Steinhagen. Die Gemeinde Steinhagen will die fünf Asylbewerberunterkünfte an der Bahnhofstraße kaufen, um sie an kinderreiche Familien zu vermieten. Denn für diese Personengruppe wird es zunehmend eng.
2016 hatte die Annette-Schlichte-Steinhäger-Stiftung die Doppelhäuser an der Bahnhofstraße gebaut, um sie an die Gemeinde Steinhagen zu vermieten. Die brauchte dringend Wohnungen zur Unterbringung von Flüchtlingen. Inzwischen werden Steinhagen zwar weniger Geflüchtete zugewiesen, allerdings steigt die Zahl derjenigen mit Bleiberecht, für die eine Wohnsitzauflage in Steinhagen gilt. Sie müssen sich eine Wohnung auf dem regulären Immobilienmarkt suchen. Dort steigt die ohnehin schon hohe Nachfrage weiter an.
In der nächsten Sozialausschusssitzung am Montag, 12. Februar, soll deshalb entschieden werden, ob die Gemeinde Steinhagen die fünf Doppelhäuser von der Annette-Schlichte-Steinhäger-Stiftung kauft. Zu welchem Preis, ist nicht bekannt. Laut Bürgermeister Klaus Besser besteht bei der Schlichte-Stiftung grundsätzlich die Bereitschaft zum Verkauf. Über die Summe sei noch nicht endgültig verhandelt worden. Allerdings stehen im Gemeindehaushalt 2,8 Millionen Euro für den Ankauf von Grundstücken und Gebäuden bereit.
Aktuell 120 freie Plätze in den Unterkünften
Die zehn Wohneinheiten könnten nicht nur anerkannten Flüchtlingen angeboten werden, sondern allen wohnungssuchenden Familien in Steinhagen. Denn es sind vor allem Haushalte mit fünf oder mehr Personen, die momentan kaum eine Chance auf eine bezahlbare Unterkunft im Ort haben. Aus den Unterlagen zur Sozialausschusssitzung ist ersichtlich, dass der Gemeinde zehn Familien mit fünf oder mehr Personen gemeldet sind, die eine Wohnung suchen. Hinzu kommen fünf Großfamilien aus dem Bereich der Flüchtlinge. Die tatsächliche Zahl der Suchenden dürfte höher sein.
Die von der Annette-Schlichte-Steinhäger-Stiftung gebauten Häuser wären bestens geeignet für diese Personengruppe. Jedes der Doppelhäuser bietet eine Wohnfläche von 130 Quadratmetern und hat fünf Zimmer, Küche und zwei Badezimmer.
Werden die Flüchtlingsunterkünfte an der Bahnhofstraße zu Mietobjekten, müssten aktuelle Bewohner der Häuser umziehen. Rein rechnerisch wäre dies zurzeit möglich. Aktuell verfügt die Gemeinde über 120 freie Plätze in den übrigen Wohnheimen. Allein 36 sind es in der Flüchtlingsunterkunft Am Cronsbach, 26 am Laukshof.
Bürgermeister Klaus Besser wirbt für den Kauf der Doppelhäuser: „Im Falle eines Ankaufs könnte die Gemeinde ab 2019 als Vermieterin auftreten, und der Rat kann einen sozial verträglichen Mietzins festsetzen. So könnte schnell und einfach mehr preiswerter Mietwohnraum für große Familien bereitgestellt werden.“ Ein lukratives Geschäft wäre das freilich nicht. Weil ein grundsicherungsrelevanter Mietspiegel zugrundegelegt wird, sind die Mieteinnahmen nicht auskömmlich.
Wie sich die Flüchtlingssituation in diesem Jahr entwickelt, lässt sich schwer vorhersagen. Die Gemeinde rechnet nach wie vor mit Zuweisungen. Für Februar sind bereits 15 Personen angekündigt. Prognosen zum Familiennachzug lassen sich aufgrund der nach wie vor nicht genau geregelten Gesetzeslage nicht machen. Bisher sind 25 Personen im Rahmen des Familiennachzugs nach Steinhagen gekommen.
Der Ausschuss für Arbeit, Soziales und Integration kommt am Montag, 12. Februar, zusammen. Beginn ist um 17.30 Uhr im Rathaus. Die Sitzung ist öffentlich.