SteinhagenSpedition nicht erwünscht

Bielefelder Unternehmen Wahl & Co. erhält Absage

Frank Jasper

Kurs nach Steinhagen vorerst ausgebremst: Noch befindet sich die Spedition Wahl & Co. an der Gildemeisterstraße in Bielefeld-Sennestadt. Dort kann das Unternehmen allerdings nicht wie gewünscht expandieren. - © Foto: Christian Weische
Kurs nach Steinhagen vorerst ausgebremst: Noch befindet sich die Spedition Wahl & Co. an der Gildemeisterstraße in Bielefeld-Sennestadt. Dort kann das Unternehmen allerdings nicht wie gewünscht expandieren. © Foto: Christian Weische

Steinhagen. Die rot-grüne Mehrheit im Haupt- und Finanzausschuss hat am Mittwochabend gegen eine Änderung des Regionalplans gestimmt. Das heißt in der Folge: Die Ansiedlung des Bielefelder Logistikunternehmens Wahl &. Co., das gerne nach Steinhagen umziehen möchte, ist damit vorerst nicht möglich. SPD und Grüne machten unmissverständlich klar, dass sie sich im geplanten Gewerbegebiet Detert unterhalb der Liebigstraße grundsätzlich keine Logistikunternehmen vorstellen können. Pikant: Damit stellt sich die SPD gegen ihren Bürgermeister Klaus Besser, selbst SPD, der eine Ansiedlung von Wahl & Co. sehr wohl befürwortet.

Dr. Wolfgang Steinmann und Jörn Wahl-Schwentker von Wahl & Co. waren am Mittwoch eigens nach Steinhagen gekommen und hatten im nichtöffentlichen Teil der Ausschusssitzung ihr Unternehmen vorgestellt. Im Anschluss ging es um die Frage, ob der Regionalplan dahingehend geändert wird, dass die Ansiedlung der Spedition überhaupt erst möglich wird.

Während CDU, FDP und der Bürgermeister (SPD) den Weg frei machen wollten für das Vorhaben, votierten SPD und Grüne dagegen und setzten sich somit mit sieben zu sechs Stimmen durch.

Kommentar

Chance vertan

VON FRANK JASPER

Die Umstände unter denen Steinhagen am Mittwoch dem Unternehmen Wahl & Co. die Tür vor der Nase zugeschlagen hat, sind aus mehreren Gründen unglücklich. Zu allererst, weil der Gemeinde mit der Absage Gewerbesteuereinnahmen in erheblicher
Höhe und zusätzliche 350 Arbeitsplätze verloren gehen. Zum anderen steht der SPD-Bürgermeister blamiert da, nachdem ihm die Genossen die Gefolgschaft verweigert haben. Und schließlich dürfte sich die Unternehmensspitze von Wahl & Co. wundern, warum sie am Mittwoch überhaupt ins Rathaus geladen wurde, wenn die politische Mehrheit die Pläne ablehnt. Ärgerlich, zumal bereits im Vorfeld der Sitzung im Hintergrund etliche Strippen gezogen worden waren, um dem Vorhaben den Weg zu ebnen. Wenn die Autobahn mitten durch den Ort für Steinhagen einen Mehrwert darstellt, dann doch wohl den, dass sie Gewerbebetriebe in den Ort zieht. Stimmt der Gemeinderat am 16. März genau so ab, hat Steinhagen eine echte Zukunfts-Chance vertan.

SPD-Fraktionsvorsitzende Sabine Godejohann erklärte gestern im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt: „Grundsätzlich stehen wir hinter den Plänen für ein Gewerbegebiet Detert unterhalb der Liebigstraße, allerdings ohne einen Speditionsbetrieb." Die SPD fürchtet vor allem das damit verbundene Verkehrsaufkommen. Von 250 Lkw-Bewegungen pro Tag ist die Rede. „Und damit ist auch der nächtliche Betrieb gemeint", so Godejohann und weiter: „Es ist richtig, dass eine Spedition an die Autobahn gehört, aber nicht an eine Autobahn, die mitten durch den Ort führt."

Bei der CDU ist die Enttäuschung groß: „Mit Wahl & Co. hätten wir ein Vorzeigeunternehmen nach Steinhagen geholt", kommentierte gestern CDU-Fraktionsvorsitzender Herbert Mikoteit die Entscheidung. Die Spedition habe sich hervorragend als ökologisch ausgerichtetes, zukunftsfähiges, familiengeführtes Unternehmen präsentiert. Laut Mikoteit hätte Steinhagen von bis zu einer Million Euro Gewerbesteuereinnahmen profitiert. „Damit hätte Wahl & Co. zu den Top Ten der Steinhagener Gewerbesteuerzahler gehört", so der CDU-Fraktionsvorsitzende. „Natürlich sind 250 Lkw-Bewegungen viel, aber der Verkehr wäre doch zum Großteil über die Liebigstraße direkt auf die Autobahn gefahren."

„Die Ansiedlung von Wahl & Co. würde den Wirtschaftsstandort Steinhagen stärken", äußerte auch Bürgermeister Klaus Besser sein Bedauern. Ihm bleiben theoretisch knapp zwei Wochen, um in seiner Partei Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn am 16. März muss der Gemeinderat eine endgültige Entscheidung treffen. Von Geschäftsführer Jörn Wahl-Schwentker war gestern nur so viel zu erfahren: „Steinhagen ist nur eine von mehreren Optionen ..."

Der gegenwärtig in Bielefeld-Sennestadt ansässige Logistikbetrieb Wahl & Co. wollte sich ursprünglich dort vergrößern. Das war ihm allerdings verwehrt worden. Die Mehrheit im Bielefelder Stadtrat hatte beschlossen, dass ein angrenzender Grünbereich ökologisch unverzichtbar sei.

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