SteinhagenJugendzimmer werden zu Filmstudios: IT-Experte erklärt YouTube

Frank Jasper

Gefällt mir: Roland Archut klickt sich zum Video-Kanal von Sänger Michael Schulte. Was einen erfolgreichen Youtuber wie Schulte ausmacht und was bei einem Videodreh, der Nachbearbeitung und der Veröffentlichung wichtig ist, erklärt der IT-Experte in einem VHS-Kurs. - © Frank Jasper
Gefällt mir: Roland Archut klickt sich zum Video-Kanal von Sänger Michael Schulte. Was einen erfolgreichen Youtuber wie Schulte ausmacht und was bei einem Videodreh, der Nachbearbeitung und der Veröffentlichung wichtig ist, erklärt der IT-Experte in einem VHS-Kurs. © Frank Jasper

Steinhagen. Die Kamera läuft im Kinderzimmer. Dort wird auf der Gitarre geklampft, ein neues Schminkexperiment gewagt, oder einfach rumgeblödelt. Klingt unbedarft, ist es auch – und gerade deshalb so erfolgreich. „Das hat viel mit Authentizität zu tun", erzählt Roland Archut. Der 30-jährige Informatiker bietet demnächst bei der Volkshochschule Ravensberg einen YouTube-Kurs für Teenager an (siehe Infokasten). Denn immer mehr Jugendliche wollen ihren Vorbildern nacheifern. Alles sieht so einfach aus.

Laut einer Studie von ARD und ZDF nutzen in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen 91 Prozent regelmäßig YouTube, gefolgt von den 30- bis 49-Jährigen mit 79 Prozent. Dabei generieren sie eifrig Klicks, die sich das Videoportal versilbern lässt, indem es kommerzielle Werbung in die Clips einbettet. Da fällt auch was für die Videoproduzenten ab. Schätzungen gehen davon aus, dass man als YouTuber bis zu 1,50 Euro pro tausend Aufrufe des hochgeladenen Videos verdienen kann. Klingt erst mal wenig. Das Manager Magazin hat allerdings unlängst ausgerechnet, dass etwa Deutschlands erfolgreichster weiblicher YouTube-Star Bibi rund 110 000 Euro verdient. Im Monat.

„Auch mit negativen Kommentaren muss man klar kommen"

Die Summe stammt nicht allein aus den YouTube-Erlösen, Firmen bezahlen die YouTuber, die sich auch Influencer nennen, damit ihre Produkte in den Filmen Erwähnung finden. 4,5 Millionen Abonnenten verfolgen beispielsweise regelmäßig, wie Bibi neue Lippenstifte und Handtaschen in die Kamera hält und unterhaltsam präsentiert. Da bekommen Werbemacher feuchte Hände.

Wer auf schnelles Geld und Ruhm hofft, den bremst Roland Archut aber erstmal aus: „Man muss inzwischen eine Nische finden, oder richtig gut sein. Denn inzwischen gibt es fast schon alles", sagt er. In seinem VHS-Kurs gehe es vor allem um den Spaß am Medium. Und eines dürfe ein Clip sowieso schon mal gar nicht: krampfig wirken. Und das könne schnell passieren, wenn die einzige Motivation für die Filme das Geldverdienen sei.

„Wer einen YouTube-Kanal anlegen möchte, sollte sich am besten erst mal ein Thema überlegen", rät Archut. Auch dazu gibt es längst Erhebungen. „Während bei männlichen Jugendlichen vor allem so genannte Let’s-Play-Videos beliebt sind, in denen man anderen beim Gamen und Kommentieren von digitalen Spielen zusehen kann, schauen weibliche Jugendliche gerne Beauty-Tutorials", weiß Archut.

„Die Kameras in den Smartphones von heute reichen in der Regel aus, um guter Ergebnisse zu erzielen", erklärt Roland Archut. Weil sie handlich und immer dabei sind, eignen sie sich besonders gut für Vlogs, also Videotagebücher, die beispielsweise bei Videos zum Thema Reisen üblich sind. „Die eigentliche Arbeit passiert meistens erst nach dem Filmen, wenn das Material geschnitten wird", so der Experte. Clevere Schnitte, Perspektivenwechsel und Hintergrundmusik können aus einem Video mehr herausholen. Viel länger als zehn Minuten sollte ein Clip nicht sein. Die YouTube-Welt funktioniert nicht in Spielfilmlänge.

„Dann geht es darum, möglichst viele Abonnenten, also Follower, für seinen YouTube-Kanal zu gewinnen. „Dazu muss man auch in anderen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram präsent sein und sich dort vernetzen", rät Roland Archut. Das brauche es schon mal Geduld. Die sollte man auch haben, wenn unter den Filmen negative Kommentare auftauchen. „Das muss man aushalten können", sagt der IT-Experte.

Mit Fleiß, Kreativität und etwas Glück steigt mit jedem Film die Zahl der Follower und im bestens Fall die Zahl der Likes. So wie bei Michael Schulte. Der Gewinner des ESC-Vorentscheids hat vor zehn Jahren auch mal klein angefangen: mit einer wackeligen Webcam, einem günstigen Mikrofon und einem Coversong, den er in seinem Kinderzimmer vor einem Massivholzschrank sitzend gesungen hat.

Info
VHS-Kurs

In einem VHS-Kurs zeigt Roland Archut den Teilnehmern, was einen erfolgreichen Youtuber ausmacht und was man zur Vorbereitung, zum eigentlichen Videodreh, der Nachbearbeitung und der Veröffentlichung wissen muss. Der Kurs dauert über vier Termine und beginnt am Freitag, 2. März, 17 bis 18.30 Uhr, im Heimathaus, Alte Kirchstraße 4. Er richtet sich an Teenager ab 13 Jahren. Die Kosten betragen 28 Euro. Anmeldungen sind möglich bei der Volkshochschule unter Tel. (0 52 01) 8 10 90 oder unter www.vhs-ravensberg.de.