Diskriminierung unter Flüchtlingen „erschreckend“

Frank Jasper

Flüchtlingsheim am Cronsbach - © Jonas Damme
Flüchtlingsheim am Cronsbach (© Jonas Damme)
Stellte ihren Bericht vor: Flüchtlingskoordinatorin Christine Dresler. - © Foto: Frank Jasper
Stellte ihren Bericht vor: Flüchtlingskoordinatorin Christine Dresler. (© Foto: Frank Jasper)

Steinhagen. „Das Ausmaß an Diskriminierung und Rassismus unter den Flüchtlingen habe sie „erschreckt", teilte Flüchtlingskoordinatorin Christine Dresler am Montagabend in der Sitzung des Sozialausschusses mit. Dort hatte Dresler ihren Zwischenbericht zum Integrationskonzept vorgelegt. Darin heißt es: „Im Laufe des letzten Jahres sind Diskriminierungen aufgrund von Religionszugehörigkeit, Hautfarbe oder sexueller Orientierung unter den Geflüchteten aufgefallen."

Auf konkrete Vorfälle ging Christine Dresler nicht ein. Auf Nachfrage des Haller Kreisblattes sagte sie: „Wir bekommen von solchen Fällen nur indirekt mit. Vieles bleibt im Vagen." Die Annahme, unter den geflüchteten Menschen müsse aufgrund des gemeinsamen Schicksals automatisch Solidarität herrschen, ist laut Dresler unrealistisch. „Es handelt sich vielmehr um sehr heterogene Gruppen", lieferte sie einen Erklärungsansatz und meinte damit unterschiedliche Ethnien und Religionen.

Konflikte würden in den Unterkünften angesprochen. Trotz Hinweise auf die in Deutschland geltenden rechtlichen Grundlagen, führe dies aber nicht zu einem Umdenken bei den angesprochenen Personen, heißt es im Integrationsbericht.

Dreslers Schlussfolgerung daraus: Neben dem Erlernen der Sprache und der anschließenden Vermittlung in Arbeit müssten künftig die Regeln des Zusammenlebens stärker in den Fokus genommen werden, damit Integration gelingen könne. In Planung sei etwa ein niederschwelliges Theaterprojekt, in dem Geflüchtete ihre Einstellung zu Religionsvielfalt und Rassismus reflektieren können. Außerdem soll es einen Workshop für Haupt- und Ehrenamtliche aus der Flüchtlingsarbeit geben, um sie für den Umgang mit Diskriminierung innerhalb der Flüchtlingsunterkünfte zu sensibilisieren.

Was die Sprachvermittlung angeht, sei Steinhagen „gut aufgestellt", so Christine Dresler. „Sprache ist nach wie vor der wichtige Schlüssel zur Integration. Damit steht und fällt alles", hob sie hervor. Aktuell finden in Steinhagen sechs Integrationskurse der Volkshochschule statt. Außerdem ein Kurs für Frauen mit Kinderbetreuung, der von der Gemeinde finanziert wird, ein Sprachkurs der Firma Hörmann sowie ein über das Erzbistum Paderborn finanzierter Kurs. Trotz dieser Angebote scheitern viele Geflüchtete an ihren sprachlichen Defiziten, wenn es um die Einstellung bei potenziellen Arbeitgebern geht. Laut Integrationsbericht fällt außerdem auf, „dass vielen Geflüchteten die Organisation von wichtigen Unterlagen und der Umgang mit behördlichen Angelegenheiten fremd ist". Auch hier will die Gemeinde mehr Hilfestellung anbieten.

Die Fraktionen lobten das Integrationskonzept im Anschluss – mit Ausnahme der FDP. Alexander Alt erneuerte vielmehr die Fundamentalkritik der Liberalen an dem Konzept. Zum einen fehle die „Trennschärfe" zu Personen ohne Asylgrund, zum anderen müsse Integration als Holschuld definiert werden und nicht als Bringschuld der Kommune. Ein Theaterprojekt hält Alt zudem für „wenig sinnvoll", um damit auf Diskriminierung unter Flüchtlingen zu reagieren.

Udo Bolte (SPD) würdigte das Konzept: „Es verschafft uns ja erst die Möglichkeit zur Orientierung in wichtigen Fragen. Entscheidend ist doch das Miteinander der Menschen vor Ort." Angelika Fritsch-Tumbusch von den Grünen sagte: „Das Konzept macht deutlich, wo wir in der Integration vo-rangekommen sind und wo nicht." Sie begrüßte es, dass das Thema Diskriminierung unter den Flüchtlingen in das Konzept aufgenommen worden sei. Dem stimmte Heino Bante-Ortega (CDU) zu: „Für mich ist wichtig, dass alles offen und ehrlich angesprochen wird."

Aktuell leben in Steinhagen 228 Flüchtlinge. Seit Jahresbeginn gab es keine weiteren Zuweisungen. Vor zwei Jahren waren es noch 440 geflüchtete Menschen in der Gemeinde.

Info

Prof. Dollase beim Runden Tisch

Der nächste Runde Tisch zur Steinhagener Flüchtlingsarbeit findet am Dienstag, 20. März, im Rathaus statt. Dort hält Professor Rainer Dollase einen Vortrag zum Thema »Offene Gesellschaft – Einheimische und Zugewanderte besser verstehen«. Beginn ist um 18 Uhr. Dollase ist in der Universität Bielefeld als Mitglied des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung beschäftigt. Die Veranstaltung ist öffentlich. Anmeldungen für den Runden Tisch sind erbeten bei Christine Dresler unter Telefon (0 52 04) 99 72 30 oder per E-Mail: christine.dres
ler@steinhagen.de.

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