25. NovemberGewalt während der Geburt: Was heute rosa Rosen vor Krankenhäusern bedeuten

Ein Artikel hat in diesem Jahr unsere User besonders bewegt. HK-Lokalchefin Nicole Donath kommentiert dieses sensible Thema.

Nicole Donath

Am 25. November eines jeden Jahres sind Betroffene aufgerufen, symbolisch eine rosafarbene Rose an dem Ort abzulegen, an dem sie unter der Geburt Gewalt erfahren haben. - © Pixabay
Am 25. November eines jeden Jahres sind Betroffene aufgerufen, symbolisch eine rosafarbene Rose an dem Ort abzulegen, an dem sie unter der Geburt Gewalt erfahren haben. (© Pixabay)

Vor einigen Monaten haben wir einen Artikel meiner Herforder Kollegin Lena Kley veröffentlicht, die sich mit Müttern unterhalten hat, denen unter der Geburt Gewalt widerfahren ist. Oder zumindest Respektlosigkeit. Der Titel: „Übergriffig im Kreißsaal: Werdende Mutter verlässt das Krankenhaus".

Ganz offenbar hat sie damit einen Nerv getroffen, denn der Artikel hat es auf haller-kreisblatt.de auf sechsstellige Klickzahlen gebracht. Das erleben wir nur äußerst selten.

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Am Anfang hatten wir nur die Zugriffe auf diesen Artikel, hatten jenes außergewöhnlich hohe Interesse an diesem Thema beobachtet und registriert. Und erst waren wir nur überrascht angesichts der guten Ergebnisse, wenn es um die reinen Zahlen geht. Doch mit jedem weiteren Tag, da nun mehrere zehntausend Menschen die Erfahrungsberichte über Gewalt im Kreißsaal lasen und im Netz auch kommentierten oder untereinander diskutierten und ihre eigenen Geschichten erzählten, wurde klar: Hier schlummert ein Tabuthema. Eines, das ganz viele Mütter betrifft und damit ebenso auch deren Familien. Schlimme Erlebnisse, die sie immer noch umtreiben – aber über die eben noch viel zu wenig gesprochen wird. Denn ist die Geburt, und sei sie noch so traumatisch verlaufen, erst einmal geschafft, steht zumeist eines im Fokus: Hauptsache, das Kind ist gesund.

Nach der Geburt sind Reaktionen schwer

Unnötig schmerzhafte Behandlungen, Demütigungen, Vernachlässigungen oder Bevormundungen werden beiseite geschoben. Schließlich sind die Aufgaben ja unmittelbar nach der Entbindung ganz andere; die Mütter kümmern sich um ihren Säugling und ordnen ihr neues Leben. Und wer von ihnen hat in dieser Zeit, ohnehin geschwächt, übernächtigt und oftmals auch überfordert, die Kraft, einen solchen Kampf zu kämpfen? Und dann kommt noch die Scham hinzu.

Denn so viel ist sicher: Wem immer man auch über die zugefügten Misshandlungen berichtet – beim Gegenüber erzeugen sie sogleich Bilder. Sehr intime Bilder. Der Kreis derer, denen man sich anvertraut, ist also maximal gering. Und die Hoffnung darauf, dass man dadurch Hilfe erfährt oder die Berichte gar Konsequenzen für die Beteiligten nach sich ziehen, noch viel kleiner. Aber das muss sich endlich ändern!

Mit Rosen ein Zeichen setzen

Bevor jetzt alle Hebammen und Gynäkologinnen und Gynäkologen aufschreien: Nein, man darf hier ganz sicher nicht alle in einen Topf werfen. Und nein, Schwangere, die in so großer und zu recht unbeschwerter Vorfreude der Geburt ihres Kindes entgegensehen, sollten auch nicht unnötig verschreckt und verängstigt werden. Aber sie sollten vorbereitet sein: auf eine Ausnahmesituation, bei der sie bereits im Vorhinein wissen, was auf sie zukommen könnte. Und für diese Fälle rechtzeitig sicherstellen, wie sie sich positionieren wollen, was ihnen zusteht. Dasselbe gilt für die Begleiterinnen oder Begleiter bei der Geburt: Auch sie sollten gut informiert sein und gegebenenfalls sagen können, was sich die Schwangere wünscht und was nicht.

Am 25. November eines jeden Jahres sind Betroffene dazu aufgerufen, symbolisch eine rosafarbene Rose an dem Ort niederzulegen, an dem sie Gewalt unter der Geburt erfahren haben. Das werde ich jetzt nach 21 Jahren in Bielefeld machen. Und alle zukünftigen Mütter und Familien dazu ermutigen, Vorsorge zu treffen. Ganz ohne Furcht. Sondern allein deshalb, damit es für viel mehr Menschen einen möglichst unbeschwerten Start ins gemeinsame Leben gibt.

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