Mit Notenschlüssel viele Herzen geöffnet: Männerchor Belcanto wird 25 Jahre alt

Chor hat Nachwuchssorgen, bleibt aber optimistisch

Frank Jasper

Auf vielen Bühnen zuhause: Hier singt der Chor in der Dorfkirche. Belcanto war einst der erste weltliche Klangkörper, der dort überhaupt auftreten durfte. - © Bild: Sven Hauhart
Auf vielen Bühnen zuhause: Hier singt der Chor in der Dorfkirche. Belcanto war einst der erste weltliche Klangkörper, der dort überhaupt auftreten durfte. (© Bild: Sven Hauhart)
Die Männer der ersten Stunde: 1992 gründete sich der Männerchor Belcanto, hervorgegangen aus der Sängergemeinschaft. - © Foto: Privat
Die Männer der ersten Stunde: 1992 gründete sich der Männerchor Belcanto, hervorgegangen aus der Sängergemeinschaft. (© Foto: Privat)

Steinhagen. Rückblende: Es ist der 3. Juli 1993. Im Garten von Heinz Wittler am Otterweg warten die Sänger vom Männerchor Belcanto mit einer Mischung aus Nervosität und Vorfreude auf ihren allerersten Auftritt. Die Premiere steht bereits für jene Werte, die der Chor auch 25 Jahre später noch vertreten wird.

Erstens: Das neu gegründete Ensemble, das sich aus der Sängergemeinschaft Steinhagen herausgelöst hat, hat sich musikalische Gäste eingeladen. Das Fanfarencorps aus Woerden ist dabei und ein Schlagzeugensemble aus Bielefeld. Freundschaft zu Musikern unterschiedlicher Generationen und Couleur – darauf legt man bis heute wert.

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Festkonzert

Das silberne Jubiläum feiert der Chor mit einem Konzert am Sonntag, 2. Juli, in der St. Hedwigskirche. Beginn ist um 17 Uhr. Die Sänger präsentieren unter der Leitung von Michael Lehmann einen Querschnitt der 25-jährigen Chorgeschichte. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss findet ein Empfang im Pfarrheim St. Hedwig statt.

Zweitens: Die Einladung kündigt ein Benefizkonzert an. Der Reinerlös des Abends ist für das Berufsausbildungszentrum Teshie in Ghana bestimmt. Es soll nicht das einzige soziale Engagement in der Geschichte des Chores bleiben.

Und Drittens: Das Repertoire besteht 1993 aus deutschen Kunst- und Volksliedern: Schuberts »Im Abendrot«, »Funiculi Funicula«, »Alle Tage ist kein Sonntag«. Zum Abschluss: »Der Mond ist aufgegangen«. „Wir wollen bis heute das Kulturgut des deutschen Volksliedes pflegen", hebt Werner Jacobs 25 Jahre später im HK-Gespräch hervor. Jacobs hat den Männerchor vor 25 Jahren mitgegründet und war bis 2015 Erster Vorsitzender, bevor ihn Chorleiter Michael Lehmann ablöste.

Mit Bedauern stellt er fest, dass Volkslieder vor allem bei jungen Leuten aus der Mode gekommen sind. „Die Strategen an den Schaltstellen der Musikbranche haben es verstanden, Kinder und Jugendliche auf bestimmte Musikstile wie Rock, Pop und Rap festzulegen", sagt er. Der Männerchor fühle sich den Volksliedern bis heute verbunden, gleichwohl finden auch mal ein Gospel oder ein Klassikstück Eingang ins Repertoire.

Als Botschafter deutscher Chormusik hat es die Belcanto-Sänger schon früh in andere Länder gezogen. Die erste Konzertreise ging 1995 in Steinhagens italienische Partnerstadt Fivizzano; natürlich waren die Sänger auch im niederländischen Woerden zu Gast. Zur Tausend-Jahr-Feier sangen die Steinhagener in Danzig, 2002 folgte das Ensemble einer Einladung nach Lettland. „Heute sind Konzertreisen nichts besonderes mehr. Manchmal höre ich: Da waren wir doch schon ...", erzählt Werner Jacobs.

Mit seinem sozialen Engagement hat Belcanto in den zurückliegenden Jahren immer auch eine gesellschaftliche Verantwortung übernommen. Hilfsprojekte in Rumänien, Afrika, Polen und Lettland haben die Sänger unterstützt. Beim gemeinnützigen Weihnachtsmarkt hat der Chor seit 1995 einen Stand, und regelmäßig zum Steinhagener Umweltmarkt pflanzen die Mitglieder einen Baum.

Vor 20 Jahren rief Werner Jacobs die Reihe »Kinder brauchen Musik« ins Leben. Dabei teilen sich der Männerchor Belcanto und heimische Kindergärten und Schulen eine Bühne. Zum 20. Geburtstag dieser Initiative in diesem Jahr werden die 16 aktiven Sänger mit der Grundschule Steinhagen eine Veranstaltung im Oktober planen.

Sorgen bereitet dem Chor der ausbleibende Sängernachwuchs: „Ohne Engagement läuft nichts. Man muss stets Klinken putzen und neue Stimmen werben. Aber das Publikum ist da, und das macht uns Mut", so Werner Jacobs.

Sechs Fragen an Werner Jacobs

Werner Jacobs - © fja
Werner Jacobs (© fja)

Welches Volkslied sollte jeder mitsingen können?

Werner Jacobs: Ganz im Sinne von Altpräsident Walter Scheel: »Hoch auf dem gelben Wagen«.

Gilt die Ausrede »Ich kann gar nicht singen«?

Jacobs: Nein! Jeder hat die Begabung zum Singen, man muss sie nur herauslassen und üben.

Die schönste Kulisse, vor der Belcanto je aufgetreten ist?

Jacobs: Im Garten von Schloss Patthorst. Mit Vogelgezwitscher.

Oper oder Musical?

Jacobs: Ich bin ein Freund der italienischen Oper. »Tosca« von Puccini ist doch einfach wunderbar.

Brahms oder Beatles?

Jacobs: Beides haben wir im Repertoire. Das »Abendlied« von Brahms würde ich »Yesterday« von den Beatles allerdings vorziehen.

Singen Sie unter der Dusche?

Jacobs: Ja, da probe ich die Lieder für die nächste Chorstunde.

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