abgegebenen Einschätzung des Gesundheitsamtes des Kreises Gütersloh entschied die Betriebsleitung, dass das Freibad in diesem Jahr geschlossen bleibt.

 "Es besteht kein grundsätzliches Sanierungserfordernis"

„Eine Vorgabe zur Entfernung der PCB-haltigen Farbschichten wurde weder vom Schadstoffgutachter noch von der Oberfinanzdirektion Münster im Rahmen der baufachlichen Prüfung gemacht", schreibt der im Rathaus zuständige Christoph Dallmann in der Ratsvorlage. Gemäß des IFUA-Institutes hätte die Farbe unter bestimmten Voraussetzungen in den Becken verbleiben können. „Für PCB-haltige Materialien besteht kein grundsätzliches Sanierungserfordernis", zitiert Dammann aus dem Gutachten. Nach der PCB-Richtlinie gründe sich die Sanierungserfordernis ausschließlich über PCB-Gehalte in der Raumluft, was im Freibad naturgemäß unerheblich sei.

Das Institut empfiehlt, die neuen Becken so einzurichten, dass künftig kein Hautkontakt mit den verbliebenen Farben möglich sei. Entstehende Zwischenräume sollen abgedichtet werden. Die Oberfinanzdirektion folgt der Einschätzung. Demnach könnten die PCB-haltigen Farbschichten in den Becken verbleiben, wenn nachgewiesen werden könnte, dass mit dem Edelstahlbecken die Zwischenräume zu den Farbschichten abgedichtet werden.

Entfernung der Farbschichten kostet 70.000 Euro

Darauf wollen sich Verwaltung und Politik nicht verlassen. „Obwohl der Schadstoffgutachter eine Sanierungsmöglichkeit aufzeigt, bei der die PCB-haltige Farbe in den Becken unterhalb des neuen Edelstahlbeckens verbleiben könnte, ist die Verwaltung der Auffassung, dass die Farbschichten im Vorfeld der eigentlichen Sanierung vorsorglich zu entfernen sind", lautet die Aussage. Die Altlast soll nicht lediglich abgedichtet, sondern entfernt werden.

Damit will die Stadt auch das Risiko vermeiden, später einmal aufgrund anderer Bewertungsmaßstäbe für den Umgang mit diesen Materialien erneut mit dem Problem konfrontiert zu werden, was einen erheblichen Aufwand verursachen könnte. Darüber hinaus sei fraglich, ob eine hermetische Abdichtung der verbliebenen Farbschichten für alle Zeiten gewährleistet werden könne. Die Kosten für die Entfernung der Farbschichten betragen etwa 70.000 Euro.

Am 10. August findet auf dem Freibadgelände die Veranstaltung »Sun Swing« statt. Das Entfernen der Farbschichten soll am 12. August beginnen. Bis zum Beginn der Sanierung am 2. September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

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