Gemeindebibliothek Steinhagen will mehr Kultur wagen

In ihrem ersten Bericht stellt Manuela Heinig Pläne und Erreichtes vor. Künftig will sie noch stärker auf Veranstaltungen setzen. Die neue Reihe »Lesung und Gespräch« startet bald

Jonas Damme

Aus dem Irak geflüchtet, in Finnland heimisch: Autor Ahmed Zaidan kommt nach Steinhagen, um einige seiner Gedichte vorzutragen. Die handeln von seiner Flucht aus der alten Heimat, seinen Erinnerungen und seinen Hoffnungen auf die neue. - © TIMO SUUTARINEN
Aus dem Irak geflüchtet, in Finnland heimisch: Autor Ahmed Zaidan kommt nach Steinhagen, um einige seiner Gedichte vorzutragen. Die handeln von seiner Flucht aus der alten Heimat, seinen Erinnerungen und seinen Hoffnungen auf die neue. (© TIMO SUUTARINEN)

Steinhagen. „Er ist praktisch vom Himmel gefallen", sagt Wolfgang Groß vom AK Asyl über den Autor Ahmed Zaidan. Der aus dem Irak stammende Finne liest als erster Autor am 26. Februar in der Reihe »Literarische Begegnungen« (siehe Infokasten).

Mit Unterstützung von Florian Polkowski vom Bielefelder Hochroth-Verlag konnte der Lyriker dafür gewonnen werden, Gedichte aus seinem Band »Aurora from Mossul« (zu Deutsch: Morgenröte aus Mossul) vorzulesen. Der Autor liest auf Arabisch und Englisch, ein Dolmetscher soll übersetzen. Mit der neuen Reihe will Manuela Heinig das Kulturangebot der Bücherei weiter ausbauen.

Info

Literarische Begegnungen

Den Auftakt der neuen Reihe in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Asyl macht am Dienstag, 26. Februar, die Lesung »Aurora from Mosul« mit dem Dichter Ahmed Zaidan. Um 19.30 Uhr geht es los. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss soll ausreichend Zeit für Gespräche bleiben. Zaidan flüchtete 2013 aus Mosul, der zweitgrößten Stadt des Iraks, aus Angst vor Gewalt und Repressionen.

Die zweite Lesung der Reihe soll am 16. Mai stattfinden. Dann liest Lina Atfah aus »Das Buch von der fehlenden Ankunft«.

Wohlfühlcharakter ist wichtiger als reine Ausleihzahlen

„Die Bibliothek als dritter Ort ist mir sehr wichtig", erklärt die Leiterin ihr Engagement. Die Bezeichnung »Dritter Ort« beschreibt die Idee, dass es neben dem Zuhause und der Schule oder Arbeit einen weiteren Ort braucht für Kultur, Bildung und Gespräche. Diesen Ort zu schaffen, sei ihr Hauptaugenmerk.

Präsentieren »Aurora from Mosul«: Manuela Heinig (links), Wolfgang Groß und Praktikantin Evelyne Vorat mit dem Lyrikband aus dem Hochroth-Verlag, aus dem Ahmed Zaidan vorlesen wird. - © Jonas Damme
Präsentieren »Aurora from Mosul«: Manuela Heinig (links), Wolfgang Groß und Praktikantin Evelyne Vorat mit dem Lyrikband aus dem Hochroth-Verlag, aus dem Ahmed Zaidan vorlesen wird. (© Jonas Damme)

„Den Wohlfühlcharakter zu stärken ist wichtiger, als die Ausleihzahlen zu erhöhen", so Heinig. Nach einem Jahr bekomme sie auch von vielen langjährigen Gästen der Bücherei gespiegelt, dass die Einrichtung gemütlicher geworden sei. Mittlerweile kämen sogar oft Gäste, die gar nichts ausleihen wollen. „Wir sind selbst überrascht", so die Bibliothekarin.

Viele nutzten die Räume zum Lernen, um Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen oder sogar, um mit Freunden Brettspiele zu spielen. Auch Geflüchtete nutzten die ruhigen Räume gerne, weil die gemeindlichen Übergangswohnheime oft sehr laut seien.

Mit der Zeit gehen, bedeutet für die Bibliothek darüber hinaus auch, sich neuen Medien zu öffnen. So nutzen die Mitarbeiter mittlerweile soziale Kanäle, wie »Instagram«, um das Programm zu bewerben. Neben der neuen Reihe veranstaltet Manuela Heinig Lesungen, nimmt an der Nacht der Bibliotheken oder den Kulturtagen teil und bemüht sich, die Vernetzung mit Schulen, Gruppen und Vereinen noch zu vertiefen. „Wir wollen eben nicht nur unser eigenes Ding machen."

Kinder- und Jugendbücher sehr beliebt

Trotz allem muss die Büchereileitung natürlich auch die nackten Zahlen im Auge behalten. Die zeigen, dass die rund 26.000 Medien im vergangenen Jahr insgesamt fast 53.000 Mal ausgeliehen worden sind. Besonders gut laufen Kinder- und Jugendbücher, Romane sowie Filme und Musik-CDs. Rund 43.000 Euro gab die Bibliothek 2018 für neue Bücher und andere Medien aus. Etwa 50.000 Euro kostete außerdem die Bestückung der Bücher mit RFID-Sicherheitschips und die Pflege der Software und Internetangebote. 12.500 Euro wurden über die Nutzergebühren wieder hereingeholt.

Einzig die Sachbücher verlieren weiter an Beliebtheit. Im Schnitt wurden die 6.600 Nachschlagewerke und Ratgeber seltener als einmal im Jahr ausgeliehen (5.600 Ausleihen). „Da braucht man sich nichts vorzumachen. Das ist ein Problemkind", so Heinig. In der Konsequenz werde sie weniger entsprechende Reihen nachkaufen. Reiseliteratur zum Beispiel laufe aber nach wie vor und werde weiter bestellt.

Auch die Internetausleihe floriert. Die Zahl der digital ausgeliehenen Bücher, Hörspiele und Magazine sei 2018 gegenüber dem Vorjahr erneut gestiegen. Die Nachfrage nach sogenannten E-Learning-, E-Music- und E-Video-Angeboten über das Bibliothekenportal hingegen ist nach wie vor gering. Insgesamt wurden 11.000 E-Ausleihen getätigt.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.