Potzblitz – Steinhagens Pfarrer ist weg

Vorruhestand: Gestern verabschiedete sich Pfarrer Ulrich Potz von der evangelischen Gemeinde. Warum er den Spitznamen »Potzblitz« führt, wurde in den Reden verraten

Birgit Nolte

Proviant für Ausflüge: Im Namen des Presbyteriums bedankte sich Pfarrerin Kirsten Schumann bei Pfarrer Ulrich Potz mit einem gut gefüllten Anhänger fürs E-Bike. - © Birgit Nolte
Proviant für Ausflüge: Im Namen des Presbyteriums bedankte sich Pfarrerin Kirsten Schumann bei Pfarrer Ulrich Potz mit einem gut gefüllten Anhänger fürs E-Bike. (© Birgit Nolte)

Steinhagen. Ulrich Potz ist von der schnellen Truppe. Die Autos des Pfarrers dürfen ruhig ein paar Pferdestärken mehr haben. Und sehr oft wird das alte Modell gegen ein neues ausgetauscht.

Lustiger Einfall: Als evangelischer Kirchturm verkleidet verabschiedete sich der katholische Gemeindereferent Simon Wolter bei Pfarrer Ulrich Potz. - © Birgit Nolte
Lustiger Einfall: Als evangelischer Kirchturm verkleidet verabschiedete sich der katholische Gemeindereferent Simon Wolter bei Pfarrer Ulrich Potz. (© Birgit Nolte)

Der Pfarrer ist aber nicht nur auf den Straßen fix unterwegs. „Ulrich Potz ist einer, der nicht lange zögert, um etwas zu realisieren", fasst Superintendent Walter Hempelmann seinen Eindruck zusammen.

„Immer aktiv, immer in Bewegung – Ulrich Potz wird es schaffen, dem Unruhestand eine neue Dimension zu geben", ist sich der Brockhagener Pfarrer André Heinrich sicher.

„Als ich kam, warst du schon weg", leitet Ulrich Potz’ Peckeloher Nachfolgerin Elisabeth Hübler-Umemoto ihre Rede ein. Knapp 29 Jahre lang ist Ulrich Potz gemeinsam mit seiner Ehefrau Kirsten als Seelsorger in dem Versmolder Stadtteil aktiv, bis er vor sieben Jahren beschließt, seine Bewerbung für eine freie Pfarrstelle in Steinhagen einzureichen. Den Peckelohern ist er noch gut im Gedächtnis. „Deine Leidenschaft für große Autos ist immer noch legendär. Und als du kamst, atmeten viele auf, weil du einer warst, der sich nicht hinter Schlips und Kragen unnahbar machte."

Sein legerer Kleidungsstil hinterlässt Eindruck. Auch bei Klaus Besser. „Als ich Sie in den 90er-Jahren zum ersten Mal in Versmold traf, erinnerten sie mich eher an Lederstrumpf als an einen Pfarrer, was an dem Halstuch, an der Lederhose mit Fransen und an den spitzen Lederstiefeln gelegen haben mag", berichtet der Bürgermeister, der Pfarrer Potz zum Abschied ein Luftbild von seiner alten Wirkungsstätte überreicht.

Gleich als Turm der evangelischen Dorfkirche verkleidet, bedankt sich der katholische Gemeindereferent Simon Wolter für die Mitarbeit bei den ökumenischen Kinderbibeltagen: „Uli ist ein toller, humorvoller Mensch. Seine Augen lachen immer mit und sie glänzen auch, wenn er vom Glauben spricht."

Ähnlich empfindet es Diakon Heinrich Bittner: „Du bist ein Pastor mit Leib und Seele und das Urgestein im Kirchenkreis Halle."

Mit Tränen in den Augen verabschiedet sich Pfarrerin Kirsten Schumann von ihrem Amtskollegen. „Die Zeit mit dir brachte viele Früchte", so Schumann. „Du hast Leben in die Gemeinde gebracht und den Menschen Trost und Halt gegeben, die genau das suchen."

Viele Ideen, wie sich der Pfarrer im Vorruhestand betätigen kann, kommen außerdem auf: Carl-Wilhelm Borgstedt, Vorsitzender der Stiftungen der Kirchengemeinde, schlägt das Fahren des Kirchenbullis vor. Landespolizeipfarrer Stephan Draheim kann sich mit dem langjährigen Polizeiseelsorger gemeinsame Seminare vorstellen.

Doch auch wenn Pfarrer Ulrich Potz für seine Schnelligkeit bekannt ist – jetzt will es der Geistliche erst einmal ruhig angehen lassen und die Freiheit genießen, sich mit Entscheidungen ganz viel Zeit zu lassen. Seinen Kollegen, die in Zukunft mit einer halben Pfarrstelle weniger auskommen müssen, rät er beruflich dazu, „sich auf das zu beschränken, was lustvoll leistbar ist". Sein Wunsch: „Diese Gemeinde ist geil – geht sorgsam mit euch und dieser Gemeinde um."

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