Banken schließen ihre Filialen in Brockhagen

Frank Jasper

Am gemeinsamen Geldautomaten: Filialdirektor Frank Pohl (von links), Vorstandsmitglied Henning Bauer und Vorstandsvorsitzender Hartwig Mathmann von der Kreissparkasse sowie Vorstandsvorsitzender Thomas Sterthoff und Kundenbetreuer Stephan Dirkes von der Volksbank. (© Frank Jasper) - © Frank Jasper
Am gemeinsamen Geldautomaten: Filialdirektor Frank Pohl (von links), Vorstandsmitglied Henning Bauer und Vorstandsvorsitzender Hartwig Mathmann von der Kreissparkasse sowie Vorstandsvorsitzender Thomas Sterthoff und Kundenbetreuer Stephan Dirkes von der Volksbank. (© Frank Jasper) (© Frank Jasper)

Steinhagen-Brockhagen . „Das Nutzungsverhalten der Kunden hat sich stark gewandelt. Inzwischen werden 85 Prozent der Bankgeschäfte von den Kunden über das Internet abgewickelt", begründet Volksbank-Vorstandsvorsitzender Thomas Sterthoff den Schritt. Viele Dienstleistungen würden heute online, mobil mit dem Smartphone oder telefonisch mit einem Anruf im Kundencenter erledigen. „Dem müssen wir Rechnung tragen", unterstreicht Sterthoff.

Die Kreissparkasse argumentiert in die gleiche Richtung: „Wir reagieren damit auf die zunehmende Digitalisierung im Bankgeschäft", sagt Hartwig Mathmann, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Halle. Der Entscheidung seien Kundenbefragungen und Frequenzanalysen vo-rausgegangen.

Premiere: Banken betreiben einen Geldautomaten gemeinsam

Die beiden Geschäftsstellen, die sich in Sichtweite im Brockhagener Ortskern befinden, werden bis zum 28. Dezember wie gewohnt weiterbetrieben. Danach werden sie durch einen Geldautomaten ersetzt, um zumindest die Bargeldversorgung im Ort aufrechtzuerhalten. An welchem Standort er aufgestellt wird, steht noch nicht fest. Nur so viel: Er soll sich an zentraler Stelle in Brockhagen befinden. Der Automat wird von der Kreissparkasse und der Volksbank gemeinsam betrieben. Es ist die erste Kooperation dieser Art im Geschäftsgebiet der beiden Geldinstitute. Überweisungen wird man an dem Automaten nicht tätigen können, er dient allein dem Geldabheben.

Die jeweils zwei Mitarbeiter, die in den Filialen beschäftigt sind, wechseln zum Jahresende in die größeren, zentral gelegenen Geschäftsstellen in Steinhagen. Bei der Kreissparkasse ist es die Filiale Am Pulverbach, bei der Volksbank handelt es sich um das Kompetenzzentrum Am Markt. „Dort werden die Brockhagener Kunden auf die ihnen bekannten Gesichter treffen", verspricht Hartwig Mathmann.

Bei der Volksbank Bielefeld-Gütersloh, die gerade erst rund 17 Millionen Euro in den Umbau ihrer Bielefelder Zentrale am Kesselbrink investiert hat, ist die Schließung der Brockhagener Filiale eingebettet in eine groß angelegte Umstrukturierung im Geschäftsstellen-Netz. „Wir werden im zweiten Halbjahr insgesamt sechs Geschäftsstellen in Selbstbedienungs-Bereiche umwandeln", kündigte Thomas Sterthoff gestern an. Betroffen sind neben dem Standort Brockhagen die Geschäftsstellen am Bielefelder Nordpark und in Dornberg sowie in Brake und an der Neuenkirchener Straße und der Verler Straße in Gütersloh. Damit sei die Umstellung Ende des Jahres aber auch erstmal abgeschlossen, so Sterthoff.

Sterthoff: »Es besteht eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit«

„Das macht keinen Spaß; es besteht einfach die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit", hebt er hervor. Der Vorstandsvorsitzende verweist auf den mobilen Service der Volksbank. Demnach können Kunden, die nicht so mobil sind, um eine Geschäftsstelle zu erreichen, telefonisch einen Termin mit einem Mitarbeiter vereinbaren, der sie zuhause besucht und bei finanziellen Angelegenheiten hilft.

Pläne für die künftige Nutzung der beiden Ladenlokale in Brockhagen gibt es nach Auskunft der Banken noch nicht. Volksbank und Kreissparkasse hatten die Räume für ihre Geschäftsstellen angemietet.

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Automaten statt Mennschen

von Frank Jasper
Die Schließung der Brockhagener Bankfilialen ist vor allem für ältere Kunden eine schlechte Nachricht. Denn längst nicht jeder beherrscht Online-Banking, geschweige denn, dass er der Technik in so einem sensiblen Bereich vertraut. Und längst nicht jeder hat die Möglichkeit, dann mal eben für eine Überweisung nach Steinhagen zu fahren. Bei diesem Personenkreis konnten Kreissparkasse und Volksbank bisher mit räumlicher Nähe und persönlicher Beratung punkten. Wahr ist aber auch: Die meisten Kunden nutzen heute die komfortablen Möglichkeiten des Online-Bankings. Zum Bankberater geht es nur noch, wenn eine Wohnungsfinanzierung oder größere Geldanlagen anstehen. Es ist nur logisch, dass darauf eine Ausdünnung der Filialnetze folgt, die versierte Presseabteilungen dann beschönigend als „Ausbau des digitalen Service" verkaufen. Diesen »digitalen Service«, der uns im Alltag immer öfter begegnet, darf man selbst als jemand, der mit den neuen Techniken aufgewachsen ist, hin und wieder bedauern. Weil es manchmal einfach ganz schön ist, statt auf Automaten auf Menschen aus Fleisch und Blut zu treffen.

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