Hitze macht auch Vierbeinern zu schaffen - Experte gibt Tipps

Sonja Faulhaber

Terrier Balou weiß, was bei Hitze gut tut. - © Sonja Faulhaber
Terrier Balou weiß, was bei Hitze gut tut. (© Sonja Faulhaber)

Steinhagen. Mit dem Sommerwetter in Deutschland ist es so eine Sache. Die einen lieben Temperaturen um die 30 Grad und Sonne pur, die anderen hassen es. Aber während der Mensch sich aussuchen kann, wie er mit der Hitze umgeht, haben Hunde oft keine Wahl. Wenn Frauchen nach der Arbeit im Café ihr Eis genießt, muss Bello hechelend daneben warten. Und wenn Herrchen am Wochenende Joggen geht, kommt der Hund immer mit. Warum diesmal denn nicht? Weil Hunde einfach keine Menschen sind, und liebevolle Hundebesitzer im Hochsommer manche Situation kritisch hinterfragen sollten. Maic Horstmann, Leiter der Hundeschule von der Ströher Heide, weiß aus langjähriger Erfahrung, wo es schnell kritisch werden kann.

Hunde sind für viele Menschen sportliche Begleiter. Dürfen die Vierbeiner im Hochsommer überhaupt Joggen oder am Rad laufen?

Gibt Tipps, was es für Hundebesitzer zu beachten gilt: Maic Horstmann. - © Sonja Faulhaber
Gibt Tipps, was es für Hundebesitzer zu beachten gilt: Maic Horstmann. (© Sonja Faulhaber)

Maic Horstmann: Wenn, dann nur deutlich weniger als normalerweise. Leider sehe ich immer wieder Leute, die nach Feierabend um 16 Uhr mit ihrem Hund eine Runde auf dem Rad drehen. Das geht gar nicht. Besser früh morgens oder abends sportlich werden. Andernfalls kann eine solche Belastung schnell zu Herz- und Kreislaufproblemen führen.

Aber abends spricht dann nichts mehr gegen eine kleine Joggingrunde?

Horstmann: Wenn es tagsüber sehr heiß war, erhitzt sich auch der Asphalt, der hat dann locker 60 Grad. Und gerade empfindliche Hundepfoten werden bei solchen Temperaturen schnell verletzt. Ich habe es nicht selten erlebt, dass ein Hund Verbrennungen an den Pfoten vom Laufen über heißen Asphalt hatte.

Also lässt man seinen Vierbeiner am besten Zuhause?

Horstmann: Ja, aber auch da gibt es einiges zu beachten. Gerade die Dachgeschosswohnung kann schnell ungemütlich werden. Hundebesitzer sollten daher kühle Plätze schaffen. Das geht am besten, wenn der Hund ins Badezimmer darf. Auf den kühlen Fliesen geht es gleich viel besser. Man kann aber auch nasse Handtücher aufhängen, um die Raumtemperatur zu senken. Und ein Ventilator hilft natürlich. Unsere Terrier lieben übrigens Kühlmatten. Da ist ein Gel drin, das kühler wird, je länger der Hund drauf liegt.

Die meisten Hunde lieben ja Wasser. Was können Herrchen und Frauchen da tun, um ihrem Vierbeiner eine Freude zu machen?

Horstmann: Wer einen Garten hat, kann auf jeden Fall ein kleines Planschbecken für Hunde aufstellen. Wichtig ist aber, dass der Hund nicht gezwungen wird ins Wasser zu gehen. Und das Schlimmste, was Hundebesitzer tun können, ist einen Eimer kaltes Wasser über ihrem Liebling auszuschütten. Das kann zum Herzstillstand führen. Immer von unten nach oben kühlen.

Also Pfoten in den Wassereimer?

Horstmann: Ja. Oder die Beine von unten nach oben mit Wasser benetzen. Für viele ist der Sprung in einen See ja das Größte. Gibt’s da etwas zu beachten? Horstmann: Nicht ganz so viel. Ich sag immer: Guckt, was da drin liegt. So mancher Hund hat sich schon Schnittverletzungen zugezogen. Aber ansonsten gibt es wenig zu beachten. Die Hunde wissen selbst meist gut, in welchem Wasser sie Schwimmen können und wo es zu dreckig ist.

Wo macht den der Sprung ins kühle Nass in Steinhagen Spaß?

Horstmann: In Steinhagen gibt es viele Bachläufe, in denen Hunde wunderbar Planschen können. Und es gibt noch mehrere kleine Teiche. aber immer gucken, ob der Hund da auch wirklich Schwimmen darf.

Worauf sollten Hundebesitzer in diesen Tagen noch achten?

Horstmann: Gerade langhaarige und stockhaarige Hunderassen sollten gut durchgebürstet werden. Die Unterwolle muss raus, damit die Haut Luft bekommt. Und wenn ein Hund Stellen ohne Fell hat, zum Beispiel nach einer Operation, sollte die Haut mit Sonnencreme geschützt werden. Da kann man übrigens seine eigene Sonnencreme einfach für den Hund mitbenutzen.

Sommerzeit ist für Menschen ja »Eis-Zeit«. Gilt das auch für Hunde?

Horstmann: Ja. Hunde kühlen sich auch gerne mit Eis ab. Aber nicht das Milcheis, das wir essen. Wassereis wäre noch okay, aber besser ist spezielles Hundeeis. Wir füllen für unsere Terrier immer Mini-Kongs mit Frischkäse und Leckerli und frieren die dann ein. Da haben unsere Hunde was zum Abkühlen und Spaß beim Essen.

Sollte man eigentlich darauf achten, dass der Hund genug trinkt, oder ist das überfürsorglich?

Horstmann: Hundebesitzer sollten bewusst darauf achten, wie viel ihr Hund trinkt. Manche Hunde trinken im Sommer einfach zu wenig. Und wie kriegt man das Wasser dann in den Hund? Horstmann: Bei mäkeligen Hunden hilft es oft, ein Leckerli ins Wasser zu werfen. Wenn das rausgefischt wird, trinkt der Hund ganz nebenbei. Oder ein wenig Brühe – natürlich ungesalzen – ins Wasser geben. Dann schmeckt alles nach Fleisch.

Der Klassiker zum Schluss: Hunde im Auto lassen – das geht gar nicht, oder?

Horstmann: Nein, selbst im Schatten steigt die Temperatur schnell auf über 50 Grad im Wageninneren. Was viele nicht bedenken: Auch während der Fahrt, wenn vorne die Klimaanlage den Fahrer kühlt, steht hinten in der Hundebox die Luft. Daher immer hinten ein Fenster aufmachen für Frischluft. Und beim Tankstopp den Hund entweder rauslassen oder wenigsten alle Klappen und Fenster am Auto aufmachen.

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