"Markus T.": Steinhagener baut Brillen-Manufaktur in alter Brennerei

Gläserne Brillenproduktion: Die umgebaute Brennerei Elmendorf in Isselhorst steht vor der Fertigstellung

Jeanette Salzmann

„Baustelle war ein Kraftakt": Markus Temming auf dem Hof seiner Brillenmanufaktur in Isselhorst. Hinter ihm die einstige Schnapsbrennerei mit Kesselhaus. - © Andreas Frücht
„Baustelle war ein Kraftakt": Markus Temming auf dem Hof seiner Brillenmanufaktur in Isselhorst. Hinter ihm die einstige Schnapsbrennerei mit Kesselhaus. (© Andreas Frücht)

Steinhagen/Isselhorst. Vor drei Jahren hat Designer Markus Temming begonnen, die ehemalige Brennerei Elmendorf in eine gläserne Brillen-Manufaktur umzubauen, im Frühsommer sollen nun die wesentlichen Arbeiten erledigt sein. Insgesamt 6 500 Quadratmeter umfasst das Areal.

Auf 5 700 Quadratmetern ist Gewerbefläche entstanden, auf der restlichen Fläche gibt es Wohneinheiten. Neben der Brillenproduktion gibt es einen Friseur, eine Volksbankfiliale und Gastronomie. Ein Oldtimer-Verleih und ein Hotel folgen in Kürze.

„Es ist eine schwierige Baustelle", sagt Temming, „das Gebäude war kaum zu retten. Es war ein absoluter Kraftakt." Die Bausubstanz entlang der Haller Straße sei grenzwertig gewesen. Dass das denkmalgeschützte Bauwerk von 1888 keine leichte Aufgabe würde, sei ihm aber immer klar gewesen. 10 Millionen Euro hat Markus Temming investiert. 90 Mitarbeiter zählt das Unternehmen »Markus T.« aktuell. Tendenz steigend. „Wir nehmen uns zehn Prozent Wachstum pro Jahr vor."

Auch die Produktion findet im Kreis Gütersloh statt

Auch auf der Baustelle plant der Chef selbst. Der Designer hat alle Materialien ausgesucht, eigene Schreibtische und Lounge-Möbel kreiert, Beleuchtung entwickelt, ganze Häuser entworfen.

Immer im Herbst läuft die große Brillenmesse in Paris. Dann folgen München und Mailand. Um die Kollektion bis dahin im Paket stehen zu haben, müssen jetzt die Vorbereitungen getroffen werden. Eine neue Formensprache der einzelnen Modelle zu entwickeln, dauert rund drei Monate. Dafür hat der Brillendesigner zwei Mitarbeiter, die daran maßgeblich wirken.

Er selbst kümmert sich derweil um die wirklichen Neuentwicklungen. „Das ist mein Steckenpferd", sagt der studierte Optiker. Er tüftelt mit Chemikalien, um die Färbung der Brillen bis zum Europa-Patent zu optimieren. Oder experimentiert mit Kunststoffherstellern, bis die maximal flexible Fassung erstellt ist. Titan-Drähte müssen gebogen werden, Laser entwickelt, die Oberflächenbehandlung perfektioniert werden. Die leichteste Brillenfassung der Markus-T.-Kollektion wiegt 2 Gramm. „So wenig Brille wie nötig. So viel Nutzen wie möglich", das ist die Handschrift von Markus T.. Eine Schraube sucht man in seiner Brillenproduktion vergeblich.

Vor 20 Jahren hat sich der gebürtige Steinhagener selbstständig gemacht. „Ich möchte das entwickeln, von dem ich überzeugt bin." Er möchte frei sein in seiner Entscheidung – ganz gleich welcher. Dazu gehört auch, dass Temming seine Brillen in Deutschland produzieren lässt und nicht wie die Konkurrenz in China oder auf den Philippinen, wo die Lohnkosten ein Fünfzehntel betragen. Mit dem Umzug in die Manufaktur hat der Unternehmer auch seine bisher dezentralen Produktionseinheiten aus Berlin nach Isselhorst geholt. Alles "Made in Gütersloh".

Info
Die Brennerei Elmendorf
  • Bei der Brennerei Elmendorf wurde von 1689 bis 2001 Korn gebrannt. Mit dem Wegfall des Branntweinmonopols war die Grundlage für einen weiteren Betrieb nicht mehr gegeben. Das burgartige Gebäudeensemble wurde in der Zeit von 1760 bis 1903 gebaut.
  • Das Gelände ist seit dem 18. Jahrhundert im Besitz der Familie. Die Kornbrennerei wird noch in Handarbeit von Kai Elmendorf in Hamburg weiter gepflegt.

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