Was passiert bei einer Schnippeldisco?

Lebensmittelabfälle entstehen überall – in der Industrie, in Restaurants, in den Supermärkten, aber auch bei uns zuhause. Doch es gibt gute Ideen gegen Verschwendung.

Frank Jasper

Klimaschutzmanagerin Anna Zühlke (von links), Reinhold Poier, Klimaschutzmanagerin Gabi Siepen, Karl Werner Frank, Lucie Deppe und Dagmar Heckmann von der Organisation Slow Food bereiten Salate und Gemüsepfannen zu. Foto: Frank Jasper - © Frank Jasper
Klimaschutzmanagerin Anna Zühlke (von links), Reinhold Poier, Klimaschutzmanagerin Gabi Siepen, Karl Werner Frank, Lucie Deppe und Dagmar Heckmann von der Organisation Slow Food bereiten Salate und Gemüsepfannen zu. Foto: Frank Jasper (© Frank Jasper)

Steinhagen. Auf dem Marktplatz stapeln sich Kisten mit Obst und Gemüse, das heimische Supermärkte und Händler für die Aktion »Schnippeldisco« zur Verfügung gestellt haben. Es ist Ware, die nach Ansicht der Spender nicht mehr zum Verkauf geeignet ist. Sie wird an diesem Nachmittag bei Musik und guter Laune zu schmackhaften Gerichten geschnippelt. Das Klimaschutzmanagement der Gemeinde, die Organisation Slow Food und Koch Wolfram Halfar vom Cateringservice Emilio haben dazu eingeladen.

Dagmar Heckmann vom Verein Slow Food angelt ein Bündel Mohrrüben aus einer Kiste. „Die Möhren sind noch in Ordnung, aber das Blattwerk ist nicht mehr grün, sondern schon gelb. Das wird im Laden aussortiert, weil es die Kunden nicht mehr in den Einkaufwagen legen", erklärt Dagmar Heckmann. Noch ein Beispiel: Eine schrumpelige Mango hat es ebenfalls am gar nicht mal so strengen Türsteher vorbei in die Schnippeldisco geschafft. Rein kommt, wer – um mal im Bild zu bleiben – nicht mehr so ganz taufrisch ist. Also eine Ü 40-Party für Obst und Gemüse sozusagen. „Aber innendrin ist die Mango noch einwandfrei genießbar. Weil sie jedoch nicht mehr dem Anspruch der Endverbraucher entspricht, wird auch sie aus der Auslage genommen", weiß die Slow-Food-Expertin.

Eigenes Konsumverhalten überdenken

„Wir wollen zeigen, dass Lebensmittel mit kleineren Fehlern noch gut verwendet werden können", erklärt Klimaschutzmanagerin Gabi Siepen. Bei der Zubereitung wird improvisiert. Und so entsteht aus Ananas, Pflaumen, Melonen und Erdbeeren ein leckerer Obstsalat. Paprika, Auberginen, Blumenkohl und Zucchini landen zusammen mit anderen Zutaten in einer schmackhaften Gemüsepfanne. Die Marktbesucher nehmen an den Tischen Platz, probieren – und zeigen sich beeindruckt.

Info

Was wir wegwerfen

• 6,67 Millionen Tonnen Lebensmittelabfall entstehen laut einer Studie der Universität Stuttgart pro Jahr in deutschen Privathaushalten. Das entspricht 82 Kilogramm pro Kopf.
• Davon sind laut der Studie 47 Prozent vermeidbare Lebensmittelabfälle, also solche, die noch genießbar gewesen wären.
• Etwa 235 Euro gibt im Schnitt jeder von uns im Jahr für Lebensmittel aus, die zum Schluss in der Mülltonne landen.
• Es sind ausgerechnet die frischen, für eine gesunde Ernährung wichtigen Produkte, die wir am häufigsten wegwerfen: Obst und Gemüse machen mit 44 Prozent fast die Hälfte der Lebensmittelabfälle aus. Es folgen Back- und Teigwaren, Speisereste, Milchprodukte, Getränke sowie Fisch und Fleisch.

„Bestenfalls hat diese Aktion Vorbildcharakter und sorgt dafür, dass weniger Lebensmittel statt in der Tonne doch noch auf dem Teller landen", hofft Gabi Siepen. Dagmar Heckmann appelliert an die Macht der Verbraucher: „Die können durch ihr Konsumverhalten Händler und Supermärkte zum Umdenken bewegen." Denn auch eine Birne mit kleiner Druckstelle und ein Joghurt kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind durchaus noch discotauglich.

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