Florex-Hallen werden endlich erweckt

Jonas Damme

Unnötiger Leerstand: Mehrere solcher Hallen werden derzeit saniert. Das Sheddach soll wenn möglich erhalten werden. - © Jonas Damme
Unnötiger Leerstand: Mehrere solcher Hallen werden derzeit saniert. Das Sheddach soll wenn möglich erhalten werden. (© Jonas Damme)

Steinhagen. 34.000 Quadratmeter Grundstück, 26.000 Quadratmeter Nutzfläche – die Ausmaße des Waldbad-Gewerbehofes sind gigantisch. Mindestens fünf große Gebäude gehören zum Komplex, je nach Zählweise.

Von den 30ern bis in die 70er Jahre hat der Frottee-Hersteller Florex seinen Firmensitz immer wieder erweitert und verändert. Hallen wurden neugebaut, Wände versetzt, Flächen geschlossen. 1990 musste die »Florex Frottier GmbH« dann Insolvenz anmelden. Die Gebäude blieben. Eine Herkulesaufgabe allein, zwischen all den Hallen den Überblick zu behalten. „Das Gelände ist schon wirklich groß", bestätigt Karl-Heinz Esdar. Im Herbst vergangenen Jahres hatte Esdar den Komplex erworben. Im Januar begannen die Arbeiten. Bis Ende kommenden Jahres will er mit der Sanierung im groben fertig sein.

Investor: Karl-Heinz Esdar setzt viel Zeit und Geld ein, um das Florex-Areal vor dem Verfall zu retten. Am Ende soll sich die Investition rechnen. - © Jonas Damme
Investor: Karl-Heinz Esdar setzt viel Zeit und Geld ein, um das Florex-Areal vor dem Verfall zu retten. Am Ende soll sich die Investition rechnen. (© Jonas Damme)

Im Hauptberuf restauriert, repariert und verkauft Esdar in Bielefeld hochpreisige Luxusfahrzeuge und Oldtimer. Der Gewerbepark ist nicht sein erstes Projekt dieser Art, aber sicherlich das Größte. Zuvor hatte Esdar mit dem Kauf der Immobilie des Skala-Kinos in Bielefeld Schlagzeilen gemacht. Auch für seine Kfz-Werkstatt hatte er bereits mit größeren Hallen zu tun.

Kaufpreis will Esdar nicht nennen

„Der Komplex gehörte einer Bank aus München", erklärt Esdra, wie er an die Florex-Immobilie kam. Die habe aber wenig investiert und die Flächen so vermietet, wie sie waren. Mit entsprechend geringem Gewinn. Deshalb sei das Institut an einem Verkauf sehr interessiert gewesen. Entsprechend gut waren die Konditionen. Den Kaufpreis will Esdar aber nicht nennen.

Nun muss er die Immobilie flott machen, um sein Geld wiederzubekommen. „Als wir hier übernommen haben, waren nur 20 Prozent vermietet", erklärt er. „An rund 40 Mieter." Rentabel ist das natürlich nicht. „Mittlerweile haben wir 45 Mieter, aber schon rund 50 Prozent vermietet." Auch wenn er die kleinen Mieter, wie Musikbands oder Künstler halten wolle, das große Geld liege woanders. „Die fünf neuen Mieter haben allein 6000 Quadratmeter."

Platz schaffen: Fast 10.000 Quadratmeter Halle werden abgerissen. - © Jonas Damme
Platz schaffen: Fast 10.000 Quadratmeter Halle werden abgerissen. (© Jonas Damme)

Um auch noch die restlichen 50 Prozent der Räume und Hallen wirtschaftlich nutzbar zu machen, sind weitere Arbeiten nötig. „Wir reißen einiges ab. Am Ende werden es nur noch etwa 17- bis 18.000 Quadratmeter Nutzfläche sein", so Esdar. Die Reduzierung sei notwendig. So seien manche Hallen nicht direkt erreichbar, geschweige denn anfahrbar gewesen. Wegen der Vermietbarkeit und dem Brandschutz sei es außerdem sinnvoll, die Einheiten nicht zu groß einzuteilen. Außerdem wird Parkfläche geschaffen.

"Wir wollen weiterhin günstig vermieten"

Die bestehenden Hallen werden saniert. Sie bekommen nicht nur – wenn nötig – ein neues Dach, sondern auch zeitgemäße Elektro-, Gas- und Sanitäranschlüsse. „Wir müssen einfach Grund reinbringen", so der Investor. Ein alter Keller wird gegenwärtig außerdem zur Tiefgarage umgebaut. Für den Passanten an der Waldbadstraße wird das Ensemble am Ende aber trotzdem noch sehr ähnlich aussehen.

Die Arbeiten der verschiedenen Gewerke betreut Karl-Heinz Esdar – neben seiner eigentlichen Kfz-Arbeit – selbst. Auch aus finanziellen Gründen. „Wir wollen weiterhin günstig vermieten, dafür muss ich einfach vernünftig wirtschaften."

Info
Inoffizielles Kulturforum 

Im eigentlichen »Gewerbehof am Waldbad«, wie die Florex-Hallen mittlerweile korrekt heißen, sind etliche Kulturschaffende ansässig. Vermieter Esdar schätzt, dass etwa zehn Musikbands in verschiedenen Bereichen des Komplexes proben. Dazu kommen noch mehrere Künstlerateliers, eine Tanzschule und ein Aufnahmestudio. Außerdem ist ein Hochzeitssaal ansässig und eine Freikirche trifft sich dort. Im Zuge der Sanierung könnte sich auch für die Feiernden und Kreativen einiges ändern, Esdar möchte sie aber gerne im Komplex halten.

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