Lehrerin schlägt Wuschelkopf

Publikum entscheidet beim Poetry Slam

Birgit Nolte

Zettelableser mit Wuschelkopf: Der Bielefelder Kolja Fach musste sich im Finale geschlagen geben. Foto: Birgit Nolte - © Foto: Birgit Nolte
Zettelableser mit Wuschelkopf: Der Bielefelder Kolja Fach musste sich im Finale geschlagen geben. Foto: Birgit Nolte (© Foto: Birgit Nolte)

Steinhagen. Der zweite Poetry Slam der Gemeindebibliothek fand am Freitagabend vor ausverkauftem Haus im Rathaussaal statt. Das Publikum stimmte mit Rosen über Sieg und Niederlage ab. Teilnehmerin Theresa Sperling blickte schließlich in ein Blumenmeer.

Auf der einen Seite der jugendliche Spaßmacher mit Wuschelkopf, auf der anderen die erfahrene Lehrerin mit lyrischer Ader. Die Sympathien des Publikums standen beim großen Finale deutlich auf der Seite der Pädagogin. Bei Theresa Sperling landeten zum Schluss die meisten Rosen. Kolja Fach hatte das Nachsehen.

Blumiges Verfahren: Mit Rosen stimmte das Publikum darüber ab, wer ins Halbfinale und schließlich ins Finale kam. Foto: Birgit Nolte - © Foto: Birgit Nolte
Blumiges Verfahren: Mit Rosen stimmte das Publikum darüber ab, wer ins Halbfinale und schließlich ins Finale kam. Foto: Birgit Nolte (© Foto: Birgit Nolte)

Es spricht absolut für die präsentierte Vielfalt und ebenso für die Offenheit des Publikums, dass sich im Finale so unterschiedliche Protagonisten gegenüberstanden. Theresa Sperling aus Nordhorn und Kolja Fach aus Bielefeld unterschieden sich nicht nur vom Alter und Background deutlich voneinander. Sie gingen den Dichter-Wettbewerb auch mit völlig unterschiedlichen Themen an.

Als amüsante, wenn auch sicherlich nicht beabsichtigte Pointe entpuppte sich, dass Kolja Fachs erster Beitrag ein fiktiver »Abschiedsbrief eines Grundschullehrers« war. Darin rechnete der amtierende OWL-U 20-Meister mit anstrengenden Helikopter-Eltern genauso ab wie mit der „ehrenamtlichen Leiterin der Kartoffeldruck-AG", die den studierten Pädagogen mit der ständigen Einleitung „unter uns Kollegen..." nervt.

Theresa Sperling punktete mit einem Gedicht über ein Flüchtlingsmädchen, das die fundamentale Bedeutung von Sprache und die Haltung der Autorin zum Thema deutlich machte: „Menschen kann man abschieben, ihre Träume nicht."

Lehrerin und Buchautorin: Theresa Sperling gewann am Freitagabend den zweiten Poetry Slam in der Gemeindebibliothek. Ihr Wortbeitrag fiel emotional und politisch aus. Foto: Birgit Nolte - © Foto: Birgit Nolte
Lehrerin und Buchautorin: Theresa Sperling gewann am Freitagabend den zweiten Poetry Slam in der Gemeindebibliothek. Ihr Wortbeitrag fiel emotional und politisch aus. Foto: Birgit Nolte (© Foto: Birgit Nolte)

Der von Nadine Dubberke locker flockig moderierte Wettbewerb musste mit gleich drei Ausfällen zurechtkommen: Sascha Thamm steckte noch im Stau, als der Sieger feststand, »Stoffl« war erkrankt und Ella Anschein hatte Filmaufnahmen den Vorzug gegeben.

Als Ersatz hatte Dubberke Monika Marloch verpflichtet. Ihr recht ernster Auftakt rund um Freiheit und Frust kam etwas verhalten beim Publikum an. Zumal Marloch als erstes auf die Bühne musste und die Zuschauer erst mal abwarteten, was der Programmverlauf noch so zu bieten hatte. Die Zahl der in die Höhe gehaltenen Rosen reichte für sie nicht für das Halbfinale.

So ging es auch Masha ter Veer, die ebenfalls kurzfristig eingesprungen war. Sie erzählte vom ewigen Druck, etwas aus jedem Tag machen zu müssen, den Blick für die kleinen Dinge versperrt. „Das Glück nicht mehr zu suchen, ist für manche schon das Glück", konstatierte Masha ter Veer.

In das Halbfinale kam dagegen Anke Fuchs, die mit ihrer Geschichte über das eine Haar, das immer dann sprießt, wenn man es gar nicht gebrauchen kann, und gegen das man einen lebenslangen Pinzetten-Krieg führt, die Stimmen des weiblichen Publikums sicher hatte. Als Doppel-Talent entpuppte sich August Klahr, der nicht nur mit Worten umzugehen wusste, sondern auch einen veritablen Beatbox-Auftritt hinlegte.

Im Gegensatz zu Klahr reichte es für die NRW-Meisterin von 2016 nicht für das Halbfinale. Henrike Klehrs Ode an ihre Oma, die sie mit »Ommage« überschrieben hatte, war zwar sympathisch und beinhaltete nette Zeilen wie „meine Oma versucht meine Gegenwart zu verstehen und ich ihre Vergangenheit", doch die Rosen reichten nicht für die nächste Runde.

Eine nächste Runde wird es aber wohl für den Steinhagener Poetry Slam geben. Ob der gleich nächstes Jahr stattfinden wird, wie Moderatorin Nadine Dubberke ankündigte, ist aber noch nicht sicher.

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