Der WochenkommentarIn unsicheren Zeiten: "Können wir überhaupt noch was richtig machen?"

Krisen, Katastrophen, schlechte Nachrichten - Redaktionsleiterin Nicole Donath glaubt dennoch an Mut, Zuversicht und das Miteinander.

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Würden kluge Wesen aus einer Loge den Blick auf uns richten, während wir auf der Bühne Atomkraftwerke mit Raketen beschießen – das Entsetzen wäre maximal groß. - © CC0 Pixabay
Würden kluge Wesen aus einer Loge den Blick auf uns richten, während wir auf der Bühne Atomkraftwerke mit Raketen beschießen – das Entsetzen wäre maximal groß. © CC0 Pixabay

Fast selbstverständlich gehören diese Krisen mittlerweile zu unserem Alltag: Klimawandel. Corona-Pandemie. Ukraine-Krieg. Doch die schlechten Nachrichten reißen ja gar nicht mehr ab.Gerade beherrschen Bilder vom trockenen Rhein und den zutage geförderten Hungersteinen die Nachrichten. Dazu Ernteschäden, Waldbrände ... Es fühlt sich an, als ob uns der Holzhammer mit jedem Tag, da wir die Alarmzeichen in unserer mitteleuropäischen Komfortzone länger verdrängt hatten, nun umso härter trifft.

Neulich habe ich mir einmal vorgestellt, wir hier unten auf der Erde seien die Figuren auf einer Bühne. Und von oben schauen – vielleicht aus einer Loge, so wie Waldorf und Statler sie in der Muppets-Show haben – kluge Wesen auf uns herab. Und schütteln, maximal fassungslos, nur noch mit dem Kopf angesichts der Ereignisse und unseres Tuns.

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Wenn ich jetzt als erstes Beispiel mit Atomkraftwerken komme, wundern Sie sich bitte nicht. Bekanntermaßen haben wir hier im Altkreis Halle keine stehen. Aber wenn’s hart auf hart kommt, sind wir eben genauso dran. Deshalb also einmal der Schlenker zu den AKW: Allein in Deutschland lagern aktuell noch 1.900 Castor-Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen, von denen jeder einzelne das Potenzial hätte, eine Katastrophe wie 1986 in Tschernobyl auszulösen. Im ukrainischen Saporischschja steht ein Atomkraftwerk, das seit Wochen beschossen wird. Mit Raketen! Diese Anlagen bergen ja ohnehin schon ein gewisses Grundrisiko, aber dafür waren sie nun garantiert nie ausgelegt. Wie irre können wir Menschen bitte sein? Unterdessen wird die Oder gerade zum Massengrab für Hunderte Tonnen von Aal bis Zander. Was das für die Fischer und die Industrie bedeutet, ist noch eine andere Sache.

Sorgenvoller Blick auf den Teuto

Zur Hitze kommt die Dürre. Mittlerweile ist sogar der Kamm des Teutos, der doch seit einer gefühlten Ewigkeit die gleiche Silhouette hatte, flächenweise kahl und braun. Energiepreise steigen und noch mehr die Existenzsorgen. Und dann gibt es Tage, an denen man die Zeitung wieder zuschlägt, den Fernseher ausstellt – und einem die eigene kleine Welt hier fremd vorkommt. An guten Tagen unwirklich schön. Wie zerbrechlich unsere vermeintliche Idylle wohl ist? Und es stellen sich noch mehr Fragen.

Darf ich es mir angesichts des Klimanotstandes überhaupt noch leisten, in den Urlaub zu fahren oder gar zu fliegen? Kann ich guten Gewissens Fußball-Bundesliga gucken, das Bad renovieren, ein neues Motorrad erstehen? Wo ist die Grenze, um neue Kraft zu schöpfen? Ja, können wir überhaupt noch was (richtig) machen ..?

Entscheidungen im Schatten der Energie-Krise

In Versmold wurde zuletzt über den Standort eines neuen Fußballplatzes für den SC Peckeloh diskutiert. Mein Kollege Marc Uthmann hat die Debatte verfolgt und zusammengefasst. Tenor: Entweder sind Anwohner wegen des Lärms oder der Verein wegen eines unzureichenden Spielbetriebs oder die Grünen mit Blick auf Kosten und Klimaschutz in Zeiten von Energieknappheit unzufrieden. Und tun das auch entsprechend kund.

In Halle hat mein Kollege Heiko Kaiser diese Woche über die Diskussion zum Einbau von Versickerungsbeeten in Straßen geschrieben: Die CDU möchte den Einbau dieser Anlagen in intakten Straßen verhindern und sieht Investitionen in privaten Bereichen als effizienter an. Für die Visionäre ist ein solcher Antrag „aus der Zeit gefallen". Auch hier sind die Fronten verhärtet. Ach, die Liste solcher Beispiele ließe sich beliebig verlängern.

Redaktionsleiterin

Nicole Donath - © Nicole Donath
Redaktionsleiterin
Nicole Donath (© Nicole Donath)

Menschen sind sensibler geworden

Was ist nun die Quintessenz? Wie gehen wir mit dem Dilemma um, dass wir dauernd Entscheidungen treffen müssen, von denen wir gerade in unsicheren Zeiten wie diesen mal überhaupt nicht wissen, welche Konsequenzen sie haben? Die Antwort könnte lauten: Lassen Sie uns mutig sein! Mutig in das investieren, von dem wir glauben, dass es der Welt gut tut und somit auch uns. An bestimmten Stellen Verzicht üben. Und obendrein den Rücken gerade machen und den Weg gehen, den wir persönlich für den richtigen halten. Für die Ziele und Wünsche in seiner eigenen kleinen Welt kämpfen und nach Lösungen suchen.

Die Menschen sind tatsächlich sensibler geworden. Mit Blick auf das, was uns bedroht. Aber auch im Hinblick darauf, was wir nur gemeinsam schaffen können. Das ist jetzt unsere Chance.

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