Drei Hunde reißen ein trächtiges Reh - Jäger findet trotzdem lobende Worte

Sonja Faulhaber

Trauriger Vorfall: Eine schwangere Ricke (Symbolbild) wurde in einem Steinhagener Revier von drei Hunden gerissen und getötet. - © Jan Haerer (Pixabay)
Trauriger Vorfall: Eine schwangere Ricke (Symbolbild) wurde in einem Steinhagener Revier von drei Hunden gerissen und getötet. (© Jan Haerer (Pixabay))

Steinhagen. So hatte sich die Steinhagener Familie ihren Ausflug am Ostermontag sicherlich nicht vorgestellt: Beim Spaziergang mit der ganzen Familie und den drei Familienhunden kam es am ehemaligen Hof Detert zu einem grausamen Vorfall, den eine trächtige Ricke mit dem Leben bezahlte.

Die drei freilaufenden Hunde, ein großes Tier und zwei kleine, begannen das Tier gemeinsam zu hetzen. Der Jagdinstinkt gewann dabei die Oberhand, der Versuch der Besitzer, ihre Tiere zurückzurufen, scheiterte. Da die Ricke kurz vor der Geburt stand, konnte sie nicht schnell genug weglaufen. „Das Reh sah schlimm aus", erinnert sich Jagdpächter Hans-Jürgen Raeder. Er war von der Polizei gerufen worden, um sich um das verletzte Tier zu kümmern. Gegen 15 Uhr kam er an der ehemaligen Hofstelle an. Gemeinsam mit einem weiteren Jagdpächter wurde die Entscheidung getroffen, das Tier zu erschießen, denn die Verletzungen waren zu schwer. Jagdpächter Hans-Jürgen Raeder ist immer wieder wütend, dass Hunde ohne Leine durch Gebiete laufen, in denen Wild lebt. „Jeder Hund hat einen Jagdinstinkt, egal ob Dackel oder Schäferhund", betont der Fachmann. Besonders Jungtiere sowie trächtige oder kranke Tiere können nicht schnell genug weglaufen. Wie in diesem Fall.

Aber selbst wenn ein Hund nicht zubeißt, kann er durch das Hetzen eines Tieres, hier sind auch oft Hasen betroffen, Schlimmes anrichten. „Die Tiere können bei der Jagd auf die Straße rennen oder das Herz-Kreislauf-System macht nicht mehr mit", bringt Raeder es auf den Punkt. Übrigens könne sich der Hund bei einer solchen Hetzjagd ebenfalls verletzten, zum Beispiel, indem er vor ein Auto rennt.

Hunde werden voraussichtlich getestet

Hans-Jürgen Raeder appelliert noch einmal eindringlich an alle Hundebesitzer, ihre Hunde an der Leine zu lassen. Nicht nur während des Frühlings, wenn die Ricken ihre Kitze bekommen, sondern ganzjährig. Außerdem ist es wichtig, auf den Wegen zu bleiben. „Die Tiere kennen die Wege und meiden sie." Daher komme es dort viel seltener zu Zwischenfällen. Und wer meint, sein Hund sei nur leinenlos glücklich, der solle in einer Hundeschule zuvor das Tier konsequent erziehen. In Steinhagen sei es leider häufig zu erleben, dass Hundebesitzer mit ihren Tieren quer durchs Feld oder durch den Wald gehen. „Wir Jagdpächter sprechen diese Personen immer an und werden sie in Zukunft auch konsequent beim Ordnungsamt anzeigen", so Raeder. Alles gute Zureden hätte in den Vergangenheit nämlich nicht gefruchtet.

Auch die Besitzer der drei Hunde erwartet nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Wie Annika Eilers vom Ordnungsamt betonte, gibt es nun erst einmal ein Gespräch mit den Besitzern. Dann werden die Hunde voraussichtlich einen Wesenstest machen müssen, ob sie gefährlich sind, und es wird ein Bußgeld fällig.

Trotz allem Ärger möchte Raeder auch das positive Verhalten der Besitzer nach dem Beißvorfall hervorheben. Diese hatten von sich aus die Polizei gerufen. „Das finde ich gut", betont Raeder.

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