HalleWahlkrimi auch bei der SPD - der große Favorit kurz vorm Straucheln

Thorsten Klute gewinnt das Rennen um die Landtagskandidatur gegen Jan Goldberg. Doch wie der Abend verläuft, ist eine große Überraschung.

Marc Uthmann

Die künftige Wahlkampfleiterin Marion Weike (von links), Landtagskandidat Thorsten Klute und der stellvertretende Kreisvorsitzende Luka Junkern kurz nach der Entscheidung bei der SPD. Foto: Marc Uthmann - © Marc Uthmann
Die künftige Wahlkampfleiterin Marion Weike (von links), Landtagskandidat Thorsten Klute und der stellvertretende Kreisvorsitzende Luka Junkern kurz nach der Entscheidung bei der SPD. Foto: Marc Uthmann © Marc Uthmann

Halle. 53 Delegierte der SPD-Ortsvereine aus Halle, Borgholzhausen, Werther, Steinhagen, Versmold, Dornberg und Jöllenbeck geben am Mittwochabend ihre Stimme im Landhotel Jäckel ab. Und als der Piumer SPD-Ortsvereinsvorsitzende Dominik Kinner nach der Auszählung der Stimmen das Ergebnis verkündet, geht ein Raunen durch den Saal: 27 Stimmen für den Versmolder Thorsten Klute, 26 für Jan Goldberg aus Werther.

Nur mit dem knappst möglichen Ergebnis setzt sich der große Favorit durch. Das hatten im Vorfeld die wenigsten externen Beobachter erwartet, doch innerhalb der heimischen SPD rumorte es trotz des Wahlerfolges auf Bundesebene zuletzt wohl ordentlich. „Momentan gibt es offenbar in allen Parteien einen Trend gegen das Establishment“, kommentiert Werthers Ex-Bürgermeisterin und SPD-Kreisfraktionschefin Marion Weike das Resultat. Sie wird Thorsten Klutes Wahlkampf jetzt leiten und bekennt darum trotz der Zitterpartie: „Ich freue mich riesig.“

Klute selbst, immerhin SPD-Kreisvorsitzender, Ex-Bürgermeister Versmolds, früherer NRW-Staatssekretär und aktuell Vorstandsvorsitzender der AWO OWL, zeigt sich trotz des für ihn sicherlich enttäuschenden Ergebnisses souverän: „So ist es in der Demokratie. Am Ende zählen Mehrheiten. Wir leben in aufwühlenden Zeiten. Aber das ist bald Schnee von gestern. Jetzt müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass dieser Wahlkreis bei der SPD bleibt.“ Einen „knackigen Wahlkampf“ hatte der 47-Jährige zuvor angekündigt und die Genossinnen und Genossen aufgefordert: „Lasst uns mit Pizza und Politik durch die Straßen ziehen.“

Jan Goldberg hätte beinahe die Sensation geschafft. - © Marc Uthmann
Jan Goldberg hätte beinahe die Sensation geschafft. (© Marc Uthmann)

Dazu hätte er beinahe keine Gelegenheit gehabt, wenn ihm Jan Goldberg trotz seiner kurzfristigen Kandidatur noch den Rang abgelaufen hätte. „Mit einer Stimme zu verlieren ist natürlich eine Enttäuschung“, bekennt der 26-Jährige anschließend. „Aber wer nicht mit Niederlagen rechnen kann, sollte auch nicht antreten. Das ist ein demokratisches Ergebnis, und damit kann ich gut leben.“

Klute hatte seine Kandidatur schon früh bekanntgegeben und in der Vorausscheidung wiederholt betont, er stehe damit für Transparenz und den Austausch mit der Partei. Jan Goldberg nahm zu der Debatte in seiner Rede Stellung: „Ich habe meine Ambitionen bis nach der Bundestagswahl zurückgehalten, weil das Energie gekostet hätte. Eine Personaldebatte vor der Wahl wollte ich vermeiden.“ Beinahe hätten dem Außenseiter 20 Tage zum Triumph gereicht.

Thorsten Klute wird im Landtagswahlkampf um den Wahlbezirk 94 gegen die Steinhagenerin Mechthild Frentrup (CDU) antreten – im Mai wird der neue Landtag gewählt.

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