HalleStreitbarer Liedermacher und Kritiker des DDR-Regimes kommt nach Halle

Wolf Biermann präsentiert sein neues Buch. Und das Beste: Der Eintritt ist frei!

Anja Hanneforth

Liedermacher, DDR-Kritiker und Sohn eines jüdischen Vaters Wolf Biermann wird am 6. November in Halle erwartet.  - © Andreas Fruecht
Liedermacher, DDR-Kritiker und Sohn eines jüdischen Vaters Wolf Biermann wird am 6. November in Halle erwartet.  © Andreas Fruecht

Halle. „Was, Wolf Biermann kommt nach Halle? Wann?" – Diese Frage hören die Verantwortlichen des Kirchenkreises Halle seit dem Tag, da feststeht, dass der bekannte Liedermacher und Kritiker des DDR-Regimes in der Lindenstadt erwartet wird. Was viele Bürger nicht wissen: Biermann ist Sohn eines jüdischen Vaters. Bei einer Hamburger Werft beschäftigt, kämpfte er im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Weil er Schiffe der Kriegsmarine sabotiert hatte, wurde er 1943 im KZ Auschwitz ermordet.

Mit ein Grund dafür, seinen Sohn Wolf Biermann zur Veranstaltungsreihe „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" einzuladen, finden die Gastgeber des Kirchenkreises. Und freuen sich auch darüber hinaus auf spannende Momente ihrer sieben Themenabende.

Birgit Gillmann, Synodalassessorin und Pfarrerin aus Bockhorst (von links), Dr. André Heinrich, Pfarrer aus Brockhagen, und Matthias Storck, Pfarrer aus Halle, freuen sich auf sieben vielfältige Veranstaltungen Auch am Schwarzen Brett des Kirchenkreises wird die jüdisch-christliche Verbundenheit deutlich.  - © Anja Hanneforth
Birgit Gillmann, Synodalassessorin und Pfarrerin aus Bockhorst (von links), Dr. André Heinrich, Pfarrer aus Brockhagen, und Matthias Storck, Pfarrer aus Halle, freuen sich auf sieben vielfältige Veranstaltungen Auch am Schwarzen Brett des Kirchenkreises wird die jüdisch-christliche Verbundenheit deutlich.  (© Anja Hanneforth)

„Wir wollten unbedingt einen Beitrag im Jubiläumsjahr leisten", sagt Dr. André Heinrich. Ein Anlass zum Feiern wie zum Erinnern – ein „Spagat in Anbetracht des wachsenden Antisemitismus und Rassismus", sagt er. Zum einen dürfe man die Schrecken der deutsch-jüdischen Geschichte nicht übergehen, zum anderen wolle man das Judentum als lebendigen Teil der deutschen Geschichte und Gegenwart würdigen. Und so sind die sieben Veranstaltungen ebenso eindringlich wie vielfältig:

Klanginstallation

Zum Auftakt ertönt vom 19. bis 30. September in der Petri-Kirche in Versmold die Klanginstallation „selbstverständlich – mit leerstellen". Noch nie wurde sie in einem christlichen Gotteshaus gespielt. Sie basiert auf Interviews mit Mitgliedern verschiedener jüdischer Gemeinden, unterbrochen von geräuschhaften Sequenzen. Eröffnet wird die Installation am Sonntag, 19. September, um 10 Uhr mit einem Wortklang-Gottesdienst.

Klezmerkonzert

Süffig, anregend, berauschend: Wer die Gruppe „Klezgoyim" schon einmal hat spielen hören, kennt das Erlebnis traditioneller Klezmerklänge, verbunden mit dem überschäumenden Temperament verschiedenster Balkan-Melodien und virtuoser Improvisationen. Das Ensemble gastiert am Freitag, 24. September, um 19 Uhr in der Kirche in Bockhorst. Karten gibt es im Gemeindebüro Bockhorst und der Buchhandlung Krüger in Versmold.

Lesung im Bürstenhaus

Wohl keinen passenderen Ort als das Bürstenhaus Redecker in Bockhorst hätten sich die Veranstalter für die Lesung „Papa Weidt" mit Eckehardt Ringewald aussuchen können. Er bringt am 6. Oktober um 19 Uhr das Buch von Inge Deutschkron über die Geschichte des Leiters einer Berliner Blindenwerkstatt für Besen und Bürsten zu Gehör, der während des Hitler-Regimes etlichen Juden das Leben rettete.

Szenische Lesung

„Gestatten, Jude. Jetzt reden wir mal deutsch miteinander": Unter diesem Titel werden Schauspieler Max Rohland und der künstlerische Leiter Oliver Stümann am 8. Oktober anhand von Gedichten, Texten und Liedern dem prägenden Einfluss des Judentums auf die deutsche Kultur nachspüren. Beginn ist um 19.30 Uhr in der St. Jacobikirche in Werther.

Musikalische Reise

Am 29. Oktober ab 19.30 Uhr dürfen sich die Besucherinnen und Besucher in der St. Georgskirche in Brockhagen auf eine musikalische Reise durch das Judentum mit hebräischen, sefardischen und jiddischen Liedern freuen. Es singen und spielen Esther Lorenz und Peter Kuhz.

„Mensch Gott!"

So heißt der Titel des neuen Buchs von Wolf Biermann, der am 6. November um 19.30 Uhr in Halle erwartet wird. Gedichte und Lieder aus fünf Jahrzehnten sind darin gesammelt, sie zeigen suchende, stille und nachdenkliche Töne und von der Suche eines Menschen nach Gott. Je nach Nachfrage findet der Abend von und mit dem inzwischen 84-Jährigen in der Aula des KGH oder der St. Johanniskirche statt. Interessierte können sich ab dem 1. Oktober unter www.church-events.de oder im Gemeindebüro unter ` (0 52 01) 30 86 registrieren lassen. Der Eintritt ist frei.

Friedensgebet

Zum Abschluss der Reihe geht es am 10. November in die St. Georgskirche nach Brockhagen. Um 19.30 Uhr wird dort ein Friedensgebet im Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome 1938 in Deutschland gesprochen.

Für alle Veranstaltungen gelten die 3G-Regeln.

Lesen Sie auch

Wolf Biermann erhält Ehrendoktorwürde

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.