Die Jodlerin von Las Vegas

Damaris Phelan begeisterte in Amerika mit bayerischer Volksmusik

Heidi Hagen-Pekdimir

Steinhagen/Las Vegas. Holadihiti. Aufs Jodeln versteht sich Damaris Phelan wie wohl kaum eine andere Steinhagenerin. Mit ihrer Stimme, Mezzosopran, und ihrem unendlichen Repertoire bayerischer Stimmungslieder hat sie vier Wochen lang die Amerikaner unterhalten. Im Hofbräuhaus in Las Vegas, Abend für Abend.

Gut beschäftigt: Das Team des »Ladens«, (von links) Margret Gail, Agnes Gödde, Dagmar Landwehr und Andrea Waschbüsch-Altmeyer. - © Foto: Andreas Früchz
Gut beschäftigt: Das Team des »Ladens«, (von links) Margret Gail, Agnes Gödde, Dagmar Landwehr und Andrea Waschbüsch-Altmeyer. (© Foto: Andreas Früchz)

Mit drei Dirndlkleidern im Gepäck machte sich die schwarzgelockte Sängerin ins Spielerparadies auf. Heiß, meist über 40 Grad, war’s zu dieser Zeit in der Stadt mitten in der Wüste. Heiß ging’s auch her im Hofbräuhaus, einer Nachbildung des Münchner Originals.

Sechs Stunden dauerte jeder Auftritt. Gemeinsam mit einem Keyboarder und einem Gitarristen brachte Damaris das Publikum in Stimmung. Der Name der Band: Oktobär. Streng nach Plan lief das Programm. „Alle 15 Minuten hieß es, die Maß zu heben“, erzählt sie. Die aufmunternde Geste Richtung Publikum hatte der Veranstalter vorgegeben, in Erwartung eines zügigen Bierausschanks. Nachteilig für die Sängerin: In der Sehne ihres rechten Unterarms spürte sie schon bald leichtes Ziehen.

Dieses Wochenende singt Damaris in der Seidenstickerhalle

Rockmusikerin sei sie „von Herzen“, erzählt Damaris, auch Soul liege ihr. „Aber Volksmusik mag ich wirklich gern“, sagt sie und zaubert erneut ein Lächeln in ihr Gesicht.

Seit vier Jahren ist Damaris aufs Bajuwarische festgelegt, seitdem Oktoberfeste sich zur nationalen Angelegenheit entwickelt haben. Zunächst ging sie in Norddeutschland mit dem volkstümlichen Repertoire auf Tournee. Dort wurde die österreichische Agentur Trenkwalder auf sie aufmerksam, die auch die Hofbräuhäuser in Las Vegas und Los Angeles betreibt. Von diesen Veranstaltern kam das Engagement für die Wüstenstadt.

Aufgewachsen ist Damaris Phelan in Quelle. Ihre ersten Auftritte als Sängerin hatte die gelernte Europa-Sekretärin in den 1980er Jahren bei den Karaoke-Shows mit Roman Maiorino. Sie heiratete und folgte ihrem Mann, einem Kanadier, in dessen Heimat.

Die Ehe zerbrach, Phelan kehrte mit zwei Kindern in die Heimat zurück. In der Maiorino-Band Soulfood sang sie auf Partys, außerdem trat sie häufiger als Coversängerin auf, auch mit Liedern von Helene Fischer.

Ihr Eindruck von Las Vegas, ihrer Beschreibung nach eine „Plastikstadt“: „Da läuft pausenlos eine große Show ab. Alle sind geliftet, blondiert und gebotoxt.“ Dazu überall Spielautomaten, Tag und Nacht umlagert. „In dieser Stadt wird es nie dunkel“, sagt Phelan.

Wenn Damaris mit ihrer Band das letzte Lied gesungen hatte und das Publikum längst auf den Bänken tanzte, kehrte sie in ihr Hotelzimmer zurück. Tagsüber hatte sie frei, entspannte am Pool und schonte ihre Stimme. Kaum ein Wort habe sie gesprochen, versichert sie und verrät, was sie vor drohender Heiserkeit schützt: Peperoni. Die Schärfe der Pfefferschoten regten die Durchblutung der Stimmbänder an. Deswegen habe sie in diesen Wochen auch stets eine Flasche Tabasco bei sich gehabt.

Damaris Phelan trifft Engelbert

Ein Höhepunkt der bayerischen Wochen in Amerika: Damaris Phelan trifft Engelbert, auch mit dem Nachnamen Humperdinck bekannt. Der Sänger, mittlerweile 79, schaffte es Ende der 1960er mit Schnulzen wie »The Last Waltz« und »Release me« in die Charts. Doch erst beim Zusammentreffen mit der deutschen Kollegin zeigte er seine Vielseitigkeit. Damaris gelang es nämlich, ihn zum Jodeln zu animieren.

Zurück in Ostwestfalen knüpft Phelan schon wieder neue Kontakte. Ins Ruhrgebiet führt die Spur. Dort hat sie einen neuen Agenten gefunden. Von Kontakten zu Ralph Siegel, dem Produzenten und Komponisten, ist die Rede. Damaris Phelan möchte im Grunde nur eins: weiter singen. Das wird sie dieses Wochenende beim Oktoberfest in der bereits lange ausverkauften Seidenstickerhalle Bielefeld.

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