Kein Leerstand dank drei neuer Geschäfte im Steinhagener Ortskern

Drei neue Geschäfte verhindern Leerstände im Ortskern. Allerdings scheint der inhabergeführte Einzelhandel trotzdem auszusterben

Jonas Damme

Onkel Dampf? Der bärtige Mann am Kirchplatz verkauft sogenannte E-Zigaretten. - © Jonas Damme
Onkel Dampf? Der bärtige Mann am Kirchplatz verkauft sogenannte E-Zigaretten. (© Jonas Damme)

Steinhagen. Der Einzelhandel ist tot. Lang lebe der Einzelhandel! – wie den französischen Königen, geht es derzeit auch den Innenstädten. Sie drohen auszusterben. Wie sich in Steinhagen zeigt, geht es aber trotzdem irgendwie weiter. Gerade erst sind wieder drei Lücken geschlossen worden.

Pfotentreff: Der Friseursalon für den besten Freund des Menschen. - © jd
Pfotentreff: Der Friseursalon für den besten Freund des Menschen. (© jd)

Am Fivizzanoplatz eröffnet bald der »Hundesalon Pfotentreff« seine Pforten, wenige Meter weiter an der Straße Am Markt soll im »Kraftwerk« Fitness nach der EMS-Methode angeboten werden. Am Kirchplatz ist derweil »Onkel Dampf« in die ehemaligen Räume von Anne Hempels Bekleidungsgeschäft eingezogen.

Der Einzelhändler Onkel Dampf hat dabei das höchste Tempo vorgelegt: Bereits seit Freitag werden dort E-Zigaretten und Zubehör verkauft. Innerhalb von nur einer Woche ab Übergabe hatte das Team das Geschäft umgebaut. Onkel Dampf eröffnet bereits seine vierte Filiale. Elektrische Zigaretten sind gegenwärtig in ganz Deutschland ein großer Trend. Dabei wird mittels einer Heizspirale eine mit Geschmacksstoffen angereicherte, nikotinhaltige Flüssigkeit verdampft. Aber auch E-Zigaretten sind gesundheitsschädlich.

Bald werden Hunde frisiert

Der Hundesalon lässt sich mit der Renovierung deutlich mehr Zeit. Erst am 10. Januar will der Pfotentreff in den ehemaligen Räumlichkeiten des Kosmetik- und Nagelstudios, das an die Bielefelder Straße gezogen ist, eröffnen. In den Räumen sollen künftig Hunde frisiert werden.

Beim Kraftwerk in den ehemaligen Räumen der Jagdschule wird ebenfalls eifrig gewerkelt. Ein Eröffnungstermin ist allerdings noch nicht publik. Das dort angebotene EMS-Training verspricht, mit kleinem Zeitaufwand einen schnellen Muskelaufbau zu ermöglichen. Die sogenannte Elektro-Myo-Stimulation setzt elektrischen Strom statt schwerer Hanteln ein, um Muskeln zur Aktivität anzuregen.

Kraftwerk: Mit Strom sollen hier Muskeln aufgepumpt werden. - © jd
Kraftwerk: Mit Strom sollen hier Muskeln aufgepumpt werden. (© jd)

Die drei Neuerungen zeigen, dass der Ortskern trotz aller Sorgen weiterhin attraktiv für Geschäftsleute ist. So haben in den vergangenen Monaten bereits Fliesen Ferdi, die Keksdose und andere Spartengeschäfte Lücken geschlossen. Auch das entstehende Ärztehaus wird für Bewegung sorgen. Gegenwärtig expandiert außerdem die Shisha-Bar an der Bahnhofstraße.

Markt und Kirchplatz als Dienstleistungszentrum

Aus Sicht des Steinhagener Bauamtsleiters zeigt sich seit Jahren, dass der Ortskern nicht ausstirbt, sondern sich verändert. „Der Markt und der Kirchplatz haben sich zunehmend als Dienstleistungszentrum etabliert“, so Stephan Walter. Zwar ginge der Anteil des Einzelhandels – wie bekannt – langfristig deutlich zurück, die Leerstände blieben zumindest in diesen Kernbereichen dennoch übersichtlich.

„Die typischen Geschäfte für Bekleidung und ähnliches gibt es nicht mehr, weil die Leute heute nach Bielefeld fahren“, so Walter. Die Lücken füllten Ärzte, Nagelstudios, andere Dienstleister oder aber kleine Nischengeschäfte.

Und gerade bei den zum Teil kurzlebigen Nischengeschäften gilt, fast alles ist besser als Leerstand. „Optimal ist natürlich, wenn es über die Qualität geht. Wie ein Schuhgeschäft, das über die Grenzen Steinhagens bekannt ist“, so Walter. Problematisch findet er hingegen ein allzu starkes, direktes Eingreifen der Kommune, wie über aktives Leerstandsmanagement. „Interessenten suchen, Leute anlocken, Mietzuschüsse geben, so etwas ist schwierig“, so der Bauamtsleiter.

Genauso halte es die Gemeinde derzeit noch nicht für nötig, den Bebauungsplan zu verändern, der im Geschäftsbereich des Ortskerns das Wohnen im Erdgeschoss weitestgehend verbietet. Nur in Bereichen, die eindeutig nicht mehr an Ladeninhaber vermittelbar seien (wie der Alten Kirchstraße) habe man mittlerweile davon Abstand genommen. Im kommenden Jahr wird aber auch diese Ortskern-Regelung im Gemeinderat auf den Prüfstand kommen – um sicher zu stellen, dass der Ortskern belebt bleibt.

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