HalleIn Halle arbeiten überdurchschnittliche viele Frauen in Teilzeit

Der Strukturbericht 2020 für den Kreis zeigt die Spuren von Corona. Zugleich offenbart er die Robustheit der heimischen Betriebe. Gefahr droht den Arbeitnehmern dennoch.

Marc Uthmann

In vielen Bereichen (Symbolbild) arbeiten Frauen in Teilzeit. In Halle ist diese Quote höher als im kreisweiten Durchschnitt. - © CC0 Pixabay
In vielen Bereichen (Symbolbild) arbeiten Frauen in Teilzeit. In Halle ist diese Quote höher als im kreisweiten Durchschnitt. © CC0 Pixabay

Kreis Gütersloh. Eins ist klar: Die ersten Folgen der Pandemie samt ihrer Eindämmungsmaßnahmen sind auch in den aktuellen Kennzahlen zum Teil erkennbar. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis Gütersloh rückläufig – zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren. Auch die gemeldeten Arbeitsstellen im Kreis Gütersloh gehen zurück und es ist – wie mehrfach berichtet – ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu erkennen.

Eher digitaler Wandel

Dabei äußern die Verantwortlichen der heimischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft pro Wirtschaft GT eine durchaus interessante Einschätzung: Die negative Entwicklung dieser Kennzahlen habe zwar auch mit der Pandemie zu tun, sie sei aber wohl nicht der wesentliche Treiber: „Wir müssen davon ausgehen, dass viele Folgen erst in den kommenden Jahren sichtbar werden", sagt Albrecht Pförtner, Geschäftsführer der pro Wirtschaft GT. „Womöglich sind die erstmals sinkenden Zahlen in diesen Bereichen eher die ersten Anzeichen eines digitalen Strukturwandels, der für den Kreis Gütersloh eine Herausforderung sein wird."

Starker industrieller Kern
„Der Kreis Gütersloh zeigt sich robust“, sagt Albrecht Pförtner, Geschäftsführer der pro Wirtschaft GT.Bildzeile - © Mario Wallenfang Fotografie
„Der Kreis Gütersloh zeigt sich robust“, sagt Albrecht Pförtner, Geschäftsführer der pro Wirtschaft GT.Bildzeile (© Mario Wallenfang Fotografie)

Zahlreiche Indikatoren in der Statistik zeugen weiterhin von der Widerstandsfähigkeit des Kreises Gütersloh. Der starke industrielle Kern im Kreis liefert dafür die Basis. Ausgehend von einem bereits sehr hohen Niveau liegen die Entwicklungen der Anzahl der Betriebe, die Umsatzentwicklung und die Zahl der Beschäftigten im Industriesektor deutlich über den Vergleichswerten von Land und Bund. Zudem zeigt sich der Kreis Gütersloh als Innovationsmotor. Die Zahl der angemeldeten Patente liegt weit über dem OWL-, Landes- oder Bundesschnitt.

Zu wenige Frauen

Neben den positiven Kennzahlen, zeigen einige Ergebnisse des Strukturberichts aber auch Handlungsbedarfe auf. „Wir haben im Vergleich zu anderen Regionen vergleichsweise wenig Frauen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Wir sollten bestimmte Berufsfelder für Frauen attraktiver gestalten", so Pförtner. In Halle spielen die Frauen in einem Segment allerdings die Hauptrolle – wobei mehr als fraglich erscheint, ob das erstrebenswert ist: Sie stellen 89 Prozent der rund 4.000 Teilzeitbeschäftigten. Die Quote ist die höchste und liegt über Kreisschnitt (83 Prozent). Und auch absolut weist keine Kommune des Kreises mehr Frauen in Teilzeit auf.

Fachkräfte sichern

Laut Bericht liegt eine große Herausforderung in der Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs. Die Aus- und Weiterbildung sowie lebenslanges Lernen seien deshalb auch weiterhin wichtige Aufgaben für den Wirtschaftsstandort Kreis Gütersloh. Wichtig in diesem Zusammenhang ist dabei natürlich, die Menschen im Kreis zu halten. 25.525 Personen zogen 2020 weg aus der Region, 26.432 ließen sich hier nieder. Macht unter dem Strich einen positiven Wanderungssaldo von 907 – damit liegt der Kreis Gütersloh in OWL vorne. Bei den 18- bis 25-Jährigen liegt der Saldo allerdings bei minus 373. Hier weisen in OWL nur Bielefeld und der Kreis Paderborn positive Werte auf – was in ihrem Status als Hochschulstandorte begründet liegen dürfte.

Viele Arbeitsplätze in Halle

Die Beschäftigtendichte im Kreis Gütersloh liegt bei 499. Also können für 499 je 1.000 Einwohner oder 49,9 Prozent der Bevölkerung Arbeitsplätze angeboten werden. Halle weist hier einen Wert von 620 auf, im Kreis ist nur noch Verl (690 stärker). 49,6 Prozent dieser Arbeitsplätze der Lindenstadt sind im produzierenden Gewerbe angesiedelt – daran dürfte Storck den Löwenanteil verbuchen. Mehr als 10.000 Menschen kamen 2020 täglich zum Arbeiten in die Stadt – trotz Corona bleibt Halles Kraft als Beschäftigungsstandort ungebrochen. Werther (286), Steinhagen (385, trotz Hörmann), das mit der schwächelnden Fleischwarenindustrie verbundene Versmold (414) und Borgholzhausen (432) liegen bei der Beschäftigungsdichte unter dem Durchschnitt des Kreises.

Arbeitslose Jugend

Der Anteil der Jugendlichen (15 bis 25 Jahre) an der Arbeitslosigkeit im Kreis ist nach einem Jahr der Erholung 2020 wieder deutlich angestiegen: von 9,2 auf 10,4 Prozent. Am höchsten liegt er in Versmold mit 15 Prozent. Halle (9,2 Prozent), Werther (9,0) und Steinhagen (8,7) liegen unter dem Kreisschnitt, Borgholzhausen (10,8) knapp darüber.

Bei 44.704 Euro liegt die durchschnittliche Bruttolohn- und Gehaltssumme im verarbeitenden Gewerbe im Kreis Gütersloh. Hier spielt Halle keine führende Rolle – die Lindenstadt bietet zwar viele Jobs an, die durchschnittliche Lohn- und Gehaltssumme liegt mit 44.018 Euro aber unter dem Kreisschnitt. Noch düsterer sieht es in dieser Hinsicht in Versmold mit 38.305 Euro aus. Auch in Borgholzhausen (42.279 Euro) wird unter dem Schnitt gezahlt, in Werther (45.872 Euro) und vor allem Steinhagen (51.029) hingegen kräftig darüber.

Das hat auch Auswirkungen auf die Kaufkraft. Liegt der Kreis Gütersloh hier mit einem Wert von 103,1 um 3,1 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, finden sich Versmold (98,8) und Borgholzhausen (99,6) darunter wieder. In Halle und Werther (102,2) ist die Kaufkraft zwar relativ größer als in Gesamtdeutschland, aber niedriger als im Kreisschnitt. Die Steinhagener (104,3) hingegen haben – zumindest laut Statistik – überdurchschnittlich viel in der Tasche. Vielleicht eine der Zahlen, die in der pandemiegeplagten Wirtschaftslage Mut machen könnte.

www.prowi-gt.de

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