Bei Pferdehaltern im Altkreis geht die Angst um

In Sandforth haben Unbekannte offenbar den Hof von Nicole Kreuter ausspioniert. Die Vermutung liegt nahe, dass sie es auf ihre Ponys abgesehen haben.

Frank Jasper

Nicole Kreuter hat Angst um ihre Fjordpferde und Shetlandponys, seitdem fremde Fahrzeuge ihren Hof in Sandforth angesteuert haben. - © Frank Jasper
Nicole Kreuter hat Angst um ihre Fjordpferde und Shetlandponys, seitdem fremde Fahrzeuge ihren Hof in Sandforth angesteuert haben. (© Frank Jasper)

Steinhagen. Seitdem in Hiddenhausen im Kreis Herford im Frühjahr zweimal Pferdediebe zugeschlagen haben, sind auch viele Pferdehalter im Kreis Gütersloh in Alarmbereitschaft. Zumal sich in Ostwestfalen weitere Verdachtsfälle häufen. Jetzt auch in Sandforth. Dort hat Nicole Kreuter in der vergangenen Woche verdächtige Beobachtungen gemacht, die sie seitdem um den Schlaf bringen.

Am Montag und Dienstag wurde jeweils Vormittags ein dunkles Fahrzeug mit Herforder Nummernschild auf dem abgelegenen Hof gesichtet. Der liegt sehr abgeschieden am Ende einer Sackgasse. „Zufällig fährt hier niemand vorbei", sagt Nicole Kreuter. Eine Nachbarin konnte sich das Kennzeichen notieren. Auf Fotos einer Wildkamera, die zufällig an den beiden Tagen auf dem Weg zum Hof aufgebaut war, ist sogar das Fahrzeugs zu erkennen. Die Fotoqualität ist schwach. Nach Einschätzung von Nicole Kreuter handelt es sich um einen kleinen dunklen SUV. Zu einer persönlichen Begegnung mit dem Autofahrer kam es nicht.

Polizei: „Wir nehmen die Beobachtungen sehr ernst"

Ihre Beobachtungen haben Nicole Kreuter und ihre Nachbarin an die Polizei weitergegeben. Sie gehen davon aus, dass es die Unbekannten auf die Fjordpferde und Shetlandponys auf dem Grundstück abgesehen haben. Laut Polizeisprecherin Katharina Felsch laufen die Ermittlungen noch. „Wir stehen dabei in Kontakt mit unseren Herforder Kollegen", teilte sie gestern auf HK-Nachfrage mit.

Aus dem Kreis Gütersloh sind bei der Polizei inzwischen drei verdächtige Beobachtungen auf Pferdehöfen gemeldet worden. Aufgebrochene Ställe oder gar einen vollendeten Diebstahl habe es bisher nicht gegeben. „Wir nehmen die uns gemeldeten Beobachtungen sehr ernst. Panik ist aber fehl am Platz", sagt Katharina Felsch. Sie bittet Pferdebesitzer darum, verdächtige Beobachtungen sofort der Polizei zu melden.

Elektrozaun und Überwachugnskameras sollen auf mögliche Pferdediebe abschreckend wirken. - © Frank Jasper
Elektrozaun und Überwachugnskameras sollen auf mögliche Pferdediebe abschreckend wirken. (© Frank Jasper)

Ruhe bewahren kann Nicole Kreuter nach dem Vorfall vor ihrer Tür jedoch ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Die kleine Koppel, auf der ihre Ponys hinter einem Elektrozaun friedlich die Frühlingssonne genießen, wird inzwischen von Überwachungskameras ins Visier genommen. Auch andere Pferdehalter haben aufgerüstet. „Ich weiß von Herforder Reitställen, in denen Nachtwachen organisiert werden", erzählt Nicole Kreuter. Die 45-Jährige ruft auch die Steinhagener und Haller Pferdehalter dazu auf, sich zu vernetzten und Informationen auszutauschen. Mit einem Flugblatt warnt sie vor den Pferdedieben. Auch Nicole Kreuter will keine Panik schüren, sondern für das Thema sensibilisieren: „Alles was zur Aufklärung führt, führt zur Beruhigung unter den Pferdehaltern." Die Angst allerdings bleibt: „Meine Ponys sind keine wertvollen Turnier- oder Zuchttiere. Aber es sind Familienmitglieder, die ich liebe."

Wie berichtet waren im März in Hiddenhausen im Kreis Herford drei Ponys gestohlen worden. Die Tiere tauchten schließlich in Polen auf und wurden zusammen mit dem Steinhagener Fritz Johannsmann, dessen Unternehmen auf den Transport von Reitpferden spezialisiert ist, zurückgeholt. Im April verschwanden zwei Pferde wieder aus einem Stall in Hiddenhausen. Abermals führte die Spur nach Polen, wo die Tiere von der Polizei beschlagnahmt wurden. Die Ermittlungen in Polen laufen noch. Täter wurden bis heute nicht ermittelt.

In der Reiterszene ist längst von einer Pferde-Mafia die Rede, die sich auf den Diebstahl von Ponys und Pferde spezialisiert hat. Diese werden von Deutschland aus ins Ausland transportiert, wo sie unter dubiosen Umständen verkauft werden. Offenbar lässt sich die Herkunft der Tiere im Ausland leichter verschleiern, weil der Equidenpass, ein verpflichtendes Identitätsdokument für Pferde, dort nicht so einfach auf seine Echtheit prüfen lässt. So auch in Polen, wo die gestohlenen Tiere schlimmstenfalls in der Schlachtung landen.

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