Trickbetrüger haben den Altkreis im Visier

Gefahr am Telefon: Hauptkommissar André Ortmeyer hat mittlerweile regelmäßig mit Senioren zu tun, die von betrügerischen Enkeln, falschen Polizisten oder abzockenden Gewinnspielberatern angerufen werden. Wie viele Tausend Euro die bereits erbeutet haben, kann er nur vermuten

Jonas Damme

Der erste Ansprechpartner: Polizeihauptkommissar André Ortmeyer vom Bezirksdienst. - © Jonas Damme
Der erste Ansprechpartner: Polizeihauptkommissar André Ortmeyer vom Bezirksdienst. (© Jonas Damme)

Steinhagen. „Entsprechende Anrufe haben wir täglich", berichtet André Ortmeyer. Die Maschen seien mittlerweile bekannt. „Bei den Trickbetrügern gibt es drei Hauptfelder: Falsche Gewinnversprechen, der Enkeltrick und die falschen Polizeibeamten." Der Enkeltrick käme allerdings zunehmend seltener zum Einsatz, dafür hätten die betrügerischen derzeit Beamten Hochkonjunktur.

„Wie wir mittlerweile wissen, gibt es für die Verbrecher sogar eine Art Ausbildung", erklärt der Bezirksdienstbeamte, der gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Goldbecker-Meienberg meist der erste Ansprechpartner insbesondere für Steinhagener Senioren ist. „Man muss einfach zugeben, dass das sehr professionell gemacht ist."

Bei den Tätern handelt es sich um klassische organisierte Kriminalität. Wie nach Täteraussagen bei Gerichtsverhandlungen bekannt ist, rufen die speziell geschulten Betrüger aus speziellen Call-Centern – zum Beispiel in der Türkei – per Internettelefon an. So können sie mit einem Trick deutsche Telefonnummern vorgaukeln.

Falsche Polizisten

In teils stundenlangen Gesprächen überzeugen sie ihre Opfer dann von hanebüchenen Geschichten. Im Fall der »Falschen Polizisten« läuft es darauf hinaus, dass die Opfer größere Geldsummen an einem abgesprochenen Ort deponieren, damit es die »falsche Polizei« vor angeblichen Verbrechern sichern kann.

Das Perfide: Obwohl die Methoden mittlerweile bei fast allen Senioren bekannt sind, werden auch gut informierte Opfer ausgenutzt. „Die Leute kennen die Masche und werden trotzdem erwischt", berichtet Andre Ortmeyer. „Manche erinnern sich, wie hypnotisiert oder sogar ferngesteuert gehandelt zu haben. Die meisten Opfer geben auch an, sich sicher gewesen zu sein, dass ihnen so etwas nicht passieren könnte."

Falsche Gewinne

Gleichermaßen geschickt gingen auch die Kriminellen vor, die falsche Gewinne versprächen. „Die testen erstmal, mit einem ganz kleinen Gebührenbeitrag, was der Angerufene mitmacht", so der Hauptkommissar.

In weiteren Telefonaten werde der »Fall« dann weiterbearbeitet. „Wer einmal so einen mitgeschnittenen Anruf gehört hat, kann es nicht glauben."

Stück für Stück würden dem Opfer zum Beispiel die Zollgebühren für einen vermeintlich gewonnenen Porsche, dann die Überführungskosten und die Notariatsgebühr abgenommen. „Irgendwann sagt sich der angebliche Gewinner dann: Ich habe schon so viel investiert, das zahle ich jetzt auch noch!"

Die Dunkelziffer

Wie viele Fälle es tatsächlich gebe, sei nicht bekannt, erklärt Andre Ortmeyer. Das liege an der immens hohen Dunkelziffer: „Viele der Opfer schämen sich, auch vor den Verwandten und Freunden, weil sie einen fünfstelligen Geldbetrag verloren haben."

Wie hoch die Dunkelziffer liegt, lässt sich nach einer konkreten Ermittlung erahnen. In dem Fall sei eine IP-Adresse, von der betrügerische Telefonate ausgingen, überwacht worden. Nach einigen tausend Anrufen hätten nun zwei Kontaktierte tatsächlich Anzeige erstattet. Dabei sei das das Entscheide: „Jeder Anruf mit falschen Versprechen, um Geld zu erbeuten, ist eine Straftat", so der Polizist. „Angerufene sollten uns immer kontaktieren und Anzeige erstatten."

Da die Haupttäter oft im Ausland sitzen, sei die Aufklärung der Taten schwer. Umso wichtiger ist die Prävention. Da die Täter allerdings – wie erläutert – sehr geschickt vorgehen, setzt auch die Polizei auf neue Wege. Flyer und Informationsmaterial hält der Steinhagener Polizeiposten am Marktplatz bereit.

Kreative Prävention

Die neueste Idee, um die Senioren bestmöglich auf einen Anruf vorzubereiten, ist das Projekt »Literarische Kriminalprävention«.

Dabei setzen die Beamten auf Bücher und Hörbücher, die sehr emotional und anschaulich darstellen, wie die gefährlichen Anrufe tatsächlich vonstatten gehen. Auf der Internetseite der der Polizei www.guetersloh.polizei.nrw können die Erzählungen gelesen und angehört werden.

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