HalleNach Eklat um Chaostag: Gesamtschule braucht Befreiungsschlag fürs Image

Die Gesamtschule Halle kommt einfach nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Nach harten Monaten mit Schulstreit und schwachen Anmeldezahlen ist der Start in die Sommerpause mit dem Eklat um den Chaostag belastet. Die Schule gerät durch solche Ereignisse immer mehr unter Druck. Denn in der Image-Schlacht um ihre Zukunft benötigt sie dringend positive Nachrichten.

Marc Uthmann

Die Gesamtschule Halle braucht dringend mehr Schüler. Und schafft es nicht aus dem Krisenmodus. - © Uwe Pollmeier
Die Gesamtschule Halle braucht dringend mehr Schüler. Und schafft es nicht aus dem Krisenmodus. © Uwe Pollmeier

Die Gesamtschule Halle kommt einfach nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Nach harten Monaten mit Schulstreit und schwachen Anmeldezahlen ist der Start in die Sommerpause mit dem Eklat um den Chaostag belastet.

Die Schule gerät durch solche Ereignisse immer mehr unter Druck. Denn in der Image-Schlacht um ihre Zukunft benötigt sie dringend positive Nachrichten.

Als wäre die Lage nicht schon schwierig genug, musste Schulleiterin Almuth Burkhardt-Bader zum Abschluss eines wahrlich nicht erfreulichen Schuljahres auch noch die Ausladung einer Klasse von der Abschlussfeier erklären (wir berichteten). Der Krisenmodus kostet zunehmend auch ihre Kräfte.

Dabei fügt sich der Fall um die Schüler, die ohne Absprache mit einem gestohlenen Generalschlüssel in das Gebäude eindrangen, um ihren Schulstreich durchzuführen, nur in ein derzeit freudloses Gesamtbild ein. Jetzt wird diskutiert, ob die Strafe angemessen war, ob man besagten Transponder nicht längst hätte sperren können, was sich eine Schulleiterin gefallen lassen muss, was Jugendliche dürfen.

Öffentliche Abrechnung

Doch es geht um weit mehr als dieses „Skandälchen". Die Schule kommt aus der Negativspirale derzeit einfach nicht heraus. Unter Corona hatte sie wie alle anderen zu leiden – aber seit Jahren schon kommt ein Imageproblem hinzu, das schließlich im viel zitierten Schulstreit mit Steinhagen gipfelte.

Was sagt es also über die Lage der Gesamtschule aus, wenn Eltern in einem Leserbrief mit ihr abrechnen, öffentlich die Leiterin anzählen und zumindest ankündigen, dass sie ihre Kinder nicht weiter dort zur Schule schicken wollen? Sind es nur einige wenige, die ihre Kritik aus Frust äußern? Oder gibt es eine generelle Unzufriedenheit mit dem Management der Schule? Mehr oder weniger unverhohlen musste sich Almuth Burkhardt-Bader in den vergangenen Monaten immer wieder Kritik gefallen lassen.

Kampf um die Bedeutung

Doch was für eine Herkulesaufgabe hat sie da auch zu stemmen? Dass die Gesamtschule Halle schon allein aufgrund ihrer Schulform offensichtlich ein Akzeptanzproblem bei den Eltern hat, steht außer Frage. Dieses Schicksal teilt sie mit der Sekundarschule Versmold, die ebenfalls hart um ihre Bedeutung kämpfen muss. Die PAB-Gesamtschule in Borgholzhausen boomt hingegen. Weil dort gute Arbeit gemacht wird – aber auch, weil sich in den Köpfen der Eltern festgesetzt hat, dass stärker nach Leistung differenziert wird. Das dreigliedrige Schulsystem ist aus den Köpfen der Bevölkerung noch lange nicht verschwunden.

Und so verstärken sich die Trends: An der PAB können sie sich vor Anmeldungen nicht retten, während die Gesamtschule Halle zunehmend unter Misstrauen der Eltern leidet. Zumal es mit der Realschule Steinhagen eine Alternative in nächster Nähe gibt, die ihnen die stärkere „Leistungstrennung" ermöglicht.

Wer in der Defensive ist, braucht einen Befreiungsschlag

In dieser Situation kommt es stärker denn je darauf an, dass die Gesamtschule beweist, welch gute Arbeit sie macht. Denn der Wettstreit zwischen den Schulen ist längst zu einer Image-Schlacht geworden. Und wer wie die Haller in der Defensive ist, braucht einen PR-Befreiungsschlag. Schlagzeilen wie die jüngste vom Chaostag sind da Gift – und werden auch im Rathaus sicher sorgenvoll zur Kenntnis genommen.

Bürgermeister Thomas Tappe hatte im Schulstreit bei der Bezirksregierung ein weiteres Jahr Zeit ausgehandelt. Doch in Detmold schaut man ab sofort genau genau hin, wie sich die Anmeldezahlen entwickeln, ob es ein Konzept für den ersehnten Aufschwung gibt. 60 Anmeldungen sind nicht genug – längst bangen die Verantwortlichen um eine differenzierte Oberstufe, um Wahlmöglichkeiten bei den Leistungskursen. Und das trotz der Kooperation mit dem Kreisgymnasium. Ob sich die Einrichtung von einer Zurückstufung zur Sekundarschule erholen würde, bleibt fraglich.

Eine Übersicht über alle Folgen des Wochenkommentars finden Sie hier.

Dass Almuth Burkhardt-Bader nun die große Charme-Offensive anführt, um die Schule zu retten, wäre der Bürde wohl zu viel. Sie ist eine nüchterne, verlässliche, sachorientierte Leiterin. Die immer wieder an den öffentlichen Pranger gestellt wird, was sie nicht verdient hat. Jetzt sind im Gegenteil alle gefordert, die es mit der Gesamtschule Halle halten, die sie gestalten und so vielfältig aufgebaut haben. Die Sommerferien dürften die letzte Atempause sein – dann müssen von der Masch Mut machende Signale kommen. Genügend Power wäre dafür eigentlich vorhanden.

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