Der WochenkommentarVorbild Peter Lustig: Mit kreativen Projekten gegen den Klimawandel

Urlaub am Mittelmeer dürfte sich in 30 Jahren erledigt haben. Stattdessen werden im Alten Land Nektarinen und Aprikosen geerntet. Warum es sich lohnt, das Versmolder TV-Projekt von Jenke von Wilmsdorff ernst zu nehmen, erläutert unsere Redaktionsleiterin.

Nicole Donath

Moderator Peter Lustig hat schon vor 40 Jahren vorbildlich recycelt und repariert. Ein Vorbild für unsere Klima-Projekte. - © Kirsten Neumann/ddp
Moderator Peter Lustig hat schon vor 40 Jahren vorbildlich recycelt und repariert. Ein Vorbild für unsere Klima-Projekte. © Kirsten Neumann/ddp

Kürzlich war der Journalist Jenke von Wilmsdorff für TV-Aufnahmen zu Gast in Versmold. Seine Mission: Die Simulation des prognostizierten Klimawandels im Jahr 2050 mit Hitzewellen und Wasserknappheit und Dürre.Was die Zuschauer zu sehen bekamen, war maximal besorgniserregend. Dennoch ist die Klimakrise angesichts von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg gerade in den Hintergrund gerückt. Bilder eines realistischen Szenarios, so eindringlich sie auch sind, wirken bei vielen noch immer wie Sciencefiction. Fatal.

Kennen Sie noch Peter Lustig? Diesen Typen mit Latzhose und Nickelbrille, der Ende der 1970er Jahre die Sendung Pusteblume (später umbenannt in Löwenzahn) moderierte? Peter Lustig lebte in einem Bauwagen und reparierte und recycelte, was das Zeug hielt. Die Kinder hat er fasziniert – von den Erwachsenen wurde er zumeist belächelt. Schön blöd. Heute wünschten wir uns, dass die Welt mehrheitlich von genau solchen Typen bewohnt und ebenso behandelt würde. Dann könnten wir nämlich auch deutlich entspannter in die Zukunft blicken.

Gerade lese ich ein Buch mit dem Titel „Deutschland 2050". Auf 343 Seiten beschreiben Nick Reimer und Toralf Staud, wie der Klimawandel unser Leben verändern wird. Auf Basis neuester Forschungserkenntnisse berichten sie faktenreich wie nüchtern, was uns erwartet. Und was wir aufgrund unseres bisherigen Verhaltens schon gar nicht mehr verhindern können – selbst dann nicht, wenn wir ab sofort den Klimawandel noch massiv bremsen.

Kaffee wird knapp, Zahl der Dürremonate steigt

Redaktionsleiterin Nicole Donath - © Nicole Donath
Redaktionsleiterin Nicole Donath (© Nicole Donath)

Ganz ehrlich? Schon nach den ersten 30 Seiten wurde mir ganz schlecht. Und da war ich noch lange nicht bei den konkreten Beispielen angekommen. Bei den sehr anschaulichen Erklärungen der gesundheitlichen Auswirkungen erhöhter Temperaturen auf den menschlichen Körper: Was konkret geschieht, wenn unsere Betriebstemperatur von 37 Grad nicht mehr gehalten werden kann, weil es um uns herum dauerhaft zu heiß ist und die Umgebung obendrein noch feucht. Die Autoren haben recherchiert, wie die höheren Temperaturen es neuen Erregern erlauben, in Deutschland heimisch zu werden. Oder wie knapp das Wasser wird und die Zahl der Dürremonate steigt, wenn sich die Erde um drei Grad erwärmt, was angesichts der halbherzigen Maßnahmen sehr wahrscheinlich ist.

Die Zukunft der Wälder ist ein großes Thema, klar. Der Nationalpark-Chef aus Thüringen erwartet beispielsweise, „dass der Wald nicht mehr das produktive Biotop mit seinen 30, 40 Meter hohen Bäumen" sein wird. Und so geht es immer weiter: Erhitzt sich die Erde, kochen die Städte. Extremwetter können Logistikketten unterbrechen und Lieferketten stören. Welche Obst-, Gemüse- und Getreidesorten können wir überhaupt noch anbauen? Gefährdet ist am Ende sogar der Kaffee, denn die Pflanzen wachsen nur in begrenzten Gebieten der Tropen und sind recht wetteranfällig. Und wer hier zunächst nur an sein Lieblingsgetränk denkt, hat noch nicht die Bauern und Firmen auf dem Schirm, die davon leben.

Noch bin ich auch nicht auf Seite 343 angelangt. Aber so viel: So bedrückend die Aussichten sind und so fassungslos all das macht, was gerade in der Welt los ist und entschieden wird – nehmen wir allein die irrsinnige Vergabe der Winterspiele 2029 an den Wüstenstaat Saudi-Arabien: Lassen Sie uns nicht aufgeben! Beim Haller Wirtschaftstreffen rief Nikolas Knetsch vom Fraunhofer-Institut die Gäste dazu auf, sich ihr eigenes Klimaprojekt zu suchen. Machen Sie doch auch mit! Und überlegen mit der Familie oder Freunden, welchen Beitrag – so klein er auch sein mag – Sie leisten möchten. Und schreiben mir, was Sie planen und wie Sie zum Peter Lustig 2022 werden.

Ich freue mich auf Ihre Ideen unter nicole.donath@haller-kreisblatt.de

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