Angespannte Lage im Knast: Personal an der Belastungsgrenze

Der Belegungsdruck, der vor allem auf den Einrichtungen des geschlossenen Vollzugs laste, stelle schon jetzt eine Überforderung für die Bediensteten dar.

Ekkehard Hufendiek

Ein Inhaftierter in seiner Stube in der JVA an der Umlostraße. - © Andreas Fruecht
Ein Inhaftierter in seiner Stube in der JVA an der Umlostraße. (© Andreas Fruecht)

Steinhagen. „Wir leiden unter Personalmangel", beklagte Oliver Buschmann. Der Strafvollzugsbedienstete im Ortsverband Bielefeld-Oberems fügte hinzu, dass die Belastungen deswegen in den Hafthäusern für die Arbeitnehmer immer größer werden. Einerseits biete Nordrhein-Westfalen den Strafgefangenen das beste Angebot zur Resozialisierung, etwa Jungtäterprojekte, Suchtberatungen oder wie in Herzebrock eine Spielsuchtgruppe, die die Ursachen der Straffälligkeit bekämpfe. Andererseits vernachlässige NRW seine Angestellten.

Der Vorsitzende des Ortsverbandes, Ulrich Biermann aus Rietberg, schlug vor 41 Kollegen am vergangenen Mittwochabend im Restaurant Graf Bernhard in die gleiche Kerbe: „Wenn der Vollzug nicht attraktiver wird, dann werden wir auf Dauer ein ganz erhebliches Problem haben", warnte er. Der Belegungsdruck, der vor allem auf den Einrichtungen des geschlossenen Vollzugs laste, stelle schon jetzt eine Überforderung für die Bediensteten dar. Schon lange sei es nicht mehr möglich, die gesetzlich vorgeschriebene Einzelunterbringung zu gewährleisten.

Die angespannte Lage im Knast führte Biermann auf den Umgang der Landesregierung und des Justizministeriums in Nordrhein-Westfalen mit seinen Kollegen im Strafvollzug zurück. Die Verteilung der Vollstreckungszuständigkeiten bezeichnete er als „völlig unausgewogen".

Treue Mitglieder: Manfred Hellmann (von links, 40 Jahre), Joachim Goldstein (40), Wilfried Spilker (60), Lutz Venten (25) sind von Ulrich Biermann geehrt worden. - © Ekkehard Hufendiek
Treue Mitglieder: Manfred Hellmann (von links, 40 Jahre), Joachim Goldstein (40), Wilfried Spilker (60), Lutz Venten (25) sind von Ulrich Biermann geehrt worden. (© Ekkehard Hufendiek)

Zur Unterstreichung des Sachverhaltes berichtete er von einer weiteren mutmaßlichen Posse der Landesregierung: Nachdem sie den Strafvollzugsbediensteten Sonderfahrten gestattet habe, also Fahrten unter Blaulicht und Martinshorn etwa zur Verlegung von Terroristen, habe sie ein vierzehntägiges Fahrsicherheitstraining für 4.500 Bedienstete im Land angeordnet und zudem acht mit Sonderrechten ausgestatteten Fahrzeuge angeschafft, die nur zu Ausbildungszwecken fest in Wuppertal und Düsseldorf stationiert sind. „Da sind andere Länder offensichtlich weiter als Nordrhein-Westfalen, da wird nicht so ein Zinnober veranstaltet", sagte Ulrich Biermann.

Dem Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschland im Ortsverband Bielefeld-Oberems gehören derzeit 411 Mitglieder an. Er ist damit der mitgliederstärkste im Landesverband. Die Mitglieder zählen alle zum Komplex der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne, in der 1.285 Gefangene bewacht werden. Das entspricht einer Auslastung von rund 80 Prozent. Das ist eine vergleichsweise niedrige Quote, doch Oliver Buschmann sieht in den kommenden Jahren eine Pensionärswelle auf die Hafthäuser zukommen, die den Druck deutlich verstärke.

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