Der WochenkommentarKreative Wege aus der Krise: Blick auf die Mut-Macher aus der Gastronomie

Nicole Donath

Nach den vielen schlechten Nachrichten über geschlossene Restaurants zeichnet sich in Halle gerade eine Trendwende ab. Neue Ideen und die Bereitschaft, trotz Krisenzeiten zu investieren, versprühen Zuversicht. - © Nicole Donath
Nach den vielen schlechten Nachrichten über geschlossene Restaurants zeichnet sich in Halle gerade eine Trendwende ab. Neue Ideen und die Bereitschaft, trotz Krisenzeiten zu investieren, versprühen Zuversicht. © Nicole Donath

Zuletzt war keine Woche vergangen, da es nicht eine betrübliche Nachricht von heimischen Restaurants zu vermelden gab. Ganz geschlossen, teilweise geschlossen, großes Bedauern, aber eben immer dasselbe: kein Personal.

Zuletzt nun die Trendwende. Gefühlt ist ein Ruck durch die Region gegangen und ausgerechnet in der kriselnden Gastrobranche wurden Lösungen gefunden. Ganz unterschiedliche und zum Teil unerwartete obendrein. Und das ist in doppelter Hinsicht schön

Redaktionsleiterin Nicole Donath - © Nicole Donath
Redaktionsleiterin Nicole Donath (© Nicole Donath)

Kennen Sie dieses Gefühl, das einen beschleicht, wenn im Herbst die Eisdielen schließen? Wenn jener Moment gekommen ist, da die Scheiben von innen mit Papier abgeklebt werden und die Inhaber in die Winterpause entschwinden? Manchmal reisen die Eismacher den Zugvögeln nach Süden hinterher, um sich dort von der Saison zu erholen. Oder sie machen zumindest ein paar Monate Pause in der heimischen Wohnung. Das sei ihnen von Herzen gegönnt, gar keine Frage – und doch ist es eine Zeit, die Wehmut und ebenso auch Melancholie verbreitet. Und man muss nicht mal unbedingt regelmäßiger Eisdielen-Besucher sein, damit sie einem dennoch fehlt, wenn sie denn geschlossen ist.

Gaststätten sind Orte der Geselligkeit

Sind dann nicht nur die Eisdielen zu, sondern überdies große Restaurants und zwar gleich mehrere, bedeutet das zunächst einmal eine wirtschaftliche Bedrohung für die jeweiligen Betreiber, und das allein wäre schon schlimm genug. Aber es ist eben nicht nur das. Gaststätten als Orte der Geselligkeit, wo man sich verabredet und zusammentrifft, gemeinsam trinkt und isst und erzählt und lacht, tun eben auch der Seele gut.

Und wenn man aus der Generation kommt, die sich an vielen Abenden zwischen Montag und Sonntag zwischen dem Gerhold’s in Hörste und dem Sedan von Bodo Colberg auf der anderen Seite des Hapkenberges entscheiden musste, tut es weh zu hören, dass das Gerhold’s plötzlich nur noch sonntags geöffnet hat. Wobei, das ändert sich ja jetzt! Wie mein Kollege Uwe Pollmeier zuletzt von Inhaber Michael Ockert erfahren hat, geht das Gerhold’s neue Wege und testet eine innovative Kooperation: Jeden Mittwoch steht nun der Fatboy-Burger-Truck im Biergarten der Kultkneipe. Essen gibt’s am Wagen, Getränke im Schankraum. Das ist vielleicht nicht mehr dasselbe wie früher, aber angesichts neuer Zeiten und veränderter Umstände eine großartige Idee. Und der Beweis dafür, wie man mit der Bereitschaft, Lösungen zu finden, auch tatsächlich einen Weg aus der Krise finden kann.

Getragen von Optimismus

Dass nach Jahrzehnten nun auch der Haller Kirchplatz verstärkt für die Bewirtung von Gästen genutzt werden darf, ist ein weiteres tolles Signal. In der Innenstadt gibt es zurzeit wahrlich kaum einen schöneren Ort zum Sitzen, Essen und Trinken. Und dann haben wir noch davon erfahren, wie die Familien Yüksel als Betreiber von Grillhouse Alex und dem benachbarten Wok House Investitionen im hohen sechsstelligen Bereich tätigen und neben der Zusammenlegung beider Betriebe durch die Gestaltung eines neuen Außenbereiches der Innenstadt einen weiteren Anlaufpunkt bieten wollen. Und nicht nur das: Mit ihrem Konzept, voll auf die Familie zu setzen, schaffen es die Yüksels seit Jahren außerdem, an sieben Tagen in der Woche zu öffnen. Konstant. Das ist sehr bemerkenswert.

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Getragen von diesem Optimismus und dem Wissen, dass gerade sehr viele Menschen auch sehr viel Mut beweisen und den Willen haben, die Zukunft zu gestalten, wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein schönes Wochenende. Die Eisdielen werden vor dem Winter schließen. Aber die Eismacher kehren auch wieder zurück. Ebenso wie die Restaurants.

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