Doppelte Zuschüsse für billige Wohnungen

Sozialausschuss: Die Politik muss entscheiden, ob die Zuschüsse künftig von einem auf zwei Euro pro Quadratmeter Mietwohnraum steigen sollen. Fast 50 neue Wohnungen sind bereits in Planung

Jonas Damme

Sollen abgerissen werden: Die Mehrfamilienhäuser an der Finkenstraße aus den 1960er Jahren sollen durch moderne Neubauten ersetzt werden. Auf dem jetzigen Parkplatz könnte außerdem ein Platz mit mehr Aufenthaltsqualität entstehen. - © Frank Jasper
Sollen abgerissen werden: Die Mehrfamilienhäuser an der Finkenstraße aus den 1960er Jahren sollen durch moderne Neubauten ersetzt werden. Auf dem jetzigen Parkplatz könnte außerdem ein Platz mit mehr Aufenthaltsqualität entstehen. (© Frank Jasper)

Steinhagen. Die Suche nach günstigem Wohnraum entwickelt sich in der Gemeinde zunehmend zu einem Problem. Schon für Singles und Pärchen sind entsprechende Wohnungen knapp, für Familien wird es oft noch schwieriger – nicht wenige, die schon seit Monaten und Jahren suchen.

Man kann der Steinhagener Politik indes nicht vorwerfen, dass sie in der Sache untätig sei. Um Investoren zu motivieren, entsprechende Immobilien zu bauen, existiert bereits ein Förderprogramm. Die Krux: Es lohnt sich für Bauherren derzeit trotzdem nicht, Wohnungen mit niedrigen Mieten zu planen. Also muss die öffentliche Hand noch einmal einspringen.

Seit einigen Jahren gibt es Landesfördergelder für alle Bauherren, die sich verpflichten, ihre Mieten niedrig zu halten. Wie viel sie verlangen dürfen, hängt von der Region ab, in der das Gebäude steht. In Steinhagen sind derzeit 5,55 Euro pro Quadratmeter zulässig, also rund 390 Euro für eine 70-Quadratmeter-Wohnung. Das ist schon etwas mehr, als noch 2017. Weil aber die erlaubte Miete weiter zu niedrig angesetzt ist, lohnt es sich für die hiesigen Wohnungsbaugesellschaften nicht, in Steinhagen subventioniert zu bauen. „Bei den derzeit hohen Baukosten lassen sich keine Gebäude realisieren", erklärt Bürgermeister Klaus Besser.

8,55 Euro Miete pro Quadratmeter sind möglich

In der Konsequenz legt die Gemeinde selbst noch etwas drauf. Bisher war das ein Euro pro Quadratmeter beim Neubau, 1,50 bei barrierefreien Wohnungen. Aber auch dieser Ausgleich führte nicht zum gewünschten Aufschwung im Sozialbau.

Deswegen soll die Förderung nun verdoppelt werden: zwei Euro für Neubauten, sogar drei für barrierefreies Wohnen mit erhöhtem Standard, zum Beispiel für Rollstuhlfahrer. Wenn ein Vermieter also barrierefreie Wohnungen plant, kann er statt 5,55 Euro 8,55 Euro Miete einplanen. Damit läge Steinhagen sogar noch deutlich über der höchsten vom Land geförderten Mietstufe.

Und die Zuschusserhöhung trägt bereits Früchte, wie Klaus Besser weiß. Sowohl die Steinhagener Firma Delta-Bau als auch die Haller Kreiswohnstätten-Genossenschaft planen sie für zwei große Projekte ein. „Die würden sonst nicht stattfinden", so Besser. 24 von 48 Wohnungen, die Delta-Bau im neuen Baugebiet in Amshausen bauen wird, sollen von der Förderung und der Mietpreisbremse profitieren. Die KWG plant außerdem den Abriss von zehn Mehrfamilienhäusern an der Amshau-sener Finkenstraße. Derzeit besitzt sie dort 40 Wohnungen, in den Neubauten könnten es bis zu 60 werden. „Das ist das erste Mal, dass die KWG so etwas macht. Bisher haben sie vor allem Altbauten saniert", so der Verwaltungschef. Bei den Gebäuden aus den 1960er Jahren würde sich eine Sanierung nicht mehr lohnen.

Für das Rathaus könnten jährliche Kosten in Höhe von 100.000 Euro entstehen

Das Steinhagener Förderprogramm soll sich aber nicht nur an große Unternehmen richten. Auch Privatvermieter, die zum Beispiel ihren Dachboden ausbauen, werden explizit angesprochen.

Was Mietern mehr Wohnungen und Vermietern mehr Geld verspricht, schlägt sich natürlich auf den Gemeindesäckel nieder. Für dieses Jahr sind 35.000 Euro veranschlagt, die die Vermieter abrufen könnten. In den Folgejahren sind sogar jeweils mehr als 100.000 Euro Kosten eingeplant.

Der Bürgermeister rechnet damit, dass die Fraktionen im Sozialausschuss den Plänen zustimmen.

Der Ausschuss für Generationen, Arbeit, Soziales und Integration tagt am Montag, 18. Februar, ab 17.30 Uhr im Ratssaal. Die Sitzung ist öffentlich.

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