Herzliche Begrüßung oder sexuelle Belästigung?

Amtsgericht: 51-jähriger Syrer soll gegenüber einer Bekannten übergriffig geworden sein

Herbert Gontek

Symbolbild - © kraximus2010 - Fotolia
Symbolbild (© kraximus2010 - Fotolia)

Steinhagen/Halle. Wo endet eine herzliche Begrüßung auf Syrisch und wo beginnt eine sexuelle Belästigung auf Deutsch? Mit dieser Frage befasste sich am Donnerstag, 14. März, das Amtsgericht Halle. In den Augen der Richterin und der Staatsanwaltschaft war sie zu stürmisch ausgefallen. Der Strafvorwurf gegen den immer noch fassungslosen 51-jährigen aus Syrien geflüchteten Ingenieur wurde am Ende gegen Zahlung von 400 Euro eingestellt.

Und so hatte sich die Begegnung zugetragen: Eine 38-jährige Erziehern wollte am letzten Schultag vor den Sommerferien im vergangenen Jahr der syrischen Familie eine Zucchini bringen, von denen ihre Vermieterin reichlich übrig hatte. Eigentlich hatte sie an der Wohnungstür die Ehefrau erwartet. Die war aber nicht da. Sie wurde von dem Mann empfangen, an seiner Seite die vierjährige Tochter, im Hintergrund ein weiteres älteres Kind. Der Mann, der zu diesem Zeitpunkt noch wenig Deutsch sprach, bot ihr einen Kaffee an. Den lehnte die Frau ab, weil sie noch zwei Leute in ihrem Auto hatte.

Deshalb griff er nach seinen Ausführungen die Frau an die Hände und wollte sie in die Wohnung ziehen. Eine Darstellung, die sich nicht mit der der Zeugin deckte. „Aber nicht nur das; er hat auch versucht mich zu drücken und zu küssen", sagte die 38-Jährige vor Gericht. „Schließlich habe ich mich losgerissen und bin zu meinem Auto geflüchtet", schilderte die Frau ihre Eindrücke.

Dass er die Frau an die Hände gefasst habe, sei richtig, sagte der Angeklagte. Die darauf folgenden Zudringlichkeiten bestritt er jedoch vor Gericht. „Küsse und enge Umarmungen sind keine Begrüßung auf Syrisch", sagte der Ingenieur.

„Der Zwischenfall hat schon etwas mit mir gemacht", beschrieb die junge Frau ihre Gefühlslage nach dem Übergriff. Genau könnte sie das aber nicht beschreiben, formulierte sie von der Staatswaltschaft danach gefragt.

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