HalleKnappe Entscheidung! Mit dieser Kandidatin geht die CDU in den Landtagswahlkampf

141 CDU-Mitglieder des heimischen Wahlkreises haben am Montagabend in Halle eine knappe Wahl zwischen zwei Frauen getroffen. Und die war durchaus überraschend.

Marc Uthmann

Dr. Mechthild Frentrup bekommt Blumen und Glückwünsche vom CDU-Kreisvorsitzenden Raphael Tigges. - © Marc Uthmann
Dr. Mechthild Frentrup bekommt Blumen und Glückwünsche vom CDU-Kreisvorsitzenden Raphael Tigges. © Marc Uthmann

Halle. Der Wertheraner CDU-Ortsverbandsvorsitzende Alexander Fillers hatte kurz vor der Wahl in der Aussprache noch einmal eine Lanze für Birgit Ernst gebrochen: "Es wird ein harter Wahlkampf, und wir müssen diesen Wahlkreis direkt gewinnen. Da sehe ich mit der Erfahrung von Birgit Ernst größere Chancen und bitte euch, das zu berücksichtigen", sagte Fillers den 141 Wahlberechtigten im OWL Event Center in Halle.

Bis dato schien dieser Rückenwind gar nicht nötig, galt Birgit Ernst (53) nach ihrer knappen Landtagswahlniederlage gegen Georg Fortmeier 2017 (um 219 Stimmen) und der Erfahrung aus der Europawahl 2019 (bei der sie ebenfalls knapp scheiterte) doch als Favoritin gegen Dr. Mechthild Frentrup aus Steinhagen. Die Agrarexpertin zog jedoch als unverbrauchte Newcomerin ins Rennen - und womöglich brachte genau das der 47-Jährigen den entscheidenden Vorsprung bei einer CDU, die nach der Bundestagswahlschlappe auf Veränderung und Neuanfang gepolt ist.

Bei der Verkündung des Abstimmungsergebnisses wurde es plötzlich mucksmäuschenstill im großen Saal, da wollte sich selbst der bestens aufgelegte Kreisvorsitzende und Versammlungsleiter Raphael Tigges nicht lange mit einem kleinen Verzögerungsspäßchen aufhalten. 138 gültige Stimmen waren abgegeben worden: "71 hat Mechthild Frentrup erhalten, 67 Birgit Ernst." Fast starr blieb die Siegerin zunächst sitzen und nahm die Glückwünsche ihrer Kontrahentin entgegen - als könne sie es trotz ihres engagierten Wahlkampfes bei der CDU-Basis kaum glauben.

Doch dann fing sich die frisch gewählte CDU-Landtagskandidatin für den Wahlkreis 94 (Halle, Werther, Borgholzhausen, Steinhagen, Versmold, Jöllenbeck, Dornberg) und wandte sich an ihre unterlegene Kontrahentin, die gerade ihre dritte knappe und auch darum so bittere Niederlage erlitten hatte: "Birgit, du hast mich zu Höchstleistungen angetrieben. Ich hoffe, du machst dein Versprechen wahr und unterstützt mich jetzt auch im Wahlkampf." Das sagte Ernst sofort zu, während Mechthild Frentrup den Mitgliedern zurief: "Vor uns liegen sieben Monate harte Arbeit. Ich freue mich drauf."

In ihren Bewerbungsreden hatten sich beide Aspirantinnen noch einmal vorgestellt, Birgit Ernst ihr Faible für Bildungs- und Sozialpolitik betont, Mechthild Frentrup auf das Dreieck von Wirtschaft, Wissenschaft und Nachhaltigkeit gesetzt. Zudem sprach Frentrup viele Mitglieder aus den Ortsverbänden direkt an, verwies auf lokale Projekte, die man gemeinsam diskutiert habe - womöglich ein letzter Ausschlag bei der Wahl zwischen zwei Aspirantinnen, die erneut sehr fair miteinander umgingen.

Am Ende gab es durchaus einen Sieg der Außenseiterin. Am Mittwoch wird Mechthild Frentrup erfahren, gegen welchen SPD-Politiker sie antritt: Thorsten Klute (Versmold) oder Jan Goldberg (Werther).

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