HalleSchreckensbild Gründach: Politiker entscheiden gegen "ökologischen Porsche"

Es wird kein Gründach auf der Grundschule Gartnisch geben. Die Kosten sind zu hoch.

Detlef Hans Serowy

Ein Gründach wird es für die neue Grundschule in Gartnisch nicht geben. Die Kosten sind zu hoch. - © Nicole Donath
Ein Gründach wird es für die neue Grundschule in Gartnisch nicht geben. Die Kosten sind zu hoch. © Nicole Donath

Halle. Ein Schreckensbild zeichneten die Planer Uta Ischner und Mario Schurbohm am Dienstagabend von den Mehrkosten eines Gründachs auf der neuen Grundschule in Gartnisch. Rund 460.000 Euro würde es voraussichtlich kosten, die Planung jetzt auf ein solches Projekt umzustellen. Das war selbst den entschlossenen Verfechtern dieser Form ökologischer Aufwertung von Gebäuden zu viel.

 „Wir wünschen uns von Herzen ein Gründach auf dieser Schule", betonte Dieter Jung eindringlich. Der Zeitpunkt dafür sei aber lange vorbei, fügte der Grünen-Ratsherr nicht weniger eindringlich hinzu. Ökologische Aspekte hatten bei der Schulplanung im vergangenen Jahr eine wichtige Rolle gespielt. Das Thema Gründach war aber nur kurz am Rande erörtert und einvernehmlich nicht weiter betrachtet worden.

Der Vorstoß komme zu spät

Neben den Mehrkosten sprach aus Sicht von Dieter Jung noch ein weiterer Aspekt gegen die Planänderung zum gegenwärtigen Zeitpunkt. „Wir würden damit die Fertigstellung der Schule zum Schuljahresbeginn nicht schafften", erklärte Mario Schurbohm. Stattdessen werde das Gebäude voraussichtlich erst im Herbst 2023 fertig sein, wenn es eine Unterbrechung durch die Umplanung gebe.

„Das ist es nicht wert", fasste Dieter Jung die Position seiner Fraktion zusammen. Der Vorstoß komme zu spät und sei zu teuer, die Mehrkosten seien den Menschen in Halle nicht zu vermitteln. „Wenn wir so viel Geld in die Hand nehmen, dann könnten wir damit an anderer Stelle viel Gutes für die Umwelt tun."

Wurde das Gründach schlecht geredet?

„Klimaschutz gibt es nicht zum Null-Tarif", betonte Michael Koch von der UWG. Allein der Zeitfaktor bei der Schuleröffnung sei für ihn ausschlaggebend, gegen ein Gründach zu stimmen. Robin Timmermeister (CDU) zweifelte die Kostenberechnung der Planer an. Das Gründach sei schlechtgerechnet worden, vermutete der Architekt.

Als Beispiel führte Timmermeister den Quadratmeterpreis der Dichtfolie mit Substrat und Pflanzen für das Gründach an. Rund 100 Euro soll der Quadratmeter laut den Planern kosten. „Ich habe unabhängige Berater gefragt, und die haben mir einen Preis von 35 Euro pro Quadratmeter genannt", berichtete der sachkundige Bürger.

2020 Entscheidung gegen das Gründach

Solche Angebote seien sehr schwierig abzugeben, wenn man die Details der Planung nicht kenne, hielt diesen Argumenten Uta Ischner entgegen. Sie bestand darauf, dass die Kosten seriös ermittelt seien und jeder Überprüfung standhalten könnten. Es müssten allein zwei Leistungsphasen wiederholt werden, um den Bau jetzt umzuplanen.

Bürgermeister Thomas Tappe nahm die Historie der Planung in den Blick. Man habe sich 2020 gegen ein Gründach und stattdessen für einen hohen energetischen Standard entschieden. „Damals wurde die Planung noch einmal verändert und es entstanden Mehrkosten von rund 400.000 Euro." Es sei dabei alles berücksichtigt worden, was energetisch vernünftig und bezahlbar gewesen sei. „Ein ökologischer Aufstieg vom Volkswagen auf einen Mercedes. Wir sind ökologisch deutlich höher unterwegs, als es bei öffentlichen Gebäuden dieser Art üblich ist", hob der Haller Verwaltungschef hervor. Ein Gründach sei grundsätzlich eine vernünftige Sache. „Es wäre jetzt in unserer Planung ökologisch ein Aufstieg auf den Porsche, ist aber für die Grundschule Gartnisch nicht mehr vertretbar."

Damit hatte der Bürgermeister den Ton gesetzt. Auch wenn seine CDU-Fraktion mit diesem Ausgang erkennbar unzufrieden war, folgte der Ausschuss dem Beschlussvorschlag der Verwaltung bei einer Enthaltung. Danach wird es kein Gründach auf der Grundschule Gartnisch geben.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.