Rufbereitschaft: Ordnungsamt Steinhagen betreut Halle nicht mehr mit

Künftig allein: Wenn der Rettungsdienst zu psychisch Kranken gerufen wird, ist auch das Ordnungsamt gefragt. Bisher hat Steinhagen am Wochenende Halle mitbetreut

Frank Jasper

Depressionen: Wenn Menschen mit psychischen Problemen den Rettungsdienst rufen, muss oft auch das Ordnungsamt ausrücken. - © pixabay.com
Depressionen: Wenn Menschen mit psychischen Problemen den Rettungsdienst rufen, muss oft auch das Ordnungsamt ausrücken. (© pixabay.com)

Steinhagen. „Meistens passiert es nachts, also außerhalb unserer offiziellen Dienstzeit“, sagt Erwin Rellmann. Der Mitarbeiter des Steinhagener Ordnungsamtes gehört zum fünfköpfigen Team, das die Rufbereitschaft stellt.

Es sind Einsätze, in denen die Mitarbeiter Menschen in Ausnahmesituationen begegnen. Etwa wenn sich jemand zu einem Suizidversuch entschlossen habe oder wenn eine Person durch ihr Handeln andere gefährde, erklärt Rellmann.

In Absprache mit Ärzten und Polizei müsse der Ordnungsamtsmitarbeiter dann entscheiden, ob die betroffene Person zum eigenen Schutz oder zum Schutz der Allgemeinheit in einer Fachklinik untergebracht wird. „Dabei handelt es sich um Zwangseinweisungen, wir nennen das »Eingriffsverwaltung«, über die letztlich ein Richter entscheiden muss. Weil nachts und am Wochenende aber keine Richter greifbar sind, wird dann das Ordnungsamt vorläufig tätig und trifft eine Entscheidung“, erklärt Erwin Rellmann.

Festgeschrieben ist diese Aufgabenteilung im Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten, kurz PsychKG. Für diese besondere Aufgabe sind die fünf Steinhagener Mitarbeiter besonders geschult worden. Ihre Rufbereitschaft erstreckt sich über den Zeitraum von einer Woche. 2017 musste das Team 27-mal ausrücken. Davon fanden vier Einsätze in Werther statt, neun in Steinhagen und 14 in Halle. 2016 waren es 42 Einsätze, davon zehn in Werther, 13 in Steinhagen und 19 in Halle.

Versuche, Halle personell einzubinden, scheiterten

„Hinzu kommen die nächtlichen Ereignisse in Steinhagen, zu denen ohnehin ein Ordnungsamtsmitarbeiter hinzugerufen wird. Etwa bei einem Ölunfall, bei Fällen von plötzlicher Obdachlosigkeit oder Ähnlichem“, so Erwin Rellmann.

Zwar beteiligen sich Halle und Werther finanziell an der Rufbereitschaft, zuletzt wurde der personelle Aufwand aber immer größer. Versuche, Halle personell in die Rufbereitschaft einzubinden, seien gescheitert. Darum hat Steinhagen die Vereinbarung über die Wahrnehmung der Rufbereitschaft zum Jahresende gekündigt.

In einer neuen Vereinbarung, die zum 1. Januar kommenden Jahres in Kraft treten soll, ist nur noch die Mitbetreuung von Werther festgeschrieben. Im Ordnungs- und Umweltausschuss am Donnerstagabend haben die Mitglieder einstimmig grünes Licht für die neue Vereinbarung gegeben.

Sollten Sie sich selbst mit Suizidgedanken tragen, zögern Sie nicht, die Telefonseelsorge unter Tel. 08 00/1 11 01 11 zu kontaktieren.

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