Nach Alte-Schmiede-Pleite: Mitarbeiter wollten Lohn eintreiben

Herbert Gontek

Symbolfoto - © Sebastian Duda - Fotolia
Symbolfoto (© Sebastian Duda - Fotolia)

Steinhagen/Halle. „Wir wussten keinen anderen Weg, um an unseren ausstehenden Lohn zu kommen", sagten gestern ein 32-jähriger und 26-jähriger Mitarbeiter. Die beiden waren im Juni des vergangenen Jahres nachts in das Restaurant Alte Schmiede eingestiegen, um dort nach Geld zu suchen. Vergebens, denn in den Kellnergeldbörsen und einem kleinen Tresor war kein Geld. Gestern mussten sie sich dafür verantworten, kamen aber mit einem blauen Augen davon.

Der damalige Inhaber des Restaurants war mit seinem Geschäft in finanzielle Schieflage geraten, die schließlich in einer Insolvenz endete. Die Mitarbeiter warteten deshalb vergeblich auf ihr Geld. Das brachte den 32-jährigen auf die Idee, mit seinem offiziellen Schlüssel nachts im Büro einmal nachzuschauen, ob dort noch Geld zu finden sei. Zusammen mit seinem 26-jährigen Kollegen stieg er im Juni in das Restaurant ein. In Kellnerbörsen fanden sie kein Geld, deshalb nahmen sie einen Minitresor mit.

Am Morgen danach übermannte sie das schlechte Gewissen und sie gaben den Safe ungeöffnet zurück. Trotzdem mussten sie sich jetzt vor dem Amtsgericht Halle wegen besonders schweren Diebstahls verantworten.

Die Richterin sagte, sie könne das Vorgehen der beiden zwar nachvollziehen; in Deutschland sei aber die Justiz für die Regelung solcher Probleme zuständig. Nach einem Geständnis und der Erkenntnis der beiden Angeklagten, den falschen Weg gegangen zu sein, stellte das Gericht das Verfahren gegen Zahlung einer Geldstrafe ein. Der 32-Jährige muss 600 Euro an die gemeinnützige Gütersloher Tafel zahlen, der 26-Jährige 300 Euro an den Verein Dr. Clown.

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