HalleMaterial zu teuer und nicht da: Auf vielen Baustellen geht's nicht weiter

Baumaterial hat sich zum Teil um das Dreifache verteuert. Auf vielen Baustellen gibt es bereits Engpässe und eine Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil.

Rolf Uhlemeier

Der Preis für den Bau eines Dachstuhls hat sich in den vergangenen Jahr vervielfacht. - © Pixabay
Der Preis für den Bau eines Dachstuhls hat sich in den vergangenen Jahr vervielfacht. © Pixabay

Altkreis Halle. „Aktuell ist es sehr schwer, überhaupt Ware zu bekommen", sagt Sven Reichert, „die Einkaufspreise sind stark in die Höhe gegangen." Der stellvertretende Leiter des Versmolder Hagebaumarktes berichtet von extremen Preisanstiegen bei Holzprodukten: „Vor allem bei Zuschnittware, Spanplatten, MDF-Platten und OSB-Platten. Die Preise für Bauholz sind zum Teil um das Dreifache gestiegen."

Besonders angespannt sei die Lage für Zimmerleute und Dachdecker. Dass sich die Situation in den kommenden Wochen und Monaten entspannt, davon geht Sven Reichert nicht aus: „Ich glaube nicht, dass sich die Lieferfähigkeit in absehbarer Zeit wieder normalisieren wird."

Gartenhölzer sind kaum zu bekommen

Extrem schwierig sei im Moment auch die Situation bei Gartenhölzern wie zum Beispiel Zaunelementen: „Die werden überwiegend nicht in Deutschland produziert und sind im Moment kaum zu bekommen. Da ist auch keine Besserung in Sicht." Auch bei Schrauben, Nägeln und Zubehör sieht der stellvertretende Marktleiter deutliche Preisanstiege: „Durch die erhöhten Transportkosten sind diese Artikel zum Teil zehn bis 15 Prozent teurer geworden und ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass die Preise wieder runtergehen werden. Mit der Erhöhung werden wir leben müssen." Laut Sven Reichert gibt es in Versmold und Umgebung bereits Baustellen, auf denen nicht weiter gearbeitet werden kann, weil das nötige Material fehlt.

Das bestätigt auch ein Baustoffhändler aus unserer Region, der namentlich nicht genannt werden möchte: „Der Preis für OSB-Platten ist um das Dreifache gestiegen. Anfang des Jahres kostete eine komplette Lkw-Ladung 9.500 Euro – jetzt zahlen wir bis zu 29.000 Euro dafür." Der Händler ist gespannt, wie weit sich die Spirale noch drehen wird und bis zu welchem Punkt die Verbrauer die steigenden Preise akzeptieren werden: „Ein Dachstuhl kostet im Moment 10.000 bis 15.000 Euro mehr als noch vor wenigen Monaten. Das können nicht alle Bauherren einfach so schultern."

Auf dem amerikanischen Markt werden doppelt so hohe Preise erzielt

Einen Grund für die extrem gestiegenen Holzpreise sieht der Händler im lukrativen Export: „Auf dem amerikanischen Markt werden aktuell doppelt so hohe Preise erzielt wie in Deutschland. 2020 wurden 12,7 Millionen Kubikmeter Holz für 845 Millionen Euro exportiert. Das ist ein Anstieg gegenüber 2019 um 42.6 Prozent."

Nach Angaben des Informationszentrums für Landwirtschaft hat sich die Menge von ausgeführtem Rohholz seit dem Jahr 2015 mehr als verdreifacht. Vor sechs Jahren waren es noch 3,8 Millionen Kubikmeter im Wert von rund 329 Millionen Euro.

Auf manchen Baustellen kann nicht weiter gearbeitet werden

Höchst angespannt sei die Situation aber nicht nur auf dem Holzmarkt. Weil viele Menschen durch die Kurzarbeit viel Zeit für Bauprojekte rund um das eigene Haus hatten, sei der Absatz von Beton extrem gestiegen: „Dadurch wurden Mengen losgetreten, mit denen die Hersteller nicht rechnen konnten. Normalerweise wird in den Wintermonaten, wenn der Absatz zurückgeht, für die kommende Bausaison vorproduziert. Das ist im vergangenen Jahr komplett weggefallen." Zudem seien Betriebe in Quarantäne gegangen: „Die daraus resultierenden Defizite konnten nicht aufgeholt werden."

Auf den Baustellen in der Region hat der Händler zwei Phänomene ausgemacht, die er so in der Vergangenheit noch nicht erlebt hat: „Man sieht Baustellen, auf denen nicht weitergearbeitet werden kann, weil das Material fehlt und es gibt aber auch welche, auf denen das Grundstück mit Baumaterial regelrecht vollgestellt ist."

Engpässe auch bei Folien und Granulaten

Auch bei Folien und Granulaten sieht der Händler erhebliche Engpässe: „Dabei handelt es sich zum Teil um Abfallprodukte aus der Kerosin-Produktion. Angesichts des in der Pandemie erheblich zurückgegangenen Flugverkehrs werde weniger Treibstoff produziert und damit sind auch die entsprechenden Vorprodukte knapp."

Dass sich die Spirale aus Materialknappheit und steigenden Preisen weiter dreht und sich die Situation in vielen Bereichen noch zuspitzt, betrachtet der Händler mit großer Sorge. „Ich bin gespannt, wie es weitergeht und wie sich die Situation entwickelt. Die Frage ist, was passiert, wenn der Markt kippt und die Verbraucher die Preise nicht mehr zahlen können?"

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