Der HK-WochenkommentarGrund für Optimismus: Diese Ideen werden Früchte tragen

Marc Uthmann

Die Apfelernte ist bei uns zum familieninternen Wettstreit geworden. Wer darf mit dem Pflücker die besten Früchte ernten? Global bringt uns der Wettstreit der Ideen nach vorn. - © Marc Uthmann
Die Apfelernte ist bei uns zum familieninternen Wettstreit geworden. Wer darf mit dem Pflücker die besten Früchte ernten? Global bringt uns der Wettstreit der Ideen nach vorn. © Marc Uthmann

Man kann sich in diesen Tagen dem allgemeinen Frust und dem Zukunftspessimismus ergeben. Schlechte Nachrichten gibt es dafür mehr als genug.

Man kann aber auch optimistisch nach vorne blicken und den Glauben an die Welt behalten. Anlass dafür liefern die kleinen Geschichten.

Da schaut man morgens aus dem Fenster in den Garten – und hat schon den ersten Grund, sich wieder mal aufzuregen. Zehn, 20, 30 Äpfel haben unsere drei Bäume über Nacht verlässlich abgeworfen, das ganze garniert mit vertrocknetem Laub. Na klar: Hitze und Dürre versauen mir jetzt auch noch die Ernte, dachte ich so bei mir.

Aber vor einigen Tagen hatte ich einfach keine Lust mehr, mich zu ärgern. Weil mich das mit meinen Äpfeln im Speziellen und die Menschheit mit ihren Problemen im Großen und Ganzen einfach nicht weiterbringt. Also Familienrat. Der Beschluss: Sobald die Äpfel eine ausreichende Reife erreicht haben und sich mit leichtem Drehen abziehen lassen, pflücken wir, was das Zeug hält. Denn Dürre hin oder her: Es sind trotzdem noch eine Menge prächtige Früchte dran. Und so schritten wir gemeinsam zur Tat, ausgerüstet mit Leitern und einem Apfelpflücker. Um den entbrannte alsbald ein Streit. Aus dem sich meine Frau natürlich heraushielt. Aber meine Kinder und ich waren uns partout nicht einig, wer denn nun die Äpfel abgreifen darf.

Kurzum: Wir hatten eine Menge Spaß und viele Äpfel in den Körben. Und irgendwie war diese Aktion auch ein Beleg dafür, wie sich eine zunächst einmal negative Ausgangslage in etwas Positives verkehren lässt.

Menschen, die trotz aller Herausforderungen des Klimawandels nach vorne blicken und Lösungen suchen, finden sich viele. Das Thema wird nicht mehr verschwinden, trotz aller Kritik an mangelndem Tempo.

Ideen, die etwas verändern können

Das Gros der Menschheit hat begriffen – und handelt. So wie Wilhelm Rahe aus Versmold. Er hat Photovoltaik-Module auf sein Dach gebaut, lässt sich auch von Rückschlägen durch schwer lieferbare Wechselrichter nicht beeinflussen und will bald weiter investieren – in seine E-Auto-Zukunft. Ach so, der Mann ist 89 Jahre alt. Wenn das kein Beispiel für Tatkraft, Anpassungsfähigkeit und Hoffnung auf die Zukunft des Planeten ist ...

In Halle wurde zuletzt durchaus ernsthaft darüber diskutiert, Teile der A33 in Hesseln mit PV-Anlagen zu überdachen. So ließen sich Lärmschutz und regenerative Stromerzeugung kombinieren. Für diese Idee war es letztlich dann doch noch zu früh – aber sie wurde keinesfalls mehr als Spinnerei abgetan. Und dass Flächen entlang der Autobahn großflächig für PV-Module genutzt werden sollen, gilt längst als ausgemacht.

Wir brauchen eine Prise Optimismus

Ich habe vor kurzem von einem Projekt gelesen, dass mich in seiner Innovationskraft begeistert hat: Wissenschaftler träumen davon, PV-Anlagen über landwirtschaftlichen Flächen zu bauen. Mit der entsprechenden Höhe könnten die Maschinen die Äcker weiter bewirtschaften, der zusätzliche Schatten würde unter Umständen die Anbaubedingungen noch verbessern. Das Potenzial zur Stromerzeugung wäre gewaltig. Weniger als ein Prozent der weltweiten Ackerfläche würde ausreichen, um mithilfe von Photovoltaik den globalen Strombedarf zu decken.

Natürlich ergeben sich sofort wieder Fragen – siehe Windkraft. Aber mir geht es um den Mut: Wir haben die Kraft und die Ideen, den Planeten zu retten. Was das jetzt noch mit unserer Apfelernte zu tun hat? Die wird nämlich nicht besser ausfallen, weil sich meine Stimmung aufgehellt hat. Aber den Spaß, den kann uns erstmal keiner nehmen. Und wer weiß, vielleicht erwächst daraus auch ein wenig Innovationsgeist – den und eine Prise Optimismus brauchen wir.

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