Falscher Polizist aus Steinhagen steht vor Gericht

Mit viel Überzeugungskraft und krimineller Energie nahm ein 41-Jähriger im vergangenen Jahr Steinhagener Senioren aus. Nun muss er sich für seine Taten verantworten

Anke Schneider

Eindeutig? Uniformierte Polizisten sind einfach zu erkennen, sollten sie in Zivil sein, können sie sich immer mit einer Dienstmarke (kleines Bild) ausweisen. Im Zweifel empfiehlt die Polizei die 110 zu wählen und nachzufragen. - © Frank Jasper
Eindeutig? Uniformierte Polizisten sind einfach zu erkennen, sollten sie in Zivil sein, können sie sich immer mit einer Dienstmarke (kleines Bild) ausweisen. Im Zweifel empfiehlt die Polizei die 110 zu wählen und nachzufragen. (© Frank Jasper)

Steinhagen/Halle. Der Angeklagte sah sich gestern im Amtsgericht gleich sechs verschiedenen Vorwürfen gegenüber. Zwischen Januar und März 2018 soll er versucht haben, an Geld und Wertgegenständen von Bürgern zu kommen. Die Anklage lautet nun auf Amtsanmaßung und Diebstahl.

Am 24. Januar verfolgte der 41-Jährige einen Rentner bis zu einer Kreuzung, stieg aus und klopfte an die Scheibe des Wagens. Er sagte dem Rentner, dass der zu schnell gefahren sei und Bußgeld zahlen müsse. Der Rentner wollte daraufhin den Ausweis des Mannes sehen. „Mir kam das komisch vor“, sagte der Steinhagener im Gericht. Der Polizist sei alleine und mit einem roten Pkw unterwegs gewesen. Der falsche Beamte habe dann gesagt, dass er es noch mal mit einer Ermahnung gut sein lassen wollte und verschwand.

Bei einer anderen Gelegenheit klingelte der Angeklagte an der Haustür einer Frau und gab an, in polizeilichen Ermittlungen wegen Falschgeld unterwegs zu sein. Er ließ sich von der Frau 80 Euro aushändigen und gab an, das Geld in seinem Pkw mit einem Scanner prüfen zu wollen. Der Beschuldigte ging zu seinem Auto und verschwand. Etwas später kreuzte der Beschuldigte bei einer weiteren Bürgerin auf und behauptete, in einer Diebstahlssache zu ermitteln. Er wollte den Aufbewahrungsort des Bargeldes wissen und fragte nach der PIN der EC-Karte. Die Bürgerin weigerte sich, dem Wunsch nachzukommen und der falsche Polizist verschwand.

Sie ließ ihn abblitzen

Eine andere Rentnerin hatte weniger Glück. An ihr drängelte sich der Mann an der Haustür vorbei und griff sich ihr Portemonnaie und ihr Handy. Eine 57-jährige Verkäuferin, bei der der Beschuldigte dann Anfang Februar 2018 klingelte, war durch einen Pressebericht im Haller Kreisblatt vorgewarnt. „In der Zeitung stand, dass falsche Polizisten unterwegs sind“, sagte sie im Gericht. Sie ließ den Angeklagten abblitzen, obwohl der auf Verlangen einen Ausweis vorzeigte. „Der sah aus wie ein Personalausweis“, sagte die Steinhagenerin. Die Frau ging schließlich zur Polizei und erkannte den Mann auf Fotos wieder.

Ein weiteres Opfer wurde schließlich eine Frau, an deren Haustür der Mann ebenfalls klingelte. Sie sollte laut Aussage des Betrügers ohne Licht gefahren sein und sollte 50 Euro zahlen. Da die Frau kein Bargeld im Haus hatte ging sie zum Geldautomaten und hob 300 Euro ab. Als sie zu ihrer Wohnanschrift zurück kam, öffnete sie ihre Geldbörse und wollte dem Angeklagten 50 Euro geben. Der griff jedoch plötzlich in das Portemonnaie, nahm das gesamte Geld und verschwand.

In der Gerichtsverhandlung konnten noch nicht alle Zeugen gehört werden. Der Prozess wird daher am 1. Februar um 10 Uhr fortgesetzt.

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