HalleEin Hoch auf alle Mamas: Heute ist ein Tag zum Danke sagen

Sonntag ist Muttertag. Für einige Menschen ist es nur ein Tag der Verpflichtung, ein Tag, an dem die Blumenläden beste Geschäfte machen. Doch das ist nur die eine Seite. Wir haben Menschen getroffen, die in ihm mehr sehen als eine bloße Formalie.

Heiko Kaiser

Heute ist Mutterag! - © CC0 Pixabay
Heute ist Mutterag! © CC0 Pixabay

Halle. „Wenn Du noch eine Mutter hast, dann danke Gott dafür." Gibt es eine passendere Hymne auf den Muttertag? Gibt es einen passenderen Liedtext in diesen Corona-Zeiten? Kinder der 60er- und 70er-Jahre werden sofort in die Melodie einstimmen können und wissen auch, welche Zeilen auf das langgezogene und glockenhelle „Maaaamaaa" folgen, die Heintje beziehungsweise Hein Simon einst zum Weltstar gemacht haben. Dankbarkeit, Erinnerung, Wertschätzung – jedes Jahr auf’s Neue fordert der Muttertag dazu auf, sich zu besinnen, zu überprüfen und sich die Frage zu stellen: „Wie ist Dein Verhältnis zu Deiner Mutter?"

Amelie Geyer - © Heiko Kaiser
Amelie Geyer (© Heiko Kaiser)

„Lange Zeit war es so, dass ich dachte, oh, ich muss Mama und Oma etwas schenken", sagt die Hörsterin Amelie Geyer, die inzwischen in Bremen lebt. Das aber habe sich für sie inzwischen geändert. „Heute sehe ich diesen Tag mit Wertschätzung und mit dem Blick darauf, dass ich schließlich aus Mama heraus entstanden bin", erklärt die 31-Jährige und fügt hinzu: „Sie hat den schwierigen Geburtsprozess durchstanden. Sie hat so viel Zeit für mich geopfert. Der Muttertag ist eine Würdigung ihrer Care-Arbeit."

Feiertag kommt für manchen überraschend

Harald Scheer - © Heiko Kaiser
Harald Scheer (© Heiko Kaiser)

Dennoch kommt der Tag manchmal völlig überraschend. „Oh, danke für den Tipp", sagt Harald Scheer und lacht. Er ist gerade auf dem Wochenmarkt unterwegs. An Muttertag hat er bisher noch nicht gedacht. Auch, weil an diesem Tag seine Frau Geburtstag feiert. Dennoch wird er seine Mutter besuchen. Was er mitbringt, soll hier nicht verraten werden. „In der Kindheit haben wir selber Blumen gepflückt. Denn als Kind hatten wir ja noch kein Geld, um etwas zu kaufen", erinnert sich der 54-Jährige. Er sieht den Tag als Chance vor allem für die Menschen, die das Gefühl haben, etwas nachholen zu müssen, was sie das Jahr über verpasst haben.

„Früher als junger Mensch war dieser Tag für mich eher eine Verpflichtung. Heute sehe ich ihn als Möglichkeit, meiner Mutter meine Wertschätzung auszudrücken", sagt auch Oliver Weckerle aus Halle. Dass er bereits Blumen gekauft hat, darf hier verraten werden. „Denn wahrscheinlich bringe ich sie heute noch vorbei", sagt der 57-Jährige am Freitagmorgen und fügt an: „Sie soll ja viel Freude an frischen Blumen haben."

Oliver Weckerle - © Heiko Kaiser
Oliver Weckerle (© Heiko Kaiser)

Mädelsausflug mit zwei Generationen

Silke Speckmann erlebt den Tag aus zwei Perspektiven. Als Mutter und als Tochter. „Meine Mutter hat mich Sonntag zum Spargelessen eingeladen", sagt sie. Gemeinsame Aktionen haben Tradition im Hause Speckmann. „Früher haben wir es Mädelausflug genannt", erinnert sie sich an Zeiten, als sie zusammen mit Mutter und Schwiegermutter unterwegs war. Und die Kinder? „Sie haben mir im vergangenen Jahr eine Fotocollage geschenkt. Die Bilder ergaben ein Herz. Das ist nicht zu toppen", sagt sie. Mal abwarten.

Auch auf Instagram hatten wir gefragt, was sich die User am Muttertag wünschen. Die Antworten waren natürlich von der augenblicklichen Lage geprägt. „Dass die Kinder in der Schule sind" und „einen Tag Homeschooling ohne Kinder" lauteten zwei Antworten. Sie sind Ausdruck der Tatsache, dass es oft die Mütter sind, die in Krisenzeiten einspringen müssen. Aber auch „Blumen" und einen „Tagesausflug im Wald" wünschen sich zwei weitere Frauen.

Silke Speckmann - © Heiko Kaiser
Silke Speckmann (© Heiko Kaiser)

Nichts ist selbstverständlich

Der Muttertag ist ein Tag der Wertschätzung. Ein Tag, der einfordert zu zeigen, was manchmal gerne in eine unbestimmte Zukunft verschoben wird. In eine Zukunft, die tatsächlich, auch wenn wir es gerne anders denken, unbestimmt ist – gerade in diesen Zeiten. Der Muttertag wird damit zur Aufforderung, zu erkennen, dass eben nichts selbstverständlich ist. Auch daran erinnerte einst ein zwölfjähriger Junge. „Mamatschi, schenke mir ein Pferdchen", sang Heintje 1967. In dem Liedchen konnten weder das Schimmelpaar aus Marzipan noch die Pferde aus lackiertem Holz zu Weihnachten das quengelige Bübchen zufriedenstellen und er entgegnete seiner Mutter stets enttäuscht: „Mamatschi, solche Pferde wollt’ ich nicht." Nach vielen Jahren standen dann schließlich doch vier echte reich geschmückte Pferde vor dem Haus. „Die holten mir mein liebes Mütterlein, da fiel mir meine Jugend ein. Mamatschi, schenke mir ein Pferdchen. Ein Pferdchen wär’ mein Paradies. Mamatschi, Trauerpferde wollt ich nicht." Ende vergangenen Jahres ist die Mutter von Hein Simon gestorben. Mit Corona.

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