HalleWochenkommentar: Der Trumpf in der Krise - "Den Mutigen gehört die Welt"

Unsere Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen. Unser stellvertretender Redaktionsleiter hat in dieser Woche Menschen getroffen, die unter dem Krieg, der Inflation oder der Corona-Lage leiden. Für sie und alle anderen hat er einen Tipp.

Marc Uthmann

Doppelkopf ist Strategie- und Glücksspiel zugleich. Doch Mut gehört in jedem Fall dazu. - © Pixabay
Doppelkopf ist Strategie- und Glücksspiel zugleich. Doch Mut gehört in jedem Fall dazu. © Pixabay

• Die aktuelle gesellschaftliche Lage mit zahlreichen Hiobsbotschaften verlangt uns einiges ab. Aber was mache ich nur, wenn diese Angst wieder in mir hochkriecht?

• Vielleicht hilft es, mit Menschen zu sprechen, die im Umgang mit Veränderungen geübt sind. Und dann wären da noch fünf magische Worte.

Einmal im Monat spiele ich mit einigen meiner besten Freunde Doppelkopf. Während ich nun wahrlich nicht das größte Karten-Ass bin und in erster Linie durch meine mehr oder weniger lustigen verbalen Beiträge auffalle, haben wir auch Jungs dabei, die das Spiel verstanden haben. Mein Kumpel Frank zum Beispiel rechnet mit, schaut voraus, zieht die richtigen Schlüsse – und ist am Ende trotzdem oft auf der Verliererseite. Dass ich in unserer „ewigen Tabelle" vor ihm liege, liefert den Beweis, dass Doppelkopf zu einem guten Teil doch Glückssache ist.

"Den Mutigen gehört die Welt"

Aber Frank hat einen Spruch drauf, der mich beeindruckt. Den ich bei Bedarf gern kopiere und über den ich auch abseits des Kartenspielens schon oft nachgedacht habe, wenn es um das Leben geht. Will jemand ein Solo oder eine riskante Variante spielen, dann sagt er: „Den Mutigen gehört die Welt."

Das klingt gut, und ich sage es mir seither auch selbst gern vor, wenn ich mit einer kniffligen Herausforderung konfrontiert bin. Vor allem aber würde ich mir wünschen, dass diese fünf Worte zur Erfolgsformel in unserer aktuellen Gesellschaft werden könnten. Denn wie viel die auszuhalten hat, das habe ich in dieser Woche wieder einmal besonders gespürt.

Da habe ich mit Lutz Bormann gesprochen, dem Betriebsratsvorsitzenden des so gebeutelten Modekonzerns Gerry Weber: Aus der Insolvenz in die Pandemie geschlittert – und jetzt, wo im Zuge der Restrukturierung der Himmel endlich aufzuklaren schien, schlagen Krieg, Inflation und Lieferkettenprobleme zu. Der x-te Rückschlag könnte bei den Verantwortlichen und den Mitarbeitenden schon zur Verzweiflung führen. Doch bei Gerry Weber gehen sie aus der Kurzarbeit und Bormann ist hörbar bemüht, mit Optimismus voranzugehen. Man wünscht dem Modekonzern, dass er mit diesem Mut bald wieder ein Stück der Welt für sich gewinnt.

Niemals die Opferrolle einnehmen

Auch in dieser Dauerkrise hat sich ein Modewort etabliert, das für meinen Geschmack an der ein oder anderen Stelle schon arg überstrapaziert wird: Resilienz. Erst vor kurzem hat mein Kollege Frank Jasper – der spielt übrigens kein Doppelkopf – mit der psychologischen Beraterin Beate Krabus aus Steinhagen genau zu diesem Thema ein spannendes Interview geführt. Um zunächst einmal diesen Begriff zu klären. Resilienz meint demnach die „psychische Widerstandskraft". Die Fähigkeit also, Krisen zukunfts- und lösungsorientiert zu bewältigen, bestenfalls gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Vor allem aber: niemals die Opferrolle einzunehmen.

Marc Uthmann

Redakteur - © Nicole Donath, HK,HK
Marc Uthmann
Redakteur (© Nicole Donath, HK,HK)

Klingt für mich doch erstaunlich nach der ausführlichen Version dieses Satzes beim Doppelkopf: Den Mutigen gehört die Welt. Und dass wir diesen Mut alle brauchen, das lässt sich nicht nur in den Weltnachrichten ablesen, sondern mittlerweile bei jedem zweiten Gespräch im Alltag. Die schweren Zeiten sind längst auch in der heimischen Wirtschaft angekommen, bei Vereinen und Institutionen.

Gespräch mit Führungskräften

Und jetzt? Hilft es, sich mit Menschen zu unterhalten, die tagtäglich Entscheidungen treffen müssen. Ich war für ein Projekt des Haller Kreisblattes in diesen Tagen unterwegs und habe mit Führungspersönlichkeiten sprechen dürfen. Der eine baut gerade sein ganzes Unternehmen um, hat sich noch einmal zum Lernenden erklärt und beschreibt mir voller Inbrunst seinen Antrieb: „Ich wollte niemals Opfer sein." Und die andere hat sich von der gerade für ihre Branche fatalen Pandemie die Bereitschaft zur Veränderung nicht nehmen lassen: „Nur wenn man die Dinge immer wieder auf den Prüfstand stellt, kann man ein Unternehmen erfolgreich führen."

Die Dauerkrise stellt uns alle gerade auf eine harte Probe. Was können wir also von den Entscheidern lernen? Dass uns die Angst nie lähmen darf. Wer nur völlig erstarrt auf die nächste Hiobsbotschaft wartet, der kann die Welt nicht verändern. Und das müssen wir auch im kleinen tun. Nur Mut also, nicht nur beim Doppelkopf.

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