40 Varianten in 40 Jahren - Planung und Bau der A33

Frank Jasper

Stand der Bauarbeiten im April 2015: An der Brücke über den Pulverbach (unten) wird noch gebaut. Weiter oben, Richtung Halle, sind die Brücken Bahnhofstraße und Upheider Weg zu erkennen. Mit dem Bau der eigentlichen Fahrbahn ist begonnen worden. - © Jens Keßler
Stand der Bauarbeiten im April 2015: An der Brücke über den Pulverbach (unten) wird noch gebaut. Weiter oben, Richtung Halle, sind die Brücken Bahnhofstraße und Upheider Weg zu erkennen. Mit dem Bau der eigentlichen Fahrbahn ist begonnen worden. (© Jens Keßler)

Steinhagen. Die ersten Diskussionen um die Autobahn 33 und ihren Verlauf gehen bis in die 1960er Jahre zurück. In den folgenden Jahrzehnten bot der Lückenschluss und wie er vollzogen werden sollte Stoff für unzählige Debatten. Etliche Meilensteine markieren die oft als unendlich verschrieene A 33-Geschichte, die nun doch ein Ende findet. An einige diese Autobahn-Momente erinnern die Fotos aus dem Haller-Kreisblatt-Archiv.

Die Planung

Während die einen die Autobahn herbeisehnten, sahen die anderen ihre Heimat bedroht. In Steinhagen gründeten sich mit der Südtrassenunion (STU) und der aus ihr hervorgegangenen Bürgerallianz sogar zwei neue Parteien, die über einige Jahre die Politik im Gemeindeparlament mitbestimmten und gegen die Autobahntrasse kämpften. Auch der A 33-Rechtshilfefonds ist ein Ergebnis dieser Debattenkultur. STU und Bürgerallianz existieren heute nur noch als kleine Fraktionsgemeinschaft mit einem Sitz im Gemeinderat, aus dem Rechtshilfefonds ist der Verein zur Förderung der Umwelt und Lebensqualität in Steinhagen geworden.

40 Varianten in 40 Jahren - Planung und Bau der A33

Mehr als 40 Varianten der Autobahn wurden unter verschiedenen Aspekten untersucht. In den Nullerjahren lief die Diskussion auf die zentrale Frage zu: Ist eine Südtrasse die bessere Alternative zur so genannten Konsens-, beziehungsweise Nordtrasse? Im Juni 2007 fiel die Entscheidung für die Trasse, wie sie nun verwirklicht worden ist. Die Bezirksregierung Detmold setzte hinter das teils zähe Planfeststellungsverfahren einen Schlusspunkt.

Die Südtrasse biete im Vergleich zu der Nordtrasse eine geringere Verkehrsentlastung auf der B 68 und sei aus Naturschutzgründen nicht realisierbar, hieß es in der Begründung. An dieser Entscheidung änderte auch eine Klage von neun Steinhagener Bürgern nichts. Am 12. August 2009 machte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig den Weg frei für die A 33.

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Der Bau

Für Steinhagen war es ein historischer Moment, als am 25. September 2009 der Startschuss für den Steinhagener Autobahnabschnitt fiel. Um beim ersten Spatenstich dabei zu sein, ließ sich sogar der damalige NRW-Ministerpräsiden Jürgen Rüttgers mit dem Helikopter einfliegen. Noch einmal hielten Autobahnbefürworter und

„Ich habe mir diesen Tag schon viel eher herbeigewünscht", diktierte Harald Vosshall von der Initiative »A 33 jetzt« den Reportern in die Blöcke. Ein paar Meter weiter stand Axel König von der Südtrassenunion und ließ wissen: „Für uns ist das heute natürlich ein trauriger Tag." Der Autobahnbau hatte gerade erst begonnen, aber einen Riss hatte die Schnellstraße längst durch Steinhagen gebildet.

In den folgenden Jahren wurde aus bunten Linien auf Landkarten aus Beton gegossene Realität. Die erste Großbaustelle entstand an der Bielefelder Straße. Hier steht heute eine von 20 Brückenbauwerken des 7,9 Kilometer langen Teilstücks zwischen Ostwestfalendamm und Schnatweg in Halle-Künsebeck.

Noch bis 2011 galt die Devise, dass der Steinhagener Abschnitt Ende 2013 für den Autoverkehr freigegeben werden sollte. Daraus wurde bekanntlich nichts. Immer wieder gab es Verzögerungen. Mal spielte das Wetter nicht mit, mal gab es Irritationen ob der Finanzierung, mal lieferten beteiligte Firmen nicht rechtzeitig ab. Als Reaktion auf die Verzögerungen gründete sich im Januar 2012 in Halle das Aktionsbündnis »A 33 sofort«.

Etliche Häuser verschwanden nach und nach aus dem Ortsbild, weil sie der Trasse im Weg standen. Länger als geplant blieb die mit 106 Jahren älteste Steinhagenerin in ihrem Haus im Jückemühlenbachtal wohnen. Die rüstige Damen beruhte auf ihr Wohnrecht auf Lebenszeit und dachte nicht daran auszuziehen, was den verantwortlichen Straßenbauern den Schweiß auf die Stirn trieb. Im Mai 2013 grub sich schließlich die Baggerschaufel in die Dachgiebel des Gebäudes, nachdem die Bewohnerin in ein Altenheim umgezogen war.

80 Firmen und Büros haben am Autobahnbau mitgewirkt. Dazu gehören auch jene, die für den Bau der Lärmschutzwälle und -wände verantwortlich zeichneten. Die Gemeinde Steinhagen hatte in zusätzlichen Lärmschutz investiert, so dass die Autobahn auf Steinhagener Gebiet fast vollkommen eingehaust ist. Am Ende wurden in achteinhalb Jahren 123,5 Millionen Euro verbaut.

Auch zur Verkehrsfreigabe am Mittwoch, 4. April, hat sich der Ministerpräsident angekündigt. Diesmal ist es Armin Laschet, der nach Steinhagen kommt. Um 13.30 Uhr beginnt die Veranstaltung an der Anschlussstelle in Halle-Künsebeck. Wer beim finalen Akt des Steinhagener Autobahnbaus dabei sein möchte, ist dazu eingeladen.

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