Spielplatzabriss: „Abenteuerlich ist, was wir hier erlebt haben“

Niehaussiedlung: Silvia Andrzejewski hat im Herbst den Pachtvertrag für den Abenteuerspielplatz an der Langen Straße gekündigt. Weil sie sich an den Pranger gestellt fühlt, erklärt sie ihre Gründe

Jonas Damme

Mit großem Gerät: Im Herbst räumte ein beauftragtes Unternehmen den Abenteuerspielplatz der Niehaussiedlung an der Langen Straße ab. Heute findet man dort eine große Brachfläche, die nun begrünt wird. - © Silvia Andrzejewski
Mit großem Gerät: Im Herbst räumte ein beauftragtes Unternehmen den Abenteuerspielplatz der Niehaussiedlung an der Langen Straße ab. Heute findet man dort eine große Brachfläche, die nun begrünt wird. (© Silvia Andrzejewski)
Bekommen mehr Platz: Silvia Andrzejewskis Hochlandrinder ziehen bald auf der Spielplatz-Wiese ein. - © Jonas Damme
Bekommen mehr Platz: Silvia Andrzejewskis Hochlandrinder ziehen bald auf der Spielplatz-Wiese ein. (© Jonas Damme)

Steinhagen. Vergangene Woche waren junge Familien aus der Niehaussiedlung auf die Straße gegangen. Sie kritisierten die Schließung des großen Abenteuerspielplatzes und fordern eine Alternative für die fast 90 Kinder der Siedlung (HK vom 9. Mai). Eigentümerin Silvia Andrzejewski betont, es gab gute Gründe für ihre Entscheidung. „Anfangs fand ich das ja auch eine gute Idee", erinnert sie sich an das Jahr 2000 zurück. Damals hatten ihr Mann und sie sich beim Rathaus gemeldet, als die Gemeinde einen Platz für einen Spielplatz suchte.

Die Planer waren begeistert: Auf der rund 0,8 Hektar großen, von Bäumen eingerahmten Wiese konnten sich die Gerätebauer voll auslassen. „Es wurde ein Berg aufgeschüttet, ein Wasserspielplatz gebaut und eine Kletterwand", berichtet Andrzejewski. Die Nachbarschaft habe mit angepackt. Und weil die Kinder der Andrzejewskis schon zehn Jahre und Älter waren, hatte man entschieden, den Platz so anzulegen, dass dort auch Jugendliche Spaß haben konnten. Sogar eine Feuerstelle gab es.

Polizist empfahl den Eigentümern, doch wegzuziehen

Nach einigen Jahren entwickelte sich der Abenteuerspielplatz dann aber ganz anders, als erwartet. „Abenteuerlich ist, was wir hier erlebt haben", so Andrzejewski. Und ihre Bericht hat es tatsächlich in sich. Zu erst einmal verlief die Spielplatzzufahrt mitten über den Hof der Familie. Das war so abgesprochen. „Aber nur für Fußgänger und Radfahrer. Immer wieder fuhren Leute aber mit ihrem Auto direkt auf den Platz."

Nicht nur in Steinhagen, auch in Bielefeld habe sich der riesige Abenteuerplatz herumgesprochen. Für Jugendliche wurde er zum beliebten Treffpunkt, auch über Nacht. „Manchmal haben hier sogar Leute gezeltet." Feuerholz gab es ja genug: Im Wäldchen der Eigentümer oder gleich aus deren Holzschuppen. „Mehrfach wurde geklaut. Unsere Anzeigen sind aber immer im Sand verlaufen."

Besonders ärgern Silvia Andrzejewski rückblickend die Chaoten, die zum Spaß Glasflaschen zerschlagen und ihren Müll, ihre Grills und andere Hinterlassenschaften auf dem Platz liegengelassen hatten. Schon mehrfach hätten sie und die Arbeiter der Gemeinde das anliegende Wäldchen durchsucht, man finde aber immer noch Flaschen.

"Polizei hatte keinen Bock mehr auf den Spielplatz"

„Selbst die Polizei hatte keinen Bock mehr auf den Spielplatz", sagt Andrzejewski. Irgendwann seien die Anrufe ihrer Familie offenbar zum Ärgernis geworden. Die Beamten hätten sich nicht zuständig gefühlt oder kamen nur noch Stunden später. „Ein Beamter hat mir sogar mal empfohlen wegzuziehen, wenn es mit hier nicht mehr gefällt."

Irgendwann sei dann der Punkt erreicht gewesen, an dem der Spielplatz auf dem eigenen Grund zum reinen Ärgernis wurde, zumal die eigenen Kinder sowieso schon lange aus dem Haus sind. Und so habe sie den Pachtvertrag fristgerecht gekündigt. Wenn Familien aus der Niehaussiedlung sich nun beschweren, dass die Andrzejewskis egoistisch handeln würden, empfindet die Eigentümerin das als ungerecht.

Vor wenigen Tagen wurde auf der großen Brachfläche wieder Rasen eingesät. Wenn der grünt, sollen die Hochlandrinder des Hofes dort einziehen. Dann geht es dort vermutlich etwas ruhiger zu. Und wenn auch künftig mal wieder Kinder auf den Hof kommen, um sich die Kälbchen anzugucken, wird die Familie sie herzlich willkommen heißen.

Von der Suche der Gemeinde nach einer neuen Fläche für einen Spielplatz nahe der Niehausaussiedlung gibt es derzeit nichts Neues zu berichten. Gespräche laufen, ob es klappt bleibt ungewiss.

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