Steinhagener rettet gestohlene Ponys in Polen

Der ungewöhnliche Kriminalfall hat ein Happy End

Jobst Lüdeking

Janina umart ihr gefundenes Pony Bandito. - © Jobst Lüdeking
Janina umart ihr gefundenes Pony Bandito. (© Jobst Lüdeking)

Hiddenhausen/Bünde/Steinhagen. Knapp 2.000 Kilometer im Auto, davon 800 Kilometer über Landstraßen und rund 40 Stunden ohne Schlaf, aber ständig begleitet von der Angst und der Ungewissheit, ob es Claire, Honeymoon und Bandito, den drei gestohlenen Ponys aus Hiddenhausen, in Polen gut geht.

Doch jetzt gibt es für die Reiterinnen des Reitvereins Hiddenhausen Gewissheit: Die kleinen Pferde sind wieder daheim. Der ungewöhnliche Kriminalfall hat ein Happy End.

Pferde sind "unruhig und verstört"

Janina Zwaka steht im Stall am Reiterweg, umarmt ihren Bandito, der gerade eine Extra-Portion Futter bekommen hat. „Er ist noch sehr unruhig und verstört", erklärt die 19-jährige Besitzerin.

Sie holten die Ponys ab: Reiterinnen aus Hiddenhausen zusammen mit Fritz Johannsmann (2.v.l.). - © Privat
Sie holten die Ponys ab: Reiterinnen aus Hiddenhausen zusammen mit Fritz Johannsmann (2.v.l.). (© Privat)

Tatsächlich legt Bandito die Ohren an, wenn ihm unbekannte Menschen in seine Box kommen – ein untrügliches Zeichen von Angst und Unsicherheit, die das Pferd nach den stundenlangen Transporten zeigt. Die mit Bandito gestohlenen Ponys Honeymoon und Claire sind aktuell in einem anderen Stall untergebracht.

„Ich bin so froh, dass ich ihn wiederhabe", sagt die 19-Jährige. Mit ihrer Mutter und sechs weiteren Reiterinnen war sie am frühen Dienstagnachmittag nach Polen gestartet. Den Rücktransport übernahm ein echter Profi.

Reitponys waren aus Lippinghausen gestohlen worden

Fritz Johannsmann, dessen Steinhagener Unternehmen auf den weltweiten Transport von Reitpferden spezialisiert ist und regelmäßig bei den Olympischen Spielen im Einsatz ist, setzte sich selbst ans Steuer eines Transporters und startete für die drei Hiddenhauser Ponys Richtung Danzig.

Die Reitponys waren in der Nacht zum Samstag aus ihren Boxen in Lippinghausen gestohlen worden. Nina Mauer (35) hatte den Diebstahl entdeckt, danach Eigentümer und Polizei informiert.

Zunächst habe man noch gehofft, dass es ein übler Scherz ist, erzählt die Reiterin. Doch als klar war, dass die Ponys tatsächlich gestohlen wurden, war das „wie ein Alptraum für mich", ergänzt Janina Zwaka.

Parallel zu den Ermittlungen der Polizei, die am Sonntag die Verbindungsstelle des Bundeskriminalamts für ein Rechtshilfeersuchen an die polnischen Kollegen einschaltete, stellten die Reiterinnen die Fotos der Ponys und die Diebstahls-Infos bei Facebook online.

Pferde in Polen verkauft

„Ich habe mich in der Zeit immer gefragt, wie ich das meinen Kindern erklären kann, dass ihre Ponys gestohlen wurden ", berichtet die Besitzerin von Claire und Honeymoon, die anonym bleiben möchte.

Doch mehr als 50.000 Mal wurde die Meldung geteilt – schließlich erhielt die Besitzerin der beiden Ponys eine erste Meldung aus Polen. „Das war eine Frau, die schrieb, das sie wüsste, wo die Ponys sind", erzählt die Hiddenhauserin weiter. Kurz darauf gab es für sie dann die Information, dass alle drei Tiere von einer Frau nahe Danzig gekauft worden waren – und das man zu ihr Kontakt aufnehmen könne.

„Die Frau, die die drei Ponys gekauft hat, hat sie sehr gut behandelt und sich sehr kooperativ gezeigt", berichtet die Hiddenhauser Reiterin weiter.

Heiße Spur führt Ermittler nach Bünde

Bis dahin hatten sich die acht Reiterinnen das Schlimmste ausgemalt, was mit ihren Lieblingen passiert sein könnte. Doch dem war nicht so. Allerdings habe man den Tieren angesehen, dass sie – als sie wieder verladen wurden – offenbar Angst hatten getrennt zu werden. Anders als bei der Hinfahrt mit den Kriminellen reisten sie jetzt aber in einem extra für Pferde ausgestatteten Spezialtransporter nach Hiddenhausen zurück.

Nun ist der Verein dabei, technisch aufzurüsten um die Sicherheit der Anlage und der Tiere zu steigern, berichtet eine Reiterin – um einen weiteren Diebstahl wie den vom Wochenende zu verhindern.

Aber während es für Claire, Honeymoon und Bandito ein glückliches Ende gibt, können die Pferdediebe offenbar nicht damit rechnen. Es gibt eine heiße Spur ins benachbarte Bünde – und die Herforder Polizei ist dabei, ihr nachzugehen.

Ermittler der Spurensicherung haben einen verschmutzten und beschädigten Transporter untersucht. Neben Kotspuren finden sich auch Haare in dem Fahrzeug – ganz offensichtlich von Pferden, die transportiert wurden. Es scheint also fast so wie bei einem Happy End in Western-Filmen: Pferdediebe haben keine Chance.

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