"Sisyphos-Arbeit": Gemeinde tauscht Umlaufsperren fürs Rad gegen Pömpel

Radverkehrskonzept: Ursprünglich standen Umlaufsperren für Sicherheit. Jetzt hat sich die Gemeinde vorgenommen, möglichst viele von ihnen zu entfernen

Jonas Damme,Frank Jasper

Soll entfernt werden: Die Umlaufsperre am Gehweg zwischen Breslauer Straße und Hilterweg gilt als überflüssig. 47 solcher Hindernisse stehen auf dem Prüfstand. - © Frank Jasper
Soll entfernt werden: Die Umlaufsperre am Gehweg zwischen Breslauer Straße und Hilterweg gilt als überflüssig. 47 solcher Hindernisse stehen auf dem Prüfstand. (© Frank Jasper)

Steinhagen. 47 sogenannte Umlaufsperren hat der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Erwin Rellmann in Steinhagen bereits ausgemacht und nummeriert. Mit einer Prioritätenliste geht es nun daran, möglichst viele von ihnen aus dem Weg zu räumen.

„Es gibt kein Kataster darüber, deshalb war es eine Sisyphos-Arbeit", erklärt Ordnungsamtschefin Ellen Strothenke die ungewöhnliche Aufgabe. Weil manche der Sperren schon seit Jahrzehnten an ihrem Platz stünden, habe niemand bisher den Gesamtüberblick behalten. Nun habe man aber wohl die meisten zusammen. Die entsprechende Liste findet sich öffentlich zugänglich im Ratsinformationssystem.

Mögliche Alternative: Rot-weiße Sperrpfosten wie hier am Zugang von der Bahnhofstraße zum Bürgerpark. - © Frank Jasper
Mögliche Alternative: Rot-weiße Sperrpfosten wie hier am Zugang von der Bahnhofstraße zum Bürgerpark. (© Frank Jasper)

Der Auftrag aus der Politik ist klar: Einstimmig entschied man im vergangenen Jahr, die Sperren »wenn möglich« zu entfernen. Nur solche, die für die Verkehrssicherheit – insbesondere an Kitas und Schulen – wirklich notwendig seien, gelte es zu erhalten.

Beschleunigung des Radverkehrs ist ein Ziel

„Wir kontrollieren sensibel. Manche erfüllen den damaligen Zweck nicht mehr", sagt Strothenke. Andere hingegen gelte es ohne Zweifel zu erhalten, zum Beispiel, um Fußgänger vor schnellen Radfahrern zu schützen.

Dass überhaupt darüber nachgedacht wird, nach Jahrzehnten gegen Umlaufsperren vorzugehen, sei einem Sichtwechsel zu verdanken. Noch vor zwanzig Jahren habe niemand darüber nachgedacht, wie sich ein Radwegenetz beschleunigen lasse. Bei den öffentlichen Workshops zum Radverkehrskonzept, mit dem das Rathaus mehr Menschen vom Auto aufs Fahrrad bringen will, hätten sich dann erstmals Teilnehmer zu Wort gemeldet, die die Umlaufsperren kritisierten. Unter anderem seien sie mit Fahrradanhänger kaum oder sogar gar nicht zu passieren.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) geht sogar noch weiter und stuft Umlaufsperren unter Umständen als Gefahrenquelle ein. In einer ADFC-Empfehlung heißt es: „Die genannten Einbauten führen zu einer Verengung der Fahrbahn, erschweren die Durchfahrt der betroffenen Stelle und stören die Fahrdynamik. Durch die zusätzlich meist mangelnde Sichtbarkeit entsteht – zumal bei Dunkelheit – ein Gefahrenpotenzial." Speziell für in Gruppen fahrende Radfahrer oder bei der Begegnung von Radfahrern und Fußgängern entstehe ein Unfallrisiko, zum Beispiel durch Kollisionsgefahr.

Größere Sicherheit ohne Umlaufsperren

Problematisch seien Umlaufsperren aus Sicht des ADFC besonders bei Kindern. „Die Aufmerksamkeit wird auf die Umlaufsperre statt auf die eigentliche Gefahr gelenkt, etwa an Bahnübergängen." Der Fahrradclub stellt außerdem fest: „Einem möglichem Sicherheitsgewinn durch Umlaufsperren steht eine nicht akzeptable Behinderung für Fußgänger mit Kinderwagen sowie Radfahrer besonders mit Packtaschen und Anhängern gegenüber.

Dieser Argumentation folgend geht nun auch die Gemeinde Steinhagen vor: 24 Umlaufsperren hat das Ordnungsamt als erhaltenswert eingestuft, fünf sollen ersatzlos entfernt werden. Der Rest wird gegen eine bessere, zeitgemäße Lösung getauscht. Je nach Anforderung werden einfache rot-weiße Sperrpfosten aufgestellt, die Abstände vergrößert oder andere, individuelle Lösungen vorgeschlagen.

Im Idealfall könnten alle Maßnahmen – die der Steinhagener Bauhof vornehmen soll – noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Zuvor muss aber der Ordnungs- und Umweltausschuss am Donnerstag, 14. Februar, sein OK geben. Die Sitzung beginnt um 17.30 Uhr im Rathaus und ist öffentlich.

Folgende Umlaufsperren sollen ersatzlos abgebaut werden: Bonhoefferstraße/Gehweg zur Heinestraße, Breslauer Straße/Gehweg zum Hilterweg über die Marienburger Straße, Eickhof/Gehweg und Spielplatzzugang zur Teplitzer Straße, Magdeburger Straße/Zugang zum Spielplatz, Teutoburger Straße/Geh- und Radweg Broock.

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