Steinhagen baut Highspeed-Netz für sieben Millionen Euro

Bis an jede Milchkanne: 24.000 Euro kostet der Anschluss jedes einzelnen Hauses im Außenbereich ans moderne Glasfaserkabel. Weil sich das für die Telekom und die anderen großen Internetanbieter nicht lohnt, springt der Steuerzahler ein

Jonas Damme

Lange Wege: 74 Kilometer Glasfaserkabel sollen verlegt werden, um auch den verstecktesten Brockhagener Bauernhof zu erreichen. Foto: Andre Schebaum/andreschebaum.de - © Andre Schebaum - http://andreschebaum.de - http://www.facebook.com/andreschebaum
Lange Wege: 74 Kilometer Glasfaserkabel sollen verlegt werden, um auch den verstecktesten Brockhagener Bauernhof zu erreichen. Foto: Andre Schebaum/andreschebaum.de (© Andre Schebaum - http://andreschebaum.de - http://www.facebook.com/andreschebaum)

Steinhagen. Das mittlerweile berühmt-berüchtigte Zitat vom schnellen Internet „bis an jede Milchkanne", durfte natürlich auch im Steinhagener Rat nicht fehlen. Am Mittwochabend war Jan-Christoph Dübner, der sogenannte »Breitbandkoordinator« des Kreises Gütersloh im Rathaus zu Gast, um über die Förderung für schnelles Internet zu referieren.

Das Angebot, dass er vorstellte, ist mehr als verlockend: Entscheidet sich Steinhagen, alle Haushalte im Außenbereich, deren Internetverbindung weniger als 30 Mbit pro Sekunde laden kann, aufzurüsten, werden die Bauarbeiten großzügig gefördert.

Jan-Christoph Dübner stellte Zahlen vor, die er bereits erhoben hat. Demnach kommen 298 Adressen im Außenbereich nicht auf die festgelegten Werte. In den Häusern sind 350 Privathaushalte und sechs Unternehmen ansässig. Um all’ diese Häuser auf dem Ströhen, in Brockhagen oder Obersteinhagen zu erreichen, sind 74 Kilometer Glasfaserkabel nötig. Der laufende Meter kostet, inklusive Grabung und Rohr 90 Euro. Zusammen mit Verteilerkästen und anderen Zusatzkosten kommt das Projekt auf rund sieben Millionen Euro. Pro Haus sind das etwas mehr als 24.000 Euro.

Ein verlockendes Angebot

Die muss allerdings nicht die Gemeinde Steinhagen zahlen. 50 Prozent trägt die Bundesregierung, 40 Prozent das Land NRW. Bleiben zehn Prozent, also knapp 720.000 Euro für das Rathaus. Ein verlockendes Angebot.

Deshalb wird Steinhagen es auch annehmen. Der Rat einigte sich einstimmig darauf, den Kreis Gütersloh zu beauftragen, den Förderantrag zu stellen. Außerdem sollen ab 2021 die nötigen Summen für den Eigenanteil eingeplant werden.

Die beiden großen Fraktionen begründeten, warum die Investition aus ihrem Sinne unerlässlich ist. Carsten Heidemann (SPD) argumentierte, dass auch im Außenbereich „Schülerinnen und Schüler, Studierende und Menschen, die von zu Hause aus arbeiten oder dort medizinisch überwacht werden müssen" leben. Herbert Mikoteit (CDU) pflichtete ihm bei: „Auch Haushalte im Außenbereich haben das Recht auf schnelles Internet."

Schnelles Internet ist allerdings ein weites Feld. Die vom Bund definierte Untergrenze von »30 Mbit pro Sekunde« ist hoch gegriffen. Mancher Internetnutzer im Steinhagener Ortskern hat effektiv nicht mal ein Zehntel davon zur Verfügung. Für die üblichen Internetanwendungen inklusive Youtube, Internetfernsehen oder Musikdownloads reichen einstellige Downloadraten durchaus.

Keine Garantie

Eine Garantie, dass auch der letzte Hof erreicht wird, ist das Projekt übrigens nicht, wie Planer Dübner auf Nachfrage von Roland Albersmann (SPD) erläuterte. Auch ein Anschlusszwang besteht nicht. Gegebenenfalls werden die Kabel nur bis zur Hofeinfahrt gelegt – falls künftig mal jemand davon Gebrauch machen will.

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